Aller guten (Trail-)Dinge sind drei

Fit und gesund ins neue Jahr gestartet, kam mir inmitten der zehn Wochen „Schweinehund-Challenge“ die Idee, dass da ein würdiger Abschluss her muss. Angestiftet von anderen Hartfüßler-Vereinskollegen kam recht schnell, wie es kommen musste: Ich meldete mich zum Pfälzer Bergland Trail 2024 an. Es sollte mein erster Stage Run sein: Drei Etappen, davon mindestens zwei Ultradistanzen, bei der dritten konnte man wählen. Ein kleiner, aber feiner Lauf mit zehn Jahren bzw. neun Ausgaben Erfahrung, überschaubarem Läuferfeld (79 TN, überwiegend aus Deutschland, aber auch zwei TN aus Portugal und Finnland) und anspruchsvollen, aber nicht zu heftigen Streckenprofilen, liebevoll organisiert von Günther und seinem Team.

Los ging es bereits am Donnerstag mit der Anfahrt nach Wolfstein, dem Einchecken in der Jugendherberge und dem Abholen des Dropbags und der Startunterlagen. Da der Termin im Gegensatz zu den Vorjahren wegen Ostern eine Woche vorgezogen wurde, hatten wir die Jugendherberge nicht exklusiv für uns, sondern teilten sie mit anderen Gästen. Nicht unbedingt zu deren Freude, wie sich beim Ansturm der hungrigen Läufermeute auf das erste Abendessen am Freitagabend zeigte… Die Essenstermine gehören eigentlich zu den „ab“-Terminen (im Gegensatz zu den Starts und Briefings, die „pünktlich“-Termine sind), wurden aber mit einer beeindruckenden Pünktlichkeit wahrgenommen – Carboloading lässt grüßen!

Nach dem Abendessen folgten immer die Briefings für den Folgetag, am ersten Abend selbstredend in der längsten Ausgabe: Anhand von Kartenmaterial und Fotos erklärte Günther immer die nächste Strecke samt ihren Besonderheiten und beantwortete Fragen. Interessant an dieser Stelle die verschiedenen „Arbeitsmethoden“: Während ich beim Traillauf seit längerem an gpx-Tracking über meine Uhr gewohnt bin, gibt es tatsächlich noch Menschen, die mit Handgeräten und/oder Offline-Kartenmaterial navigieren. Was natürlich zu allerhand „Verlaufern“ führte (O-Ton Günther: „Plus 10 % Distanz ist ganz normal…“) und zur täglichen Krönung des Verlaufchampions bzw. -königs. Fragen wie „bei km wieviel ist der umgestürzte Baum bzw. die Umleitung“ konnte ich nicht ganz nachvollziehen, da Günthers gpx-Tracks immer aktualisiert und total korrekt waren, und außerdem die Streckenmarkierungen anhand von blauen (Fr+Sa) bzw. grünen (So) Pfeilen, Schildern und Wanderwegsymbolen sehr eindeutig waren.

Erste Etappe

Samstagmorgen nach dem Frühstücken und Vorbereiten der Lunchtüten für nachmittags war pünktlich um kurz nach 7 Uhr die Abfahrt zur Burg Lichtenberg, wo um 8 Uhr die erste Etappe über 50 km und knapp 1.700 hm startete. Die Strecke: Veldenz Wanderweg und Pfälzer Höhenweg. Bemerkenswert das Gespräch hinter uns im Startblock: „Und, was ist Deine Zielzeit?“, „Och, ich hab nen Massagetermin vereinbart, bis dahin müsste ich im Ziel sein…!“. Na dann! Die ersten km plätscherten wunderbar downhill in schönster Sonnenaufgangskulisse.

Zügig wurde uns warm und nach nicht mal 5 km zogen Laura und ich die Windjacken aus und stopften sie in die Laufwesten. Die ersten Kilometer rollten gut an, zumal sich das überschaubare Teilnehmerfeld angenehm auseinanderzog und man zwar nicht allein, aber auch nicht im Pulk lief. Die Temperaturen stiegen zügig, es war ein herrlicher Tag, perfekt für Shorts und Shirt.

