Gestern noch Wiederholungstaten, heute Zeit für Neues: eine japanische Großstadt, die wir noch nicht bereist hatten. Doch erst hieß es Abschied nehmen von Kyoto und dem netten Nijo-Viertel. Ein letztes Frühstück bei der Lion Bakery – natürlich mit Matcha Buns, aber leider ohne Matcha Latte, der war aus 🙁 – und ein Cappuccino im Café Phalam, bevor wir im Hotel unsre Sachen holten und uns auf den Weg zur Nijo Station machten.
Randnotiz: Die Unterkunft ist bzgl. Lage und Zimmer sehr zu empfehlen. Das Frühstück ist dagegen eine Katastrophe in mehrfacher Hinsicht, also am besten nicht mitbuchen und falls (wie in unsrem Fall) inkludiert, darauf verzichten und die wirklich guten Bäckereien und Cafés in der Umgebung nutzen.


Am Bahnhof erst ein kleiner Schreck, als die Durchsagen davor warnten, dass der nächste Zug „extremely crowded“ sei. Wir überlegten schon, auf ein Uber-Taxi zu switchen. Erledigte sich aber schnell, als der fast leere Zug einfuhr. Wenige Minuten später waren wir entspannt an der Kyoto Station, wo wir ausreichend Zeit zum Umstieg in den Shinkansen hatten – und das prompt dazu nutzten, noch schnell bei Starbucks eine der Sammeltassen für unsere Kollektion zu kaufen (auch wenn wir dieses Mal nicht in Nara waren, dafür aber letztes Jahr schon zum zweiten Mal) sowie mein geliebtes Yuzu & Lemon Soda (überhaupt gibt es hier unheimlich viele Yuzu-Produkte aller Art!).



Unser heutiger Zug war ein Kodama (= Echo), ein super langsamer Shinkansen, der aber immer noch schneller und pünktlicher fährt als das, was wir in Deutschland von den Zügen gewohnt sind. Keine Stunde später erreichten wir Nagoya, auch bekannt als Toyota-Stadt – mit hoher Autodichte versteht sich. Neben Tokyo, Osaka und Kyoto mögen viele diese Stadt bei ihren Reiseplanungen übersehen, aber sie ist eines der bedeutendsten Industriezentren Japans und viel zu sehen gibt es auch. Das Stadtbild ein komplett anderes als in Kyoto: moderne Hochhäuser statt kleine Tempel und Schreine.
Von allen Sehenswürdigkeiten hier interessierte uns am meisten die Burg Nagoya. Nach einem 4 km langen Sightseeing-Spaziergang quer durch die Stadt erreichten wir das Burggelände.



Die Gebäude und vor allem der Hauptturm der Burg mit den goldenen Delfinen sind beeindruckend, auch wenn hier, ähnlich wie in Toyama, gilt, dass der Schein trügt: Die Geschichte der Burg reicht zwar weit zurück, die Gebäude sind jedoch alles andere als alt, sondern mussten nach Zerstörung im Zweiten Weltkrieg neu errichtet werden.







