Heute geht es für uns in eine weitere der ehemaligen Hauptstädte Japans. Osaka ist heute die drittgrößte Stadt Japans und, noch viel interessanter, gilt als die Küche Japans. Getreu dem Motto „Sweat first, Takoyaki later“, geht es für mich morgens in Kyoto erst mal in die Laufschuhe, auf eine Morgenrunde am Fluss Kamo entlang. Es ist trotz früher Uhrzeit schon ordentlich warm, aber ich bin beim Morgensport in bester Gesellschaft: Es wird gelaufen, geradelt, posaunt (kein Witz!) und im Schatten eines Baumes entdecke ich eine Yoga-Gruppe. Noch unterhaltsamer ist aber die Natur mitten in der Stadt: Um mich herum schwirren Libellen und Schmetterlinge, im Fluss jagen Enten und Reiher ihr Frühstück. Was ein schöner Start in den Tag!







Danach geht es zügig unter die Dusche, zum Frühstück und zum Bahnhof. Im Gegensatz zum letzten Besuch in Osaka, der rund sechs Jahre zurückliegt, ersparen wir uns dieses Mal den Hotelwechsel und besuchen Osaka im Rahmen eines Tagestrips. Eine Viertelstunde Fahrt mit dem Shinkansen für die rund 50 km Distanz ist ja auch quasi nur ein Wimpernschlag. Wir verlassen den Bahnhof und stehen mitten im Umekita Park, wo schon alles auf die Expo hindeutet, die 2025 in Osaka stattfinden wird. Ringsum laufen zwar noch Bauarbeiten, aber die Parkfläche mit dem bekannten Sky Building im Hintergrund ist schon fertig gestaltet, Kinder toben durch die Wasserspiele und nebenan ist gerade erst neu eröffnet ein nettes Café namens Talks, wo wir uns eine kühle Limonade schnappen.



Bei knapp 30 Grad beschließen wir, den Sehenswürdigkeiten (z. B. die Burg), die wir beim letzten Besuch schon gesehen haben, keinen erneuten Besuch abzustatten, sondern erst mal die Klimaanlagen der Einkaufszentren zu genießen. Und davon gibt es in Umeda, rund um den Bahnhof so einige: Wir lassen uns durch mindestens drei Einkaufstürme treiben, die alle miteinander verbunden sind. Bei Allbirds quatschen wir kurz mit der Verkäuferin und wundern uns nicht, dass die Sneaker der Japan-Edition in Beige gehalten sind: Erdtöne und eher unauffällige Farben sind das, was man hier überwiegend sieht. Nicht viel anders bei Lululemon, wo ich schon befürchtet habe, aufgrund des Yen-Kurses in Shoppingrausch zu verfallen, aber die meisten Klamotten in „Asian Fit“ sind, also zu kurz geschnitten für große Menschen wie mich. Im Yodobashi Store halten wir es nicht lange aus: bunt, blinkend, ganz schnell Reizüberflutung.


Der Hunger treibt uns in die oberste Etage, wo die Restaurants sind und gerade viele ihre Mittagspause verbringen. Überfordert vom Angebot landen wir im Hong Kong Chon Long, wo es chinesisches Büffet gibt. Keine kulinarische Glanzleistung, wären da nicht zwei Damen, die Wägen mit Bambuskörben voller köstlicher Dim Sum von Tisch zu Tisch schieben. Wir futtern uns einmal durch alle Sorten durch und vertilgen zwei Runden süße Dim Sum, die mich sehr an Omas Dampfnudeln zuhause erinnern. Mmh, einfach köstlich/oishii! Es wäre alles perfekt, wenn ich bei den Getränken nicht den Fehler machen würde, mir eine Colaschorle aus Pepsi und White Water zu mischen: Es flockt und sieht unappetitlich hellbraun aus. Ein Blick in Google lehrt mich, dass White Water Wasser mit Joghurt(-geschmack) ist. Nun ja, wieder was gelernt.



Satt und zufrieden verlassen wir den „Knödel-Himmel“ und sind zig Rolltreppen später endlich wieder draußen an der frischen Luft. Durch die Straßen lassen wir uns gen Süden treiben. Restaurants und Shops wechseln sich mit Karaoke-Bars und Pachinko (= Glücksspiel)-Hallen ab. Erst Richtung Flussufer wird es ruhiger. Nakanoshima, eine Sandbank mittendrin und sozusagen die Museumsinsel, ist eine Art Ruheoase.






Auf dem Weg weiter gen Süden stoßen wir auf Sunny Day Dumpling, eine sympathische kleine Bier- und Dumpling-Bar. Einige Abbiegungen später landen wir auf der Shoppingstraße mit den Luxusboutiquen, bevor wir dann nach einem weiteren Kilometer ins Dotonbori-Viertel eintauchen. Eine Mischung aus Küche und Karneval, habe ich irgendwo gelesen, und das trifft es ziemlich. Bunte, blinkende und laute Werbung überall, berühmt vor allem das berühmte Glico Sign.




Die Essensgerüche sind eine wilde Mischung aus französischem Gebäck, amerikanischen Burgern (Shake Shack!) und japanischen Spezialitäten, insbesondere Takoyaki: Die gegrillten Kugeln aus Tintenfischstückchen, Ingwer, Zwiebeln und Teig sind ein Osaka-Klassiker und hier nicht wegzudenken. Ein weiterer Klassiker der Kansai-Küche sind Kushikatsu, Spieße mit paniertem und frittiertem Fleisch oder Meeresfrüchten, besonders urig rund um den Tsutenkaku.



Nicht nur unsre Füße sind langsam müde, auch unser Kopf qualmt langsam von den ganzen Eindrücken. Wir beschließen, für den Rückweg zum Bahnhof die Metro zu nehmen – und landen unterirdisch erst mal wieder in einem weiteren Shoppingzentrum. Unglaublich, es nimmt hier kein Ende! Am Bahnhof Shin-Osaka steigen wir um in den Shinkansen. Für die kurze Fahrt lohnt es sich kaum, hinzusetzen, aber der Blick aus dem Fenster belohnt uns mit einem feurigen Sonnenuntergang, bevor wir wenig später in Kyoto aussteigen – und wieder Koffer packen, denn morgen geht es weiter.



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