Heute ist in Japan Feiertag. Ja, schon wieder. Erst letzte Woche war Respect for the Aged Day. Heute ist Autumnal Equinox Day. (Un-)Passenderweise sind es hochsommerliche 30 Grad, bei strahlendem Sonnenschein. Macht nichts, das hält hier niemanden davon ab, diesen Tag angemessen zu begehen.
Wie man das hier so feiert? Man besucht Tempel und Schreine (kein Problem bei der Riesenauswahl in Kyoto), gedenkt auf dem Friedhof den Verstorbenen, genießt das letzte bisschen Sommer und gleichzeitig auch schon ein bisschen die Vorboten des Herbstes. Kein Problem, da sind wir doch gerne dabei!
Zeitig nach dem Frühstück machen wir uns zu Fuß auf den Weg gen Osten. Der Otani Hombyo Temple, ein buddhistischer Tempel, ist der erste auf unserer Route. Heute boomt offensichtlich das Geschäft der Floristen, denn viele kaufen Blumensträußchen (und Räucherstäbchen), die sie dann am Tempel niederlegen, in dessen Hof große Blumengestecke aufgestellt sind.


Der Weg führt uns weiter bergauf, durch den angrenzenden Nishi Otani Friedhof: Ein riesiges Grabfeld soweit das Auge reicht und eine Aussicht auf Kyoto und den Kyoto Tower. Auch wenn es reine Urnengräber sind, ist es beeindruckend, wie dicht an dicht die Gräber aneinander gepresst sind. Irgendwie auch im Tod ein Abbild des Lebens hier: viele Menschen auf wenig Raum.




Wenige (Höhen-)Meter mehr und wir erreichen den Tempelkomplex des Kiyomizudera Tempels, Unesco-Weltkulturerbe. Bei unserem ersten Japan-Besuch vor fünf Jahren waren wir bereits hier und doch ist es erneut beeindruckend. Auch wenn heute Menschenmassen in den Tempel drängen und es sehr beengt zugeht. Wir genießen kurz die Aussicht und gehen dann zügig weiter Richtung Südosten, wo im Wald von Higashiyama die Koyasu Pagode steht. Dort geht es schon wesentlich ruhiger zu.








Die Tourimassen konzentrieren sich eindeutig auf den Tempel und die Einkaufsstraße davor. Dort müssen wir leider nochmal durch, um weiter durch das ebenfalls überfüllte Gion-Viertel gen Norden zu gelangen. Wir spazieren weiter und gelangen nach einem Bogen um die lange Warteschlange, die bei der Daiun-in Tempelanlage für die Besichtigung des Gion-kaku Towers ansteht, zum Maruyama Park und zum Samnon Tor. Die Sonne steht inzwischen hoch und es ist richtig heiß geworden. Gut, dass in Japan an jeder Ecke Getränkeautomaten stehen!


Wenige Meter weiter, kurz vor dem National Museum of Modern Art Kyoto (aktuell übrigens mit einer sehr interessant klingenden Ausstellung zum Thema Fashion!) und dem riesigen roten Torii legen wir in einem Supermarkt eine kurze Pause ein und decken uns erneut mit kalten Getränken (Yuzu-Lemon Soda, so lecker!) ein. Der weitere Weg führt uns durch den Okazaki Park, wo eine Art Food Festival stattfindet und buntes Treiben herrscht, inklusive Flammenwerfer-Show.
Kurz danach verlassen wir den Stadttrubel und treten durch ein Torii auf das Gelände eines Schreins. Dort herrscht angenehme Stille. Die Stars des Okazaki Shrine sind die unzähligen Hasenstatuen ringsum, weswegen er auch Rabbit Shrine genannt wird. Die Hasen gelten hier als Götterboten und stehen für Fruchtbarkeit und Empfängnis. Außerdem ist der Schrein einer der vier sog. Kompass-Schreine und gilt als Guardian of the East. Außer dass ich unzählige Fotos mache, muss ich natürlich wieder ein Ema-Täfelchen für meine Sammlung und Omikuji in Hasenform kaufen.









