Thank you for waiting!

…war wohl der meistgehörte Satz am Rückreisetag aus Japan.

Der Tag begann erst mal damit, dass wir selbst diesen Satz sagten: Denn als wir kurz nach 5:30 Uhr in die Hotellobby kamen, war das für 5:50 Uhr bestellte Uber-Taxi schon da und wartete vor der Tür. Unglaublich. Dieses Land macht mich noch fertig mit seiner Überpünktlichkeit.

Nachdem wir zwei Wochen trockenes Wetter hatten, schüttete es zur Abreise aus Japan in Strömen. Schade um die Kirschblüte und die fürs Wochenende sicherlich zahlreich geplanten Hanami-Picknicks in den Parks! Normalerweise wären wir die kurze Entfernung bis zum Bahnhof zu Fuß gegangen, aber nicht bei diesem Wetter, erst recht nicht mit Gepäck. Ein letztes Mal genossen wir die Atmosphäre von Tokyo bzw. Shinjuku: Um diese frühe Uhrzeit waren die ersten unterwegs zur Arbeit, die letzten kamen gerade aus den Clubs. Vor dem Bahnhofsgebäude, am Eingang zur U-Bahn, flitzten die Ratten. Großstadt eben.

Unser Fahrer ließ uns auf der Ostseite der Shinjuku Station raus. Wir kamen am East Exit leider nicht weit: Überall waren die Rollgitter runtergelassen und ein Bahnangestellter machte uns gestikulierend klar, dass hier alles geschlossen sei und wir weiter südlich gehen müssten. Wir kamen bis zum South East Exit und standen dann vor der nächsten Hürde: die Schranken zu den Rolltreppen zu, der Fahrstuhl außer Betrieb – mit dem Hinweisschild, dass Zugang ab 7 Uhr möglich ist. Uns unverständlich, denn offensichtlich fahren am Morgen schon VOR 7 Uhr viele Züge und – noch offensichtlicher – sind schon viele Menschen unterwegs. Half aber nix, es war kurz nach 6 Uhr und wir mussten zum Zug. Also schleppten wir unser Gepäck die langen Treppen hoch zum South Exit, der offen war und wo wir endlich ins Bahnhofsgebäude gelangten. Von da war es Dank Baustelle nochmal ein ziemlicher (Um-)Weg, bis wir endlich auf dem Gleis standen, an dem der Narita Express zum Flughafen abfährt. Frühsport, wir wären damit dann auch wach…

Nur gut, dass wir zeitlich Puffer eingeplant hatten, sonst wäre das mit dem Zug echt knapp geworden – zumal der überpünktlich losfuhr: laut Plan um 6:35 Uhr, setzte er sich schon in Bewegung, als die Anzeige noch 6:34 Uhr zeigte. Japanische Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, die ich bei meinen nächsten Fahrten mit der DB sicherlich sehr vermissen werde. Eigentlich hatten wir uns das anders vorgestellt: Die Tickets inkl. Sitzplatzreservierung hatten wir extra schon am Vortag am Automaten gekauft, um am Abreisetag gemütlich zum Bahnsteig zu spazieren und auf dem Weg dahin bei Starbucks noch gemütlich ein kleines Frühstück zu schnappen. Pustekuchen. Mit einem Kaltgetränk aus dem Kiosk ging es auf die knapp 1 h Zugfahrt zum Flughafen. Immerhin war im Gegensatz zum Busshuttle, der durch den Verkehr muss, beim Bahntransfer klar, dass jetzt nichts mehr dazwischen kommen würde.

Gegen 8 Uhr waren wir am Flughafen, rund 2,5 h vor unserem Rückflug. Uns war völlig klar, dass einiges los sein würde, nix mehr mit verlassener Geisterstadt so wie im März 2020 zum Beginn der Pandemie. Trotzdem frühzeitig genug, sollte man meinen. Doch es wurde knapp: Die Schlange bei Japan Airlines war lang. Zunächst wurden wir irrtümlich zur Economy-Schlange geschickt, dann nach vorne zur Business– und Premium-Economy-Schlange, die jedoch nicht wesentlich kürzer war. Und vor allem: Es ging kaum voran, pro Person/Familie dauerte es rund 10–15 min. Dabei hatten wir unsre (digitalen) Boardingkarten schon und wollten nur Baggage Drop Off machen. Half aber nix, also anstehen und warten. Nach fast 1,5 h (!) Wartezeit, als die ersten sich schon lautstark beschwerten und ihrem Unmut Luft machten, waren wir endlich am Counter. Ich war auch schon ziemlich nervös, denn ich war nicht sicher, wie lange es bzgl. Security Check dauern würde: Der war in FFM bei Abflug irre lahm (und dann auch noch wegen Schichtwechsel kurzzeitig geschlossen) und vor uns verpassten deswegen zig Leute den Flieger nach London. Doch in Tokyo ging es zackig: Ohne Warteschlange ging es durch den Security Check und auch die Ausreisekontrolle war irre schnell, da (wie aus FFM bekannt) durch vollautomatische Gates.

Keine halbe Stunde vor Abflug waren wir am Abflug-Gate und hatten immerhin noch kurz Zeit, im Kiosk direkt gegenüber eine Flasche Wasser und – wie beim letzten Mal, als Mitbringsel – von den japanischen Kit Kat-Sondereditionen (Matcha, Apfel, Erdbeer, Pfirsich, Cheesecake, Sake uvm.) zu kaufen.

„Thank you for waiting“ wurden wir am Gate begrüßt – ja, gewartet hatten wir heute in der Tat schon einige Zeit…

Beim Einsteigen in die Maschine ging es weiter so: „Thank you for waiting“. Danken und Dienern. Als wir Richtung Startbahn losrollten, fiel unser Blick aus dem Fenster auf das Spalier des Bodenpersonals, das bei strömendem Regen abwechselnd winkte und dienerte. Japan eben. Rund 1 h nach Abflug hieß es dann erneut „Thank you for waiting“ und für uns gab es endlich Frühstück. Das Menü von JAL wie immer sehr lecker und ein Spiegel der japanischen Küche: mit u. a. Yuzu (vermisse ich in Deutschland sehr!), Lotuswurzel, Ume / Pflaume, Okraschoten, Ingwer, Grünem Tee und – wer’s mag – sogar Sake, Shochu und Pflaumenwein. Passend dazu und als Abschluss der Reise meine Lektüre: „Butter“ von Asako Yuzuki – ein packender Roman über Essen(-sgenuss) und die Rolle der Frau in der japanischen Gesellschaft.

Und nun? Wieder gut gelandet. Kaum Jetlag. Im Koffer unglaublich tolle Erlebnisse und Erinnerungen an diese (dritte) Japan-Reise.

Thank you for reading! Arigato gozaimasu!

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