Kaum war die Halbmarathon-Marke geknackt, fingen wir an den Countdown für die Verpflegungsstelle zu zählen – und trafen auf die erste Teilnehmerin, die uns schon etwas verzweifelt fragte, wie weit es bis dahin sei. Die beiden ersten Etappen beim Pfälzer Bergland Trail haben jeweils nur eine VP, man sollte eigentlich (empfohlen, aber nicht kontrolliert) 1,5 l Flüssigkeit und ausreichend Essen dabeihaben, aber das hatte nicht jeder beachtet bzw. auch nicht jeder entsprechend trainiert, wie sich noch herausstellen sollte. Bemerkenswert auch, mit welcher Ausrüstung manche an den Start gingen (gestrickte Handschuhe z. B.), wie unterschiedlich die Vorbereitung aussah – und auch dass vereinzelte es untrainiert versuchten.

Bei ca. km 28,5 und kurz vor Mittag liefen wir bei der VP ein, die freitags direkt an Günthers Haus ist. Alles war perfekt organisiert: zuerst Zeitnahme/-kontrolle, jemand nahm mir die Flasks ab, um sie aufzufüllen („Bitte sehr, Cola, gerührt, nicht geschüttelt!“), Günthers Frau portionierte derweil warmes Kartoffelpüree für uns, während wir unsren Müll entsorgten, Kuchen, Datteln und andere Snacks in unsre Laufwesten auffüllten. Laura und ich wollten nicht hetzen, aber auch nicht ewig verweilen, andere nutzten die VP für eine ausgiebige Mittagspause, Toilettengang, Schuh-/Klamottenwechsel, Verarzten von Blasen usw.

Danach ging es selig und gesättigt mit dem weltbesten Kartoffelpüree wieder in den Uphill, die Sonne kam raus (höchste Zeit, die Armlinge auszuziehen) und wir stellten fest, dass wir so ziemlich alleine auf weiter Flur waren. Die vor uns hatten die VP verlassen, als wir ankamen, die nach uns verweilten dort länger. Egal, wir zogen weiter und spulten Kilometer für Kilometer ab.

Das von mir befürchtete Tief oder Wehwehchen kamen nicht wirklich und ich freute mich, dass das nicht noch zusätzlich Energie raubte. Denn auf den letzten Kilometern erwartete uns noch ein ordentlicher Anstieg hoch zur Hütte, bevor es in den letzten Downhill zur Jugendherberge ging, wo wir nach etwas mehr als 7 h einrollten. Geschafft, die erste Etappe war im Kasten!

Nun schnell verpflegen, duschen, ausruhen, denn um 18 Uhr wartete schon wieder das Abendessen und kurz danach das Briefing für den Folgetag – mit Adiletten, Jogginghosen und dem unverkennbaren Duft aus Franzbranntwein. Mit unserer Zeit waren wir bei den Frauen im Mittelfeld, es kamen also immer noch weitere Teilnehmende an (wobei manche davon nicht liefen, sondern walkten), teilweise sogar noch während des Abendessens. Interessant, wie unterschiedlich das Abendprogramm ausfiel: Tee und Schorle versus Wein – so hat jeder sein ganz eigenes Regenerationsrezept!

Zweite Etappe

Die Etappe am Samstag über 49 km und rund 1.700 hm, den Remigius Wanderweg und anschließend entlang „schwarzem Punkt auf weißem Grund“ startete direkt an der Jugendherberge und mit leichtem Nieselregen. Es war deutlich kühler als am Vortag und der gemeldete Wind setzte nach wenigen Kilometern ein. Unsre Beine waren recht fit, dafür waren diverse andere Körperteile/-stellen schon etwas müde, sodass wir doch einige Kilometer brauchten, um uns einzurollen. Dann wurde es flüssiger und kurzweilig: Auf diverse Kuhherden folgten eine Kröte, viele Kühe und Pferde, sowie eine Voliere mit Papageien.

Zwischenzeitlich schaute die Sonne raus, es wurde ganz angenehm und ich steckte die Regenjacke weg – bis es plötzlich ganz schnell ging und wir uns im Downhill kurz vor der km-Halbzeit in einer wilden Mischung aus Sturm und Graupel fanden, die im Gesicht richtig schmerzten. Danach wieder Sonne und blauer Himmel – die reinste April-Mischung! So ging es hoch zum Potzberg, wo uns auf dem Weg zur VP bei km 28 sowohl ungemütlicher Wind als auch (im Wildpark) diverse Tiere wie Polarfuchs-Babys erwarteten. Flauschalarm! Aber wir hatten nur eins im Sinn: Flasks auffüllen und vor allem das leckere Kartoffelpüree von Günthers Frau verspeisen!

