Ein warmer und sonniger Frühlingsmorgen, ideal für einen Spaziergang, um Takamatsu etwas zu erkunden. Aber erst mal Frühstück jagen! In den Shoppingstraßen von Marugamemachi werden wir fündig: Getränke bei Starbucks (rosa-zuckrige Drinks aus der aktuellen Sakura-Kollektion, Matcha Latte und Yuzu Tee, super lecker!) und Gebäck bei einer Filiale von Little Mermaid (Matcha-Schnecken, Sesamkringel mit Bohnenpaste gefüllt usw. – ein Träumchen…). In den überdachten Arkaden herrscht reges Treiben, trotz Sonntag: Die meisten Läden, v. a. Bäckereien und Cafés haben geöffnet, außerdem findet ein kleiner Markt statt, der irgendwas mit Bienen und Imkerprodukten zu tun hat.
Es herrscht eine sehr nette Atmosphäre, Takamatsu scheint uns eine belebte, aber unaufgeregte Stadt zu sein. Anders als das, was wir bisher von Japan gesehen haben. Die Insel Shikoku ist zwar über mehrere Brücken mit der Hauptinsel Honshu verbunden, aber ohne Shinkansen-Anbindung. Hier finden v. a. diejenigen her, die als Henro (Pilger) den 88-Tempel-Pilgerweg abwandern. Aber keine Tourimassen, wie man das aus Kyoto, Osaka & Co. kennt. Wir sehen nur wenige andere europäische Reisende, Englischkenntnisse sind hier eher rar und mit Kreditkarte kommt man auch nicht so weit – Cash ist hier King. Die Stadt ist insgesamt eher beschaulich und von der Stadtplanung her interessant: wenige Hochhäuser, entspannter Verkehr, breite Radwege (und viele Menschen mit dem Rad unterwegs) und ein gutes Blindenleitsystem (um Baustellen herum sind die Bodenmarkierungen sogar mobil als Matten ausgelegt).
Dass die japanische Regeltreue nicht nur Vor-, sondern auch Nachteile hat, können wir dabei heute gleich mehrfach bzgl. Verkehr beobachten: Bei roter Ampel tut man sich schwer, in den Kreuzungsbereich einzufahren, um eine Rettungsgasse zu bilden, sondern bleibt rigoros stehen und der Rettungswagen ist gezwungen, per Lautsprecher mehrfach Ansagen zu machen, um irgendwann endlich durchgelassen zu werden.
An der Burgruine vorbei schlendern wir Richtung Hafen und schauen eine Weile den Fähren zu, die von den umliegenden kleinen Inseln zurückkommen, bevor wir wieder aufbrechen. Wir schlendern Richtung Süden und lösen Tickets für den Ritsurin Garden, Japans größten Wandelgarten. Der Nordteil ist bis auf die Pflaumenbäume, die in voller Blüte stehen, recht unspektakulär.


Der mittlere und südliche Teil, der weitaus größer ist, beeindrucken dagegen sehr: kunstvoll gestutzte Pinienbäume, mehrere Teehäuser, Brücken und Wasserfälle und große Teiche mit vielen Koi-Karpfen, Reihern und Wasserschildkröten. Als ich letztere bewundere, ringt sich einer der Parkguides, der mit einer Gruppe unterwegs ist, ein paar Brocken Englisch ab und gibt mir den Hinweis „You can eat them“. Ich stutze und bin leicht irritiert, er im gleichen Moment auch und fängt an sich zu korrigieren. Gemeint war wohl „You can feed them“. So rum ist mir das auch deutlich sympathischer…








Kurz vor Ende unserer Runde lassen wir uns im südöstlichen Teil des Gartens an einem der Teehäuschen nieder und nutzen die Gelegenheit für eine Mittagspause bei schönster Garten- und Koi-Kulisse. Es gibt natürlich Udon-Nudeln, hier Sanuki Udon genannt, denn Takamatsu ist eine der japanischen Udon-Hauptstädte. Um uns herum schlürft es geräuschvoll: Nur so verbrennt man sich nicht an der heißen Mahlzeit und nur so macht man klar, dass es einem schmeckt. Direkt vor uns im Teich tummeln sich währenddessen riesige Kois und hoffen auf Futter: Hebt man auch nur den Arm, sind sie direkt in heller Aufregung.


Nach einer Weile wird es auch am Ufer rund um das Teehäuschen recht voll und man bekommt den Sonntag zu spüren, sodass wir uns aufmachen Richtung Ausgang. Letzte Station vor dem Heimweg ist der Souvenirshop des Parks, der angenehm überrascht: kein hässlicher Nippes, sondern lokale, wunderschön verpackte Produkte. Mit Bier, Kaffee und Matcha in der Tasche geht es zurück ins Stadtzentrum.
Zum Abendessen gibt es – wie soll es hier anders sein – auch wieder Udon-Nudeln, dieses Mal in anderer Variante: Bei Kawafuku bestellen wir kalte Udon mit frittiertem Gemüse und Fisch, dazu ein kaltes Asahi-Bier. Kanpai! (Prost!)


2 Gedanken zu “Feed and/or Eat…”