Nach längerer Zeit und Ende der Pandemie wurde es mal wieder Zeit für einen gemütlichen Roadtrip. Gemütlich ging es los, erster Pausenstopp im Elsass, wo wir umringt von hungrigen Storchen und Blick auf die Hohkönigsburg belegte Baguettes, Eclairs und Flan-Kuchen verspeisten – was auch sonst.

Den zweiten geplanten Pausenstopp sparten wir uns, zumal man die Vignette für die Schweiz direkt am Grenzübergang kaufen konnte. Nächster Stopp, fast obligatorisch, war am Gotthard, wo wir eine etwas längere Kaffeepause einlegten, da kurzzeitig mit Gewitter und Regenschauern Weltuntergangsstimmung herrschte. Übrigens eine der schönsten Raststätten (neu, sauber, schön gestaltet) und vor allem mit die schönsten und saubersten Raststätten-Sanitäranlagen, die mir bislang untergekommen sind. Muss auch mal gesagt bzw. gelobt werden.




Kurz danach zeigte sich, dass man nicht immer dem Navi vertrauen soll. Gerade noch rechtzeitig merkten wir, dass wir auf der Passstraße waren, die wir definitiv nicht fahren wollten! Aufgrund eines kleinen Rückstaus vorm Tunnel hatte das Navi uns auf diese Alternative geleitet. Schnell umgedreht und wieder zurück, in die Warteschlange vorm Tunnel. Nach kurzer Wartezeit von 20 min. ging es dann auch schon rein und zügig durch, während das Thermometer bis zur Tunnelmitte immer höher kletterte, bis auf 38,5 Grad.
Nach etwas Landschaftskino mit Bergen und Seen kamen wir am frühen Abend an unserem (ersten) Ziel an: Varano Borghi am Lago di Comabbio. Unsere Unterkunft: die Villa Borghi. Im Internet vielversprechend angepriesen und in aller Herrlichkeit bebildert stellte sich das ganze vor Ort schnell als Möchtegern-Palazzo raus. Vermarktung ist alles. Mir kam dieser grandiose Film von Sorrentino in den Sinn: La Grande Bellezza – Die große Schönheit. Fassade ist alles, dahinter herrscht nett formuliert morbide, angestaubte Schönheit. In der Lobby und auch im Badezimmer grüßten uns die Spinnen, die schon länger ungestört ihre Netze webten, die Flure im neu gestalteten Zimmertrakt versprühten sterilen Krankenhaus-Charme und an der Duschkabine hatte jemand gearbeitet, der vom Silikonieren definitiv noch weniger Ahnung hatte als ich. Der Putz blätterte, die Buchsen um die Strom-Anschlüsse fehlten teilweise und dass eine 4*-Villa Plastikbecher im Bad einsetzt, hätte ich noch verkraftet, aber bei (nicht vorhandener) Sauberkeit im Zimmer hört dann definitiv der Spaß auf und ich bin nicht mehr kompromissbereit. Die Bilder davon erspare ich hier lieber…
Nach dem ersten Rundgang auf dem Gelände wurde unser Eindruck vom Urlaubsdomizil nicht besser. Das Gartenmobiliar hatte nach Zustand und Sauberkeit zu urteilen definitiv bessere Zeiten gesehen (vor der Pandemie?), im Park lehnte am Baum angelehnt ein alter Teppich und der Pool hatte Aussicht (und Lärmkulisse) auf die Straße statt wie angepriesen auf den See. Schade eigentlich, das alles hätte Potenzial, wäre es nicht in einer Art Dornröschenschlaf versunken und würde es nicht so lieblos behandelt werden.

Mit dem Rundgang durch die Umgebung waren wir auch schnell fertig. Zum See kamen wir nicht durch (immerhin waren die Menschen, durch deren Privatanwesen wir aus Versehen durch wären, sehr freundlich), der Ortskern war wie ausgestorben und die Kirche war verschlossen.

Der Lichtblick: La Scuderia, die hoteleigene Pizzeria in einem alten Reitstall. Super Konzept, 1a durchgezogen, und vor allem sehr leckere Pizza aus dem mit Holz befeuerten Steinofen. Frisches Bier und luftiger Sauerteig mit saftigem Belag, schon war die Stimmung wieder im Lot. Zumindest für eine Weile. Der Reiserat tagte trotzdem schon mal und beriet die nächsten Schritte…

Die Nacht war etwas schlaflos, da sehr warm und sehr laut. Erst bellte der Hund im Hof pausenlos, dann am Morgen setzten halbstündig die Kirchenglocken ein – wechselweise mit Geläut und Glockenspiel. Gut, dass der Reiserat bereits am Vorabend bei Pizza und Bier beschlossen hatte, weiterzufahren. Von der Lombardei Richtung Piemont, ans Westufer des Lago Maggiore. Booking.com-Guthaben sei Dank, für solche Fälle mit Last Minute-Entscheidungen ein dankbarer Joker.
Das lieblose Frühstück verstärkte unseren Eindruck und bestätigte nur noch unsere Entscheidung: Obstsalat aus der Konserve, kalte Pancakes und eine Küche in der Besenkammer… dazu eine trostlose Kulisse auf der Terrasse mit Blick auf einen Brunnen mit ziemlich brauner Brühe und den Buchsbaum-Garten, der im Unkraut erstickte. Krönung war, dass die Bedienung beim Eindecken die Messer dazu benutzte, die Ameisen vom Tisch zu kratzen. Wir nahmen es mit Humor, mussten trotz allem ziemlich lachen und freuten uns aufs Koffer Packen. Reisen, das ist auch solche Erlebnisse mitzunehmen. Aber Urlaubszeit ist uns zu kostbar, um sie an Orten zu verbringen, an denen wir uns nicht wohlfühlen.
Von daher blieb nur noch zu sagen: Ciao, Bella, Ciao Bella, Ciao Ciao Ciao…
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