Wiedersehen macht Freude

Müde von der Anreise am Vortag war ich kurz nach Mitternacht gerade dabei, in den Tiefschlaf zu fallen, als ich irritiert hochschreckte. Ein Blick in die Yurekuru-App bestätigte mir meinen Verdacht: Vor Fukushima hatte es auf See ein kleines Erdbeben gegeben, dessen Ausläufer bis nach Tokyo spürbar waren. Zwar nur leicht, aber für jemanden, der das nicht gewohnt ist, ausreichend, um aufzuwecken. Die Anzeichen waren die gleichen, wie wir sie bereits bei unserer allerersten Erdbeben-Erfahrung während unserer Japan-Reise 2018 erlebt hatten: Das Bett rüttelte wie auf einer Platte, die hin und her geschoben wird, und die metallenen Kleiderbügel klirrten in der Garderobe gegeneinander. Nach nicht mal einer Minute war der Spuk auch schon vorbei, an Schlaf jedoch nicht so schnell wieder zu denken. Entsprechend gerädert wachte ich erst gegen 9 Uhr auf und beschloss mit einem Blick nach draußen, dass es mir zu spät und zu warm für eine Laufrunde war. Die Temperaturen sollten heute wieder auf 28 Grad klettern und die Sonne stand prall am Himmel. Also zogen wir los auf Frühstückssuche, um östlich des Ueno Parks einen Stopp bei Coffee Murasaki einzulegen. Mit Coffee Mocha und Walnuss-Donut im Magen startete es sich gleich viel besser in den Tag!

Durch den Ueno Park schlenderten wir an den Museen vorbei nach Süden zur Parco Shopping Mall, wo uns Halloween-Deko und -Promo begrüßten. Wie schon im Vorjahr zog es mich in den Shop von Banana Republic, wo André dank seines phänomenalen Gesichter-Gedächtnisses prompt die Verkäuferin entdeckte, die mich im letzten Jahr beraten hatte. Unglaublicherweise erkannte sie uns auch direkt wieder und freute sich dermaßen, dass sie mich umarmte und dann auch noch die Shop-Managerin rief. Nun ja, wir schienen Eindruck hinterlassen zu haben, wo wir uns so nett unterhalten hatten. 😉 Während der heutigen Beratungssession lernte ich nicht nur die aktuellen Duty Free-Konditionen, sondern auch ein neues Wort: Oshale, was so viel wie modisch, schick, elegant bedeutet und mir im Zusammenhang mit Mode wesentlich mehr zusagt als Kawaii (niedlich, süß). 😉 Übrigens: Auch beim Shoppen bzw. Anprobieren ist es in Japan völlig normal, vor der Kabine die Straßenschuhe auszuziehen und diese barfuß zu betreten, weswegen ich Socken definitiv empfehlen kann…

Auf der Suche nach Mittagessen landeten wir erst mitten in einer Running Expo, dann in einer Filiale von Uniqlo, deren Angebot wir natürlich unter die Lupe nehmen mussten. Inzwischen war es Mittagszeit und die Straßen südlich der Ueno Station mit Marktständen gefüllt, der Duft-Mix intensiv bis gewöhnungsbedürftig zwischen Süßkram und Fisch. Bei Ueno Yabusoba reihten wir uns in die Warteschlange ein, die zwar beträchtlich war, aber dank japanischer Effizienz fanden wir uns nach nicht mal einer halben Stunde an einem Restaurant-Tisch wieder. Wie schon letztes Jahr bestellten wir Fisch- und Garnelen-Tempura sowie Soba- bzw. Udon-Nudeln in heißer Brühe mit Pilzen. Oishii (lecker)!

Der Rückweg zum Hotel führte uns wieder einen Schlenker durch den Ueno Park zurück zu Coffee Murasaki, wo wir uns ein Dessert gönnten, eine Art getoasteten Keks gefüllt mit Bohnenpaste. Der frische, leicht herbe Matcha Latte dort erinnerte mich wieder daran, welchen Riesenunterschied es macht, hier nicht zu Ketten-Cafés zu gehen: Dort sind die Kaffee- und Matcha-Getränke oft mit Unmengen an Zucker versetzt und schmecken viel zu süß. Ein Problem, dass leider auch oft in Europa bei Matcha-Produkten auftritt.

Nach einer kurzen Siesta in unserer Unterkunft (hallo, Jetlag…) weihten wir unseren Railpass ein und nahmen die JR Yamanote-Line zur Tokyo Station. Dort holten wir erst mal unsere Tickets der Sitzplatzreservierungen für die Shinkansen-Fahrt morgen ab. Leider kann man die Sitzplatzreservierung zwar online vornehmen, muss aber immer noch am Schalter oder Automaten die Papiertickets dafür ausdrucken. Keine Ahnung, warum das noch nicht digitalisiert wurde… Am östlichen Ausgang trafen wir uns mit Oliver aus meinem Schuljahrgang, der gerade beruflich hier ist und mit dem wir uns vor Jahren schon mal hier getroffen hatten – Timing ist alles. 🙂 Nach einem Bier als „Aperitif“ zogen wir zum Dinner weiter zu Omoki: Dort gibt es Shabu-shabu, ein traditionelles japanisches Feuertopfgericht, bei dem man hauchdünne Scheiben Rindfleisch und Gemüse in einer heißen Brühe gart und dann mit Dips isst. Also im Prinzip eine Art Fondue. Nach all dem Essen heute (und bei inzwischen immerhin „kühlen“ 24 Grad) schlenderten wir zurück zur Bahn bzw. zum Hotel, wo wir unsre Sachen packten, denn morgen geht es weiter: in die japanischen Alpen.

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