Von Kyoto nach Tokyo, das steht heute auf dem Programm. Denn leider läuft so langsam der Countdown für den Rückflug. Zuerst aber mal laufe ich und zwar wieder meine Morgenrunde am Fluss Kamo entlang. Ich bin früher dran als gestern und dennoch ist es nochmal ein gutes Stück wärmer, vor 9 Uhr schon fast 30 Grad. Ganz schön heftig für Ende September und langsam fragen sich hier alle, ob der Sommer bzw. das Sommerwetter dieses Jahr nicht enden will.



Zwar treffe ich heute Morgen am Flussufer einige andere sportelnde Menschen, die in kurzen Sachen unterwegs sind, die meisten Japaner:innen sind jedoch mit mehr UV-Schutz unterwegs: lange Hosen, Armlinge, Mützen/Hüte mit Nackenschutz und teils sogar schleierartigem Mundschutz – letzteres ginge mir persönlich beim Sport dann definitiv zu weit, zumal die Luft ohnehin schon stickig ist.
Zurück im Hotel reicht die Zeit noch für Dusche, Frühstück und Check out, dann kommt auch schon das bestellte Uber-Taxi zum Bahnhof. Wir erwischen einen – für Japan – ungewohnt gesprächigen und englischsprachigen Fahrer, der total begeistert von Deutschland ist. Vor zehn Jahren hat er einen Freund in der Nähe von Frankfurt besucht, ist großer Fan von deutschem Bier und hat Fragen an uns. Ob wir zuhause immer Sauerkraut und Pommes essen? Mmh, Gott sei Dank nicht! Stolz verabschiedet er uns am Bahnhof mit „Tschüss!“ und winkt uns nach.
Wir machen uns auf zum Ticketautomaten, wo wir zum letzten Mal für diese Reise die Tickets für die Sitzplatzreservierungen ausdrucken. Mir ist schleierhaft, was das ganze soll: Die Reservierung läuft inzwischen digital, wir wurden noch nie kontrolliert, müssen aber jedes Mal diesen Papierwisch ausdrucken?! So ein Müll! Etwas wehmütig machen wir uns auf zum Bahnsteig: Die 2,5 h Fahrt mit dem Hikari Superexpress von Kyoto nach Tokyo ist die letzte Shinkansen-Fahrt für diesen Japan-Trip, heute ist auch der 14. und letzte Tag unseres Japan Rail Pass. Insgesamt haben wir mit ihm über 3.000 km auf Schienen zurückgelegt – nur die Fern- und Regionalzüge gerechnet, hinzu kommen noch die Kilometer mit den Öffis in Tokyo, die wie möglichst auch innerhalb des JR-Netzes genutzt haben.





Das komfortable und pünktliche Bahnreisen werde ich zuhause wieder sehr vermissen. Keine Verspätung, keine Hektik. Sitze wie ein Wohnzimmersessel. Bahnreisende, die ihre Schlappen auspacken, es sich gemütlich machen, ja sogar Schönheitsmasken auflegen. Kein Müll oder Schmutz im Zug. „Women only“-Zugabteile. Freundliches Zugpersonal. Mir fällt da noch so viel mehr ein. Nur das ewige Dienern könnten sie lassen. Dieser Fokus auf Hierarchien hat hier nicht nur gutes, er lähmt auch bzgl. Innovation und Digitalisierung.
Dafür haben wir uns an die Ordnung sehr gewöhnt: Ruhiges, geordnetes Anstehen überall hat schon was angenehmes. Das merkt man spätestens dann, wenn man in eine China-Gruppe gerät, die laut und chaotisch jede Warteschlange hier crasht. Die Japaner:innen bleiben immer ruhig, aber manchmal zucken die Gesichtsmuskeln und wahrscheinlich flippen sie zumindest innerlich aus.
In Tokyo im Hotel geht es mit ausgiebigem Gedienere weiter. Wir checken ein und machen uns dann auf, um Ginza zu erkunden. Wir kennen das Viertel, hatten hier aber bislang noch nie eine Unterkunft. Natürlich verschlägt es uns wieder ins Ginza Six: In diesem Luxus-Shoppingtempel gibt es derzeit eine große Installation – mit Katzen, wie sollte es anders sein.



Mein Lieblingsort hier ist das OG mit der Tsutaya Buchhandlung (in der es natürlich auch Katzenmagazine gibt, um beim Thema zu bleiben…).
Zum Abendessen fahren wir quer durch die Stadt Richtung Shinjuku, um wie schon im letzten Frühjahr Nudeln und Tempura bei Jinroku zu genießen. Leckere und Michelin Bib Gourmand prämierte Küche für kleines Geld! Wir ergattern dieses Mal auch direkt, ohne Wartezeit einen Platz – vielleicht auch deswegen, weil die Klimaanlage ausgefallen ist und überhaupt kein Andrang herrscht.


Unser Abendspaziergang führt uns zufällig wieder bei All Seasons Coffee vorbei, wo wir noch Kaffeebohnen für zuhause kaufen. Dann geht es natürlich nochmal zu Akomeya Tokyo, Lebensmittel und Haushaltswaren bewundern, und zu Hands, mein absoluter Lieblingsladen hier in Japan. Es gibt einfach nichts, was es in deren Läden nicht gibt: Von IT-Bedarf über Baumarkt-Ware, Schreibwaren, Küchenbedarf und Reisegepäck bis hin zu Outdoor-/Camping-Bedarf. Gut, dass die Filiale um 21 Uhr schließt, sonst hätte ich hier noch weitere Stunden mit Stöbern verbracht…


Mit der Bahn geht es zurück zur Tokyo Station und zu Fuß durch das nächtliche Ginza ins Hotel, während das Nachtleben gerade erst erwacht… Bereit (oder auch nicht) für den letzten Tag…



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