Medaille? Abzeichen!

Nach zig Jahrem im „Laufzirkus“ treibt es mich dieses Jahr vermehrt zu Laufprojekten der anderen Art, weg von kommerziellen Läufen, hin zu besonderen Laufveranstaltungen, Spendenläufen usw. Nach dem Spendenlauf für die Kinderkrebsforschung in Sydney Anfang Juni sollte mein nächstes Projekt ähnlicher Art eigentlich der Solilauf (24h Lauf in St. Ingbert/Saarland, 2019 zugunsten des Wünschewagens, der letzte Wünsche erfüllt) Anfang September sein, aber wie das immer so ist: erstens kommt es anders, zweitens als man plant.

So stieß ich über die Facebook-Gruppe „Laufen-im-Saarland“ auf eine mir bisher unbekannte Veranstaltung: den Special Run von Special Olympics Saarland, der Anfang Juli zum 5. Mal stattfand. Bei dieser Veranstaltung hatten Menschen mit und ohne Behinderung die Möglichkeit, zusammen zu laufen und zu walken. Außerdem konnte man die Gelegenheit nutzen, Laufabzeichen verschiedenster Leistungsstufen abzulegen. Daher war es erklärtes Ziel der Veranstaltung, nicht so schnell wie möglich über die Ziellinie zu kommen, sondern so lange wie möglich zu laufen -gemeinsam, mit Spaß und Freude.

Dieses Paket reizte mich dann doch, ziemlich spontan trotz 32 Grad und grellem Sonnenlicht nachmittags um 15 Uhr am Start zu stehen. Glücklicherweise war die Laufstrecke komplett im Waldgebiet des Stadtwaldes und dadurch größtenteils schattig, es gab mehrere Stellen mit Wasserausschank. Insgesamt gab es drei verschiedene Strecken von 1 bis 5 Kilometern, die miteinander kombiniert werden konnten. Ausschlaggebend war die Zeit des Zieleinlaufs, nicht die zurückgelegte Distanz. Mindestvoraussetzung: 15 Minuten Durchlaufen oder 30 Minuten Walken.

Mein Ziel war, gut eine Stunde mitzumachen und dann zu entscheiden, ob ich ins Ziel laufe oder noch weitere Runden drehe. „60 min Laufen ohne Pause in beliebigem Tempo“ ist Stufe 3 des Laufabzeichens, das wär ja schon was. Also los auf die Strecke, vor mir ein überschaubares Läuferfeld, hinter mir die an diesem Tag weitaus größere Walkinggemeinde. Auf der ersten Runde beging ich dann gleich mal den Fehler, den Läufern vor mir zu folgen, anstatt auf die Bodenmarkierung zu achten -und verlief mich, wenn auch nicht alleine, sondern gemeinsam mit den anderen, denen ich gefolgt war. Mit grober Orientierung nach Himmelsrichtung schafften wir es irgendwie, in einer Schlaufe über einen schmalen Trail wieder zurück auf die richtige Strecke und zur ersten Getränkestation zu finden. Gut, dass es hier nach Zeit und Ausdauer ging und nicht nach vermessener Distanz ;-).

Netter Nebeneffekt: beim Verlaufen habe ich Sandra kennengelernt, die auch nicht unbedingt alleine im Wald unterwegs sein wollte. Unser Tempo (wenn man bei 32 Grad überhaupt von Tempo reden kann…) passte ganz gut zusammen, unser Ziel auch (Sandra wollte ca. 10km Trainingslauf machen, ich mindestens 60 min.) und so beschlossen wir, Zeit und Strecke gemeinsam quatschend totzuschlagen. Unterwegs trafen wir immer mal wieder andere Läufer und Walker, aber größtenteils war es bis auf die Wasserstationen relativ einsam. Als wir 10km auf der Uhr hatten, beschloss Sandra, dass wir die große Runde noch fertig laufen und sie dann ins Ziel abbiegt -um dann nach 90 min laufen Stufe 4 des Laufabzeichens zu erhalten. Mit so netter Laufgesellschaft war die Zeit so schnell vergangen und ich fühlte mich immer noch ganz gut, sodass ich beschloss, auch noch die letzte halbe Stunde voll zu machen.

Auf dieser letzten Runde war ich so ziemlich alleine unterwegs und fungierte spontan als „Besenwagen“ und Botin (um dem ersten Wasserstand zu sagen, er kann Feierabend machen, wenn ich durch bin 😉 ), erst auf den letzten 500 Metern trief ich auf andere Teilnehmer, eine Gruppe Walker. Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass mir eigentlich noch ein Stückchen fehlte, aber selbst für die kleinste Runde hätte es nicht mehr gereicht und so bog ich ab Richtung Ziel -wo ich lachend mit „da fehlt aber noch ne Minute“ begrüßt wurde. Also drehte ich spontan noch ne kurze Runde um die Vereinshütte (den Spaß ließ ich mir als Konter nicht nehmen ;-)…), bevor ich das Laufabzeichen der Stufe 5 („120 min Laufen ohne Pause in beliebigem Tempo“) in Empfang nehmen konnte. Nicht, dass ich damit jetzt das Sportabzeichen erwerben will 😉 (würde gehen, wird anerkannt), aber nett war es schon, so ein Gefühl wie beim Erwerb des Seepferdchens früher… Und nach so vielen Marathonfinishs und einem Ultramarathon war es irgendwie auch höchste Zeit für das Laufabzeichen! 🙂

Kurz danach waren alle im Ziel und es gab einen großen Applaus für die größte Startergruppe von Behinderten, die sich riesig über den gewonnenen Gutschein freute. Applaus verdient hatten auch Veranstalter und Betreuer, die sich wirklich sehr nett um alle Läufer und Walker kümmerten, die Strecke markiert hatten, auf der zweiten Runde dafür sorgten, dass wir uns auch nicht mehr verliefen ;-), die Wasserstationen betreuten und insgesamt einfach ein kleines, aber feines und einzigartiges Laufevent geschaffen hatten. Ich kann an dieser Stelle nur wieder Werbung machen für einen so netten, integrativen Lauf jenseits der großen kommerziellen Veranstaltungen, der etwas mehr Aufmerksamkeit verdient hätte!

 

 

Kommentar verfassen