Städteverbindung

Nicht ohne eine Bento-Box im Gepäck geht es in der Tokyo Station los zum Bahnsteig, wo der Shinkansen schon wartet.

Doch mit Einsteigen und Losfahren wird zunächst nichts: Wir haben extra diejenige Japan Railpass-Version gewählt, bei der man neuerdings die Sitzplätze online reservieren kann. Die Reservierung wird dann im Browser und per Mail bestätigt. Und dann kommt’s: In der Mail steht im Kleingedruckten, dass die Mail per se nicht als Reservierung gilt, sondern man am Automaten die Reservierungstickets ausdrucken muss.

Bingo. Der natürlich pünktlich abfahrende Shinkansen fährt ohne uns, da mir am Bahnsteig vom Personal niemand sagen kann (bzw. kein Englisch versteht), wo der nächste Automat dafür steht. Es stellt sich raus, dass ich nochmal ganz von den Gleisen runter ins Gebäude und vor die Zugangsschranke muss. Wo es am Automaten leider auch nicht funktioniert, da der Zug, für den ich reserviert hatte, ja gerade abgefahren ist und man offensichtlich nicht parallel neue Reservierungstickets abrufen kann. Leicht genervt stelle ich mich in die Schlange am Ticketschalter und warte. Der freundliche Mensch am Schalter druckt dann allen Ernstes erst die nicht mehr nutzbaren Papiertickets aus, vernichtet sie, reserviert mir dann neue Plätze für die nächste Verbindung und druckt nochmal Papier-Tickets aus. Ich ärgere mich über mich selbst – mit der richtigen Info wäre ich mit meiner Online-Reservierung gleich zum Automaten, hätte den QR-Code meines Railpasses eingescannt und schwupps die Sitzplatz-Tickets erhalten – und darüber, wie man einen solchen Prozess nur in Teilen digitalisieren kann.

Eine halbe Stunde später und mit papiernen Sitzplatzreservierungen ausgestattet geht es dann endlich zum Zug nach Kyoto. Gut, dass es hier alle paar Minuten eine Shinkansen-Verbindung gibt! Musik ertönt (man könnte meinen, man sei bei Starlight Express), die Türen schließen, das Personal dienert und los geht’s. 3 h Landschaftskino bei grandios sonnigem Wetter. Wir sitzen extra in Fahrtrichtung rechts, aber der Fuji spielt heute mal wieder nicht mit und bleibt im Wolkenfeld versteckt.

Ansonsten ist es auf der Zugfahrt wie immer hier: höflich, pünktlich, sauber. Die Deutsche Bahn könnte ruhig mal bei Japan Railway in die Lehre gehen…

In Kyoto, der einstigen japanischen Hauptstadt, angekommen, erwartet uns der Frühling: 18 Grad, Sonne satt. Wow. Wir spazieren los zur Tempelanlage des Nanzen-ji und weiter, über den Philosophenweg zum Ginkaku-ji mit dem sog. Silbernen Pavillon und seiner beeindruckenden Gartenanlage. Es ist noch etwas zu früh in der Jahreszeit, aber die ersten Kirschblüten öffnen sich und einzelne Bäume blühen schon. Dafür ist es noch herrlich leer auf dem Weg und in den Tempelanlagen, keine Menschenmassen, sehr angenehm! Begleitet von der untergehenden Sonne machen wir uns auf den Rückweg Richtung Gion. Dort erkennen wir auf Anhieb den kleinen Schrein, der in der Netflix-Serie The Makanai: Cooking for the Maiko House immer wieder vorkommt. Bislang haben wir Gion samt der Geishas nur bei Tag erlebt, aber abends mit den beleuchteten Lampions in den kleinen Gassen ist die Atmosphäre nochmal eine ganz andere und echt besonders!

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