Nach einer erneuten Nacht mit starkem Gewitter, heftigem Regen, viel Unruhe und wenig Schlaf, nicht zu vergessen der Katzenjammer auf den Dächern von Como, wachten wir frühzeitig und wie gerädert auf. Eigentlich hatten wir mit einem Ausflug nach Brunate geliebäugelt, inklusive einer kleinen Wanderung. Ein Blick in die Wetter-App zeigte, dass der ganze Tag ein einziges heftiges Gewitter sein würde und die Luftqualität war wie schon seit Tagen im tiefroten Bereich. Was schon für den Kreislauf eines normalen, gesunden Menschen sehr belastend ist, kickt bei jemandem mit Vorerkrankung so richtig. Zeit für den Reiserat, mal wieder zu tagen.
Das tat er dann auch umgehend und zwar im Maya, bei frischem Kaffee und Croissants. Das Ergebnis war eindeutig: Wir wollten unter diesen Rahmenbedingungen weder weiter in Como bleiben, noch war es eine Option, vorzeitig in die Schweiz, nach Silvaplana weiterzufahren, wo wir eigentlich den nächsten Stopp geplant und gebucht hatten. Letzteres ist relativ hoch gelegen und hätte mit Temperaturen knapp über 0 Grad den nächsten Kreislaufschock verpasst. Die einzig denkbare Option für uns: Vorzeitig den übernächsten Stopp anzusteuern. Garmisch-Partenkirchen, das mit knapp 22 Grad definitiv weniger Hitze und Schwüle zu bieten hatte. Die Eigenheiten und letztlich auch Vorteile eines Roadtrips.

Also zügig fertig frühstücken, auf dem Heimweg direkt gegenüber im Casa del Biscotto süße Mitbringsel einkaufen, Koffer packen und durch die Altstadt von Como zum Autosilo stiefeln, um dort das Auto zu beladen und abzuholen.

Noch vor zehn Uhr waren wir unterwegs, zunächst aus Como raus, dann über die Grenze von Italien in die Schweiz.
Arrivederci & grazie mille!
In der Schweiz unterhielt uns das Landschaftskino großartig. Unterwegs überholten wir die Rhätische Bahn und mussten kurz an unsere Japan-Reise wenige Monate zuvor denken, als wir mit der Hakone-Tozan-Bergbahn fuhren, für die die Schweizer Bahn Pate stand.
Statt wie auf dem Hinweg durch den Gotthard-Tunnel ging es nun durch den Bernardino-Tunnel, der knapp halb so lang ist. Insgesamt war die Strecke etwas angenehmer zu fahren, wobei wochentags auch sehr wenig Verkehr war. An der Schweizer Raststätte tauschten wir drei Toiletten-Wertbons gegen den bis dato teuersten Feigensenf für unseren Haushalt.

Das eigentliche Tagesmotto: Wie viele Grenzen bzw. Länder kann man wohl an einem Tag sammeln bei diesem Roadtrip?! Nach Italien und Schweiz gesellte sich Liechtenstein mit auf die Liste, bevor es kurz durch Österreich (die nächste Vignette für unsre Kollektion auf der Autoscheibe…), durch Deutschland, wieder nach Österreich und dann final wieder nach Deutschland ging. Wobei die Grenzen fühlbar nicht existierten. Die einzigen Grenzkontrollen erwarteten uns bei dem zweiten Teilstück durch Österreich und gegen Ende der Fahrt, kurz vor Grainau, wo wir jeweils von der Polizei rausgewunken wurden. In beiden Fällen genügte Fenster runterfahren, ein paar Fragen beantworten (keine Ausweiskontrolle, nichts) und weiter.
Am Nachmittag erreichten wir Garmisch-Partenkirchen – mit 22 Grad und leichtem Wind schon fast „kalt“ im Vergleich zu dem, was wir die letzten Tage in Italien ertragen hatten, und furchtbar angenehm. Nach der langen Fahrt waren wir ziemlich durch und mit letzter Energie schleppten wir uns ins Gasthaus zur Schranne, wo wir Suppe, Salat und Schorle zu uns nahmen, bevor wir satt und müde in die Federn sanken – der (Aus-)Blick auf den Hausberg und das Alpenglühen dahinter.


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