Klein-Kyoto

Nicht nur unsere Unterkunft, die einem Ryokan sehr nahe kommt, erinnert uns sehr an Kyoto. Nachdem gestern nach der Ankunft nicht viel Zeit blieb, werden wir uns heute einige Sehenswürdigkeiten dieser Stadt anschauen, um zu verstehen, warum Kanazawa auch Klein-Kyoto genannt wird.

Am Morgen begrüßt uns ein leckeres japanisches Frühstück. Die herzhafte Brühe tut gut bei der schwülen Hitze, die trotz Klimaanlage von draußen hereindringt. Es sind immer noch über 30 Grad, trotz Bewölkung und leichtem Nieselregen. Wie passend, dass direkt gegenüber ein Laden ist, der nichts anderes als Regenschirme verkauft. Und sehr praktisch für alle in der langen Warteschlange nebenan vor dem Curio Espresso and Vintage Design Café.

Auf dem Weg zum Omicho Market legen wir einen kurzen Stopp beim Tsutaya Bookstore ein. Lohnt sich nicht wirklich, die Filiale hier kann nicht ganz mit anderen wie z. B. der in Tokyo-Ginza mithalten. Der Markt ist da schon spannender: frisches Obst und Gemüse, Austern, Fisch, Bier und vieles mehr. Wir verlassen die trubeligen Gänge und spazieren ein kurzes Stück durch eines von Kanazawas Teevierteln, bis wir den Eingang des großen Parks erreichen. Die Grünanlage und die Burg sind sehr beeindruckend, auch wenn man wissen muss, dass es nicht mehr die alte, die im 2. Weltkrieg zerstört wurde, ist, sondern eine neu errichtete. Nur noch das Ishikawa-mon ist ein Überbleibsel der Originalburg.

Auf dem Weg zum nächsten Park fällt uns an der Kreuzung ein Schrein auf: Der Ishiura Shrine ist der älteste Schrein der Stadt und dafür bekannt, dabei zu helfen, seine/n Seelenverwandte/n zu finden. Außerdem ist sein lustiges Maskotten beliebt: Kima-chan ist ein freundlich blickendes Wesen mit Hut, das es als Anhänger, Omikuji und Ema-Täfelchen zu erwerben gibt. Überflüssig zu erwähnen, dass ich nicht widerstehen kann. Außerdem erwerbe ich an einem Verkaufsstand zugunsten der Erdbebenhilfe für Noto ein Täschchen mit Katze.

Weiter geht’s nebenan in den Kenroku-en: Dieser Park wird zu den drei perfekten Gärten Japans gezählt und beeindruckt uns ähnlich wie der Besuch im Ritsurin Garden in Takamatsu letztes Jahr. U. a. die Gartenkunst in Kanazawa wurde damals von den Fürsten derart gefördert, dass die Stadt eine kulturelle Blüte ähnlich Kyotos erlebte. In einem der Teehäuser gönnen wir uns eine kurze Pause und v. a. Flüssigkeit (in Form einer Matcha-Zitronenlimonade), denn heute fühlt es sich an wie in einer Dampfsauna.

Auf dem Rückweg in die Stadt retten wir uns zwischenzeitlich kurz in ein Einkaufszentrum ins Trockene, immer wieder setzt Regen ein. Ein kurzer Blick aufs Handy zeigt uns eine Warnmeldung, die übers japanische Handynetz verschickt wurde: Starkregen Level 5. Ich bin kurz irritiert. Alles um uns herum läuft normal und Regen ist zwar da, aber in Maßen statt in Massen. Ein Blick auf die in der SMS verlinkte Medienseite sagt mir, dass es andere Teile der Präfektur Ishikawa getroffen hat: Die Noto-Halbinsel und einige Städte weiter nördlich von Kanazawa. Aber gut zu wissen, dass das nationale Warnsystem funktioniert!

Wir spazieren weiter ins Samurai-Viertel, wo einige ehemalige Samura-Villen gut erhalten sind – und uns ebenfalls an die alten Viertel in Kyoto erinnern. Inzwischen braust der Wind ordentlich auf und die Regenpausen werden kürzer. Wir legen eine Pause bei Sunny Bell Coffee ein, ein Miniladen mit Kaffeerösterei, der uns gestern Abend schon ins Auge gefallen, aber leider schon geschlossen war. Der Kaffee ist vorzüglich und der „English Muffin with Butter & Honey“ irgendwie anders als erwartet, aber ebenfalls sehr lecker! Es gibt ein kleines Verkaufsregal mit verschiedenen Kaffeebohnen und wir überlegen uns, welche für zuhause mitzunehmen. Das freundliche Personal bietet seine Hilfe an, als wir uns durch die verschiedenen Bohnensorten arbeiten. Damit bringen wir prompt mal wieder das japanische System durcheinander: Die Espresso-Bohnen, die wir gerade getrunken haben, stehen nicht im Verkaufsregal. Und schwupps sind nicht weniger als drei Personen damit beschäftigt, Bohnen für uns abzuwiegen, zu verpacken und zu etikettieren. Unglaublich. Arigato/Danke!

Zum Abendessen wollen wir unbedingt Fisch essen, um auf Anregung meines befreundeten Japan-Experten zu testen, ob die Gerüchte stimmen, dass der Fisch aus dem japanischen Meer besser schmeckt als der aus dem Pazifik. Wir schmecken keinen Unterschied. Mag aber auch daran liegen, dass der Fisch hier generell besser ist bzw. schmeckt als in Europa: viel frischer, zarter. Die Konsistenz gerade beim Sushi ist aus meiner Sicht in Japan eine völlig andere, nämlich butterweich. Selbst wenn ich zuhause in Deutschland zu Restaurant- statt zu Supermarkt-Sushi greife, bin ich in den meisten Fällen enttäuscht.

Der Abendspaziergang führt uns durch ein Kaufhaus, wo wir mal wieder staunen, was sich hier alles mit Katzenmotiven verkauft wird – und was man für deutsches Gebäck hält (nur so viel: in diesem Laden hab ich nicht viel deutsches erkannt…).

Zurück in der Unterkunft heißt es schon wieder Koffer Packen, morgen geht es weiter…

2 Gedanken zu “Klein-Kyoto

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