Glocal

Als ich heute Morgen das Hotel verließ und mich auf den Weg Richtung Kaiserpalast machte, fiel mir wieder auf, wie gut ich mich inzwischen hier auskenne. Bei meiner ersten Japan-Reise 2018 schien Tokyo so riesig und labyrinthisch, hatte fast etwas einschüchterndes. Seither hat sich vieles verändert, aber vieles ist auch gleich geblieben und so fällt mir die Orientierung im Straßennetz und Menschentrubel von Ginza leicht.

In den äußeren Gärten des Kaiserpalastes ist morgens vor 9 Uhr in der Regel noch nicht viel los. Heute Morgen standen zwar schon ersten Reisebusse auf dem Parkplatz, sonst waren auf den Wegen ringsum nur Berufstätige und Sporttreibende unterwegs. Wir reihten uns ein in die Läuferschar und spulten Meter um Meter entgegen des Uhrzeigersinns rund um die Palastmauern ab. Wie immer in Japan gibt’s auch hierfür klare Regeln und die Schilder an den Straßenlampen erinnern in regelmäßigen Abständen daran: hintereinander statt nebeneinander laufen, nicht schreien, keine laute Musik hören, nur auf bestimmten Wegen laufen usw. Bei blauem Himmel, strahlendem Sonnenschein und früh morgens schon über 20 Grad (Mitte Oktober!) genossen wir die besondere Laufkulisse, zu der u. a. auch die Palast-Paparazzi an einem der Tore gehören.

Sightseeing kann so einfach sein:
Laufschuhe an und los!

Etwas mehr als 5 km später hatten wir das Palastgelände komplett umrundet und waren wieder unterwegs zurück nach Ginza, wo wir zwischen Hibiya Park und Godzilla-Statue ein Frühstück im Freien genossen – mit Blick auf die Aufbauten für das Hibiya Filmfestival.

Nach einem kurzen Dusch-Stopp im Hotel waren wir direkt wieder unterwegs, vorbei an den unzähligen Restaurants und Kneipen im Ginza Corridor, wo langsam Essensduft in der Luft hing und die Mittagsangebote ausgehängt wurden.

Bevor wir an der Yurakucho Station in die JR-Bahn stiegen, entdeckten wir zufällig den großen Hoka-Shop mit Flylab, den ich mir natürlich anschauen musste – nachdem wir gestern den erst kürzlich eröffneten On-Flagship Store unter die Lupe genommen hatten. Das Personal war super freundlich und bot mir direkt an, auf dem Laufband neue Schuhmodelle zu testen und kostenlos eine 3D-Fußanalyse machen zu lassen – bei letzterem sagte ich nicht nein, zumal ich auf die Schuhempfehlungen gespannt war und wie diese sich mit den Hoka-Modellen decken, die ich besitze.

Nach diesem ungeplanten Zwischenstopp nahmen wir endlich die Bahn zur Shinjuku Station. Auch dort stellte sich sofort ein heimisches Gefühl ein. Kommentar André: Wenn man sich auskennt wie in seiner Westentasche…

In Shinjuku spazierten wir Richtung Shinjuku Gyoen Park (den wir uns bereits bei einem früheren Japan-Trip angeschaut hatten und der sehr zu empfehlen ist!) und weiter zu All Seasons Coffee, eine unserer Stamm-Adressen hier. Statt Nippes und Plastik-Kram aus China kaufen wir viel lieber lokale Sachen als Reise-Souvenirs und -Mitbringsel, so zum Beispiel Kaffeebohnen von kleinen Röstereien.

Bei der Kaffeepause dort fiel mir ein, dass in der Nähe ein Shinto-Schrein liegt, den ich sehr mag. Der Hanazono bildet eingequetscht zwischen Hochhäuser eine kleine Ruheoase vom Konsumtrubel in den Shoppingstraßen von Shinjuku. Also nichts wie hin, mir die Anlage nochmal anschauen. Leider ist der Schrein aktuell zu Großteilen von Baugerüsten verborgen, aber ich konnte dennoch einiges sehen und der Shop mit Ema-Täfelchen etc. war geöffnet.

Zurück im Trubel von Shinjuku nutzten wir die steuerfreien Shoppingmöglichkeiten aus. Noch wird die Steuer direkt abgezogen oder erstattet, ab Herbst 2026 ändert sich das. Dann wird die Steuer gesammelt und erst am Flughafen erstattet – u. a. um so den Weiterverkauf der steuerfreien Waren vor Ort zu verhindern.

Unsere üblichen Stationen hier: Uniqlo, Muji, Hands und Markenshops von adidas & Co, außerdem der Akomeya-Store, der so schöne japanische Sachen und Leckereien im Sortiment hat. Was hier nie fehlen darf: Katzenmotive auf Produkten aller Art, plüschige, niedliche Figuren wie Totoro, die Sanrio-Charaktere, Pokemon etc. und Schirme, die Regen, UV-Strahlen und allerlei anderen Herausforderungen trotzen. Die Automaten, die sich hier so großer Beliebtheit erfreuen, finde ich zwar ganz witzig zum Anschauen, aber ach herrje, gibt’s da schrecklichen Nippes…

A propos Katzen: Direkt gegenüber der Shinjuku Station lief quasi Katzen-TV mit beeindruckenden 3D-Effekten und versammelte ein gebanntes Publikum. Die Unterhaltung schlechthin. Dazwischen ein paar Werbeclips von K-Pop-Bands und die Reizüberflutung war mal wieder perfekt. Und als ob das noch nicht genug Cat Content wäre, grüßten ums Eck ein Katzen-Werbeplakat und ein Katzen-Auto mit Crêpe-Verkauf…

Zeit für eine kurze Pause – vom Trubel und Lärm, und auch von der japanischen Küche. Bei Brisk Stand Shinjuku, etwas versteckt im 5. Stock gelegen, gönnten wir uns einen Cheeseburger. Super lecker – und übrigens mit beeindruckender Bier-Auswahl!

Frisch gestärkt blieb Energie für die weiteren Shoppingmöglichkeiten rund um die Shinjuku Station. Bis der Akku am Abend mehr als leer war und wir uns müde zurück auf den Weg ins Hotel machten.

Für das Abendessen hatten wir uns ebenfalls für eine unserer Stamm-Locations entschieden: Sushizanmai ist eine Kette von Sushi-Restaurants, mit der wir bislang nur gute Erfahrungen gemacht haben. Die Filiale im Ginza Corridor kannten wir noch nicht und die Atmosphäre dort ist ziemlich verrückt, da direkt unter den Zug- und Shinkansen-Gleisen, sodass es manchmal rattert und donnert, wenn oben ein Zug durchrauscht. Was mir in der Ecke rund um Ginza Corridor super sympathisch ist: Dass es kein reiner Touri-Spot ist, sondern viele Locals in der Mittagspause bzw. nach Feierabend Zwischenstation in der Gastroszene dort machen. Körperfischgehalt inzwischen? Mindestens 80 %! 😉

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