Weite Teile der Burg-Anlage waren heute angenehm leer. Erst als wir nach den Teehäusern den Hauptturm erreichten und Richtung Honmaru-Palast schlenderten, wurde es voller. Hier waren größere Reisegruppen unterwegs, samt Reiseleiter und den obligatorischen Gruppenfotos, weshalb wir zügig weitergingen.
Da immer wieder leichter Regen einsetzte, beschlossen wir, per Uber-Taxi zurück ins Zentrum zu fahren. Bislang hatten wir hier immer sehr gute Erfahrungen damit gemacht, heute sollte jedoch ein Erlebnis der besonderen Art werden. Zunächst fiel mir nur auf, dass unser Taxifahrer alt war. Wirklich sehr alt. Ich finde das in Japan teilweise sehr bedenklich, in welch hohem Alter die Menschen hier noch arbeiten (müssen) – insbesondere wenn es z. B. um anstrengendes langes Stehen geht wie bei den älteren Personen, die hier an Baustellen, Ausfahrten usw. eingesetzt werden, um den Verkehr und die Fußgänger zu regeln/winken. Im Taxi dachte ich mir erst mal nichts weiter dabei, bis André mir signalisierte, dass der Fahrer sehr müde sei und den Eindruck mache, als nicke er gleich ein. Kurz bevor wir das Bahnhofsviertel erreichten, passierte es: Wir hielten an einer Ampel und als es grün wurde, passierte nichts. Hinter uns hupte es. Ein Blick nach vorne bestätigte uns, dass der Fahrer eingeschlafen war, André fasste ihn an der Schulter und rüttelte ihn wach. Gut, dass wir ohnehin schon am Parkplatz vor dem Bahnhof waren und dort ausstiegen, denn mit solch einem übermüdeten Fahrer weiterfahren, das wollte ich lieber nicht.
Dieses gruselige Erlebnis mussten wir erst mal sacken lassen und beschlossen, im JR-Bahnhof eine Gelegenheit zum Essen zu suchen. Dazu gilt es zu erwähnen, dass der JR-Bahnhof von Nagoya kein gewöhnlicher ist. Er ist in mehrfacher Hinsicht ein Superlativ: Er bildet zusammen mit den angrenzenden Bahnhöfen anderer Bahngesellschaften, U-Bahn- und Busbahnhöfen einen riesigen Verkehrsknotenpunkt und zum Bahnhofsgebäude gehören zwei Hochhäuser von rund 200 m Höhe. Die JR Central Towers beeinhalten zahlreiche Shoppingmöglichkeiten sowie zwei Etagen mit Restaurants. Fast schon erschlagen von der riesigen Auswahl entschieden wir uns für vietnamesische Küche bei Good Morning Hanoi.



Danach hatten wir genug Energie, um uns von den Restaurant-Etagen im 12. und 13. Stock durch die vielen Shops nach unten ins Erdgeschoss zu arbeiten. Pflichtstationen wie immer: Uniqlo und Hands, wobei letzteres sich in einem der Tower über mehrere Stockwerke erstreckte. So faszinierend das Angebot dort ist, irgendwann macht einen die Reizüberflutung richtig müde und man ist nicht mehr aufnahmefähig – bei uns spätestens in der Etage mit den Automaten voller Nippes der Fall (Automaten sind in Japan echt ein Ding, Krimskrams wie Schlüsselanhänger, Plüschfiguren etc. auch…).


Als dieser Punkt erreicht war, beschlossen wir, uns langsam Richtung Hotel aufzumachen, nicht ohne uns vorher in der Lebensmittel-Etage von Takashimaya mit Abendessen zum Mitnehmen einzudecken. Auch dort wie immer dass Problem, dass es mehr gibt, als man braucht. Essen aller Art im Überfluss. Wir entschieden uns für Sushi und ein Dessert, wobei die Dessert-Wahl dann etwas ausuferte, weil wir so viel probieren wollten: Mini-Matcha-Pfannkuchen, Kastanien-Mochies und natürlich der hier beliebte Klassiker, Mont Blanc (derzeit in der Halloween-Version mit Geisteraugen).


Es war inzwischen fast 18 Uhr und damit schon dunkel, sodass wir auf dem Weg zurück die nun beleuchteten Wolkenkratzer im Zentrum nochmal ganz anders erlebten. Die beleuchteten Fahrstuhlschächte an den Außenseiten muten an wie ein Tetris-Spiel.



Auch unser Hotel, in den oberen Etagen eines Hochhauses gelegen, wirkte nun ganz anders. War die Aussicht von oben am Tag schon faszinierend gewesen, war sie es bei Dunkelheit noch mehr: ein riesiger Lichterteppich, der sich scheinbar endlos in alle Richtungen ausbreitete.


Sogar vom Fitnessraum des Hotels im 32. Stock hat man diese Aussicht, sodass ich es mir nicht nehmen ließ, dort noch eine kurze Laufeinheit einzulegen. Definitiv in den Top 10 meiner unvergesslichen Laufband-Aussichten!


Am nächsten Morgen geht’s weiter nach… Tokyo!
Ein Gedanke zu “Mehr Wolkenkratzer als Tempel”