Hoch und runter ging’s vergangenen Samstag (27.07.2019) beim SaarschleifenRun, einem Traillauf mit ordentlich Höhenmetern und anspruchsvoller Strecke. Auf und ab ging’s aber auch organisatorisch, wobei ich auf die Tiefen da lieber verzichtet hätte…
Kritik zum Vorjahr hatte ich schon einige gehört, aber erstens wollte ich mir meine eigene Meinung bilden und zweitens kam mir die Veranstaltung als Trainingslauf für den Hartfüssler Trail Ende August sehr gelegen. Ich entschied mich für die 18,3km-Trailstrecke mit 566 Höhenmetern -oder eher 17km? Da fing nämlich das Chaos an: unterschiedliche Distanz-Angaben innerhalb der Website des Veranstalters. Nächster verwunderlicher Punkt: trotz späten Anmeldedatums wurde beim Bezahlvorgang immer noch der Frühbucherpreis angezeigt. Nun gut, nicht zu meinem Nachteil. In Vorbereitung auf den Lauf machte ich mich auf die Suche nach Infos zur Strecke. Pustekuchen. Online gab es ein Bild vom Strecken-/Höhenmeterprofil, das war’s aber auch. Keine GPS-Daten, keine Karten mit Streckenverlauf. Nix. Morgens beim Abholen der Startunterlagen gab’s Ausdrucke mit dem Streckenverlauf -und der Anmerkung, dass die für unterwegs etwas ungünstig zum Mitnehmen wären. Ach ja.
Mangels Infos auf der Website könnte man meinen, direkter Kontakt hilft. Aber die Mail einer Bekannten mit Fragen an den Veranstalter blieb unbeantwortet. In den zwei Tagen vor dem Veranstaltungstag brannte der Wald in direkter Nähe zur Strecke (konnte man jedenfalls vermuten, denn es gab ja keine Streckeninfos) großflächig. Updates dazu seitens Veranstalter? Fehlanzeige. Stattdessen gab es Facebook-Postings mit Gedichten. Wir wunderten uns, waren aber immer noch festen Willens, beim Lauf an den Start zu gehen. Beim Streckenbriefing morgens die „beruhigende“ Info, dass sich davor einige Starter auf der Langstrecke schon gleich zu Beginn verlaufen hatten. Und mit Verweis auf Nachhaltigkeit die Bitte, den Trinkbecher aus dem Starterbeutel zu nutzen. Den hatten wir gleich schon mit den Sachen zum Auto gebracht, denn wer will einen Plastikbecher in einer klobigen Box kilometerlang mit sich rumschleppen -wo es doch sowas wie faltbare Softbecher gibt, die flach in die Hosentasche passen?!
Zurück zum Start: nach einer kurzen Runde Warmlaufen ging es bereits nach dem ersten Kilometer vom Aussichtspunkt an der Cloef in Serpentinen zur Saarschleife hinunter. Gar nicht ohne, zumal hier einige ungeduldig überholen wollten, was so schmalspurig am Steilhang fast unmöglich war. Unten am Saarufer entlang blieb auch nicht viel Zeit den Puls wieder in den Griff zu kriegen, denn bei km4 ging’s gleich schon wieder nach links in den Wald und den Hang hoch. Den Kilometer bergauf lief kaum einer, Gehen war der überwiegende Fortbewegungsstil. Danach hieß es Konzentration, denn die Strecke kreuzte sich hier mehrfach, sodass man Beschilderung und Pfeile gut im Auge behalten musste. Endlich ging es auch wieder bergab, teilweise so steil, dass man trotz Trailschuhen am Hang ins Rutschen kam, Baumstämme „abknutschte“ und dabei in meinem Fall auch unfreiwillig Streckenbeschilderung mitriss, die mal eben wieder hindeponiert werden musste. Kurz nach Kilometer 8 war man dann zum zweiten Mal unten am Saarufer angelangt und fieberte der ersten Verpflegungsstation (bei km9, an der Mettlacher Saarbrücke) entgegen.