Gesagt, getan und weiter ging’s durch wunderbaren Sonnenschein in den Downhill, es rollte in famoser Pace – bis wir im nächsten Uphill wieder in die nächste Graupel-Wind-Maschine kamen und gründlich durchgeschüttelt wurden. Humor ist, wenn man trotzdem lacht… und zu zweit kämpft es sich dann doch leichter voran!

Die nächsten Kilometer zogen sich eher unspektakulär bis nervig durch einen Windpark, wo ich natürlich einen bemalten „Pfalzstein“ fand und wir im Downhill wieder dermaßen in die Graupel-Wind-Maschine kamen, dass ich dachte, mir reißt es die Gesichtshaut weg. Abgesehen davon rollte es ganz gut und wir steuerten den letzten Uphill an, der sich nochmal ziemlich zog. Aber egal, auch diesen Tag schafften wir famos, erneut im Mittelfeld der Frauen.

Ich war sehr glücklich, noch nie zuvor hatte ich zwei Ultramarathons direkt hintereinander gefinisht! Und traf schon vor dem abendlichen Briefing die Entscheidung, das Glück nicht herauszufordern und am dritten Tag nicht noch einen Ultramarathon zu laufen. Glücklicher Nebeneffekt: Ich vereinbarte mit Julia, dass sie mich nach Runde 1 oder 2 ablösen und mit Laura bis zum Ende laufen sollte, während ich von ihr die Kinderbetreuung übernehmen würde. So hätten dann alle von uns lauftechnisch was vom Wochenende.

Dritter Tag

Nach dem Frühstück und Auschecken aus der Jugendherberge ging es in Eigenregie zur Landscheidhütte Eßweiler. Dort fiel der Start zu einem Rundkurs über 15,2 km und 596 hm, den man ein, zwei oder drei Mal durchlaufen konnte. Nach zahlreichen Protesten von Teilnehmenden ließ sich Günther verschwatzen, nicht nur für das Ultra-Triple eine Siegerehrung durchzuführen, sondern auch für die beiden Triples mit nur einer bzw. zwei Runden am dritten Tag. Nett gemeint, aber das Verhalten mancher war aus meiner Sicht unmöglich – als würde es um Preisgelder gehen…

Das Wetter meinte es heute weit weniger gut mit uns als an den Vortagen. Die Temperaturen waren richtig gefallen, nur noch einstellig, es war kalt, windig und verregnet. Kurz nach km 4 kam ein steiler, gerölliger Anstieg, der mich an die Halden zuhause erinnerte (O-Ton Günther: „Schwer laufbar, aber genauso wollt ihrs ja!“). Es stürmte derart, dass ich aufpassen musste, dass mir die Stöcke nicht wegflogen. Der Rest der Strecke plätscherte vor sich hin und ich informierte einen Kilometer vorm Ziel Julia, dass sie sich bereit für die Ablösung machte. Wie geplant lief sie Runde zwei und drei mit Laura zusammen, sodass diese ihren dritten Ultra nicht alleine durchziehen musste.

Im Ziel angekommen, übergab ich quasi den Staffelstab an sie und war einfach nur glücklich (und so müde, wie man es mir ansieht), endlich im Ziel zu sein!

Ende gut, alles gut

Für mich endete mein erster Stage Run mit ganz viel persönlichem Stolz – und Platz 4 in der „Mini-Wertung“. Zum Abschluss stärkten wir uns alle zusammen in der Wanderhütte mit Würstchen und Torte (Notiz am Rande: Es gab sogar einen Biskuitkuchen mit Leberwurst und sauren Gurken!). Zur Siegerehrung und Verlosung der Preise unter allen Teilnehmenden kam dann sogar noch die Sonne heraus! Zufrieden, satt und ziemlich müde verabschiedeten wir uns von Günther und seinem Team. Das Ende eines langen, intensiven Wochenendes, das mir und uns in guter Erinnerung bleiben wird!

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