Wir verlassen das Schrein-Gelände wieder, folgen dem östlich daneben gelegenen Pfad gen Norden und stehen nach wenigen Stufen auf dem buddhistischen Tempelgelände des Konkai Komyo-ji. Es ist angenehm ruhig hier, überhaupt keine Menschenmassen, lediglich Einheimische. Das hier scheint kein Touri-Hotspot zu sein. Sehr angenehm. Der Teich mit Koi-Karpfen wirkt wie ein Ruhepol, auf den Steinen sonnt sich eine Schildkröte.


Da wir zum Philosophenweg wollen, folgen wir der langen Treppe nach Osten, durch den Friedhof hindurch, und biegen bei der Pagode nach links ab. Von hier oben hat man einen wunderbaren Ausblick nicht nur auf die Tempelanlage, sondern auch auf Kyoto. Außer ein paar Einheimischen, die den Feiertag zur Grabpflege nutzen, ist niemand hier. Wir spazieren weiter und schauen uns noch ein bisschen um, bevor wir am Shinsho-Gokuraku-ji Temple die Treppe hinunter zum Ausgang nehmen.




Wenige Straßen weiter und wir erreichen den Philosophenweg, wo wir erst mal auf der Terrasse von and bull coffee eine Matcha Latte-Pause einlegen.




Unser Spaziergang führt uns weiter über den Philosophenweg, am Flussufer entlang, bis zum Ginkaku-ji. Einen Besuch sparen wir uns, da wir die Anlage erst letztes Jahr besucht haben. Wir folgen der Straße nach Osten, queren den Kamogawa Fluss und erreichen nach einigen Kilometern durch das Universitätsviertel den Kyoto Gyoen / National Garden mit dem Kaiserpalast.
Unser Tacho zeigt inzwischen schon über 10 km an und langsam qualmen unsere Füße. Höchste Zeit für eine Pause! Wir kehren im Toraya Karyo ein, einem Teehaus in einer ruhigen Nebenstraße des Parks, das uns bereits im letzten Jahr mit seiner Architektur und Gartenanlage begeistert hat. Wir haben Glück und bekommen nach kurzer Wartezeit nicht nur einen Tisch, sondern noch dazu draußen auf der Terrasse, mit direktem Blick in den Garten. Es passiert selten, aber dieser friedvolle Ort macht uns irgendwie glücklich! Am liebsten würden wir den Bausatz für Teehaus und Garten einpacken und mit nach Hause nehmen. Noch glücklicher sind wir, nach dem die bestellten Sachen kommen: ein Iced Matcha Latte und eine große Schale Chestnut (ja, da sind sie schon wieder, die Kastanien, prima!) bzw. Matcha Shaved Icecream. Ein Träumchen!



Auf dem Heimweg kommen wir zufällig an einem Schrein vorbei, der direkt auffällt: Der Goo Shrine ist mit Wildschweinen und Füßen geschmückt. Bein- bzw. Fußgesundheit kann man als Läuferin ja immer gebrauchen, also erstehe ich auch hier ein Ema-Täfelchen und niedliche Omikuji-Wildschwein-Figürchen, bevor es weiter Richtung Unterkunft geht.





Nach über 16 km zu Fuß durch Kyoto kommen wir wieder im Hotel an. Müde, aber herrlich zufrieden mit diesem Programm, das so passend war zum Herbstanfang!
Zum Abendessen spazieren wir von der Gojo-Dori-Street die Higashino-Toin-Dori-Street gen Norden und entdecken zufällig an der Kreuzung zur Bukkoji-Dori-Street ein sympathisches kleines Restaurant: Gyoza Kazu Kyoto. Wenige Minuten später sitzen wir direkt vorne an der Bar, mit Blick auf die Küche. Das Publikum ist jung, wir sind hier aufgrund des Alters und als einzige Touris definitiv Exoten, fühlen uns aber dennoch direkt wohl. Die Karte ist so, wie wir sie am liebsten mögen: Eine Seite, extrem übersichtlich. Wir bestellen Gyoza, Pickled Cucumber, Whitebait Rice Bowl, Ramen und Lemon Fried Rice. Alles wird tapasartig zum Teilen aufgetischt – und ist extrem lecker. Mein Favorit ist aber definitiv der Lemon Fried Rice: Simples Soulfood, das mich nach diesem sommerlich-herbstlichen Tagesprogramm definitiv glücklich und gesättigt in die Federn sinken lässt – bereit für morgen!








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