Die Verpflegungsstation war mehr als willkommen, denn es war ziemlich tropisch, schwül, warm, drückend… Gleich danach ging es schon wieder bergauf (wie gefühlt die ganze zweite Streckenhälfte…), sodass mir nichts anderes übrig blieb, als mit dem frisch befüllten Trinkbecher in der Hand eine Gehpause einzulegen. Von hinten näherte sich die nächste Läuferin, die dann neben mir abbremste und mich fragte, beim wievielten Kilometer wir denn wären. Nun ja, wir waren kurz nach Kilometer 9 und sie war definitiv falsch, denn sie hatte sich für die 8,6km-Strecke angemeldet und hatte eigentlich nicht vorgehabt, mehr als doppelt so weit zu laufen. Ich konnte nix Tröstendes sagen, außer dass es kein Cut off gibt und sie notfalls gehen solle… Wie sich im Ziel herausstellte, war sie nicht die einzige, die falsche Abzweigungen genommen bzw. die richtigen verpasst hatte. Ein Bekannter fand sich mit einigen anderen statt nach 18,3km bereits nach 13km im Ziel.
In dem Moment und eigentlich die komplette zweite Streckenhälfte über fragte ich mich, wo diese ganzen Streckenposten und Helfer sein sollten, von denen beim Briefing die Rede war. Denn nach der Verpflegungsstation bei km9 traf ich nur noch eine weitere Person, die bei km14,4 einsam eine weitere Verpflegungsstation betreute (Cola, Wasser und Obst, die Rettung!). Bis dahin ging es nochmal einige Höhenmeter auf und ab, von der schönen Waldkulisse und den Aussichten Richtung Saarschleife hatte ich da nicht mehr viel, ab km13 wurde es zunehmend schwieriger für mich: zu warm, Akku leer und Riesenhass auf berghoch 😉 (Achtung, mentale Krise, typische Frage: „Warum tue ich mir das überhaupt an?!“). Ich brauchte all meine Konzentration, denn die Läufer vor und hinter mir waren zu weit weg, ich musste stark auf die Beschilderung achten, um nicht noch weitere Male in einer „Waldpfad-Sackgasse“ zu landen und umdrehen zu müssen. Kurz nach km16 war es endlich soweit, ich war wieder auf Höhe der Cloef, das Ziel in greifbarer Nähe. Nun wurde die Strecke unschön: man lief in mehreren Schlaufen um den Baumwipfelpfad, bevor es endlich auf die Zielgerade ging. Nun gut, so kann man auch Meter schinden, das hätte man sich irgendwie sparen können.
Aber egal, endlich im Ziel, endlich Medaille um den Hals, endlich keine Steigungen mehr! Zum krönenden Abschluss unsere heldenhaften Überlebens wollten wir dann noch ein gemeinsames Foto machen ;-), allerdings machten mir meine Beine erst mal einen Strich durch die Rechnung, als ich mich auf die erhöht stehende Bank setzen wollte. Direkt vor dem „Locker bleiben“-Schild zwang mich ein Wadenkrampf erst auf die Knie, dann komplett zu Boden. Waldbaden der anderen Art, haha! 😉 Die anderen wussten erst nicht wie ihnen (bzw. mir) geschieht, dann mussten wir uns alle ziemlich kaputt lachen -zur weiteren Verstörung der Spaziergängerin, die immer noch mit meinem Handy in der Hand da stand und darauf wartete, endlich das Gruppenfoto machen zu können. *lol*
Summa summarum hatten wir unseren Spaß und einen tollen Traillauf auf einer schönen und gleichzeitig sehr fordernden Strecke. Getrübt von organisatorischen Defiziten, wie man sie von einem kommerziellen Veranstalter so nicht unbedingt akzeptieren will, zumal viele Laufevents von Vereinen wesentlich professioneller organisiert sind. Da ist definitiv jede Menge Luft nach oben.

