Tag Nr. 3 und der Jetlag ist überwunden, die Nachtruhe nur kurz gestört durch einen Erdbeben-/Feuer-Fehlalarm. Immerhin gab es so ein Pyjama-Treffen auf dem Hotelflur und wir wissen jetzt, wo der Fluchtweg ist.
Mit der Yamanote-Line (im Japan Railpass inkludiert) – oder Ringbahn, wie man in Berlin sagen würde – geht es einmal halb um Tokyo nach Shibuya. An der bekannten Kreuzung mit den vielen Zebrastreifen geht es heute eher ruhig zu, nicht so viele Menschenmassen wie sonst. Kurz der Gedanke an Szenen aus Alice in Borderland. Eindeutig zu viel Netflix geschaut…

Doch wir sind dieses Mal nicht wegen der berühmten Kreuzung hier, sondern wegen der recht neuen Hochhäuser Shibuya Hikarie, Shibuya Stream und Shibuya Scramble Square.

Genauer gesagt wegen der Aussichtsterrasse auf letzterem. Mit dem Aufzug geht’s erst an zig Shopping-Etagen vorbei in den 14. Stock zum Ticket-Kauf und dann wieder runter, denn wir müssen uns noch etwas Zeit bis zum gebuchten Slot vertreiben. Gut, dass es auch hier eine schöne Filiale von Tsutaya Books gibt, inkl. Starbucks-Filiale und dem aktuellen rosa-zuckrigen Sakura-Sortiment.

Nebenan ein Laden, der sich als eine Art japanische Manufactum-Version entpuppt und in dem ich mal eben schnell ein paar Mitbringsel kaufen will: kleine Figürchen mit Omikuji, kleinen Zettelchen mit Glückssprüchen und Wahrsagungen. Aber „mal eben schnell“ ist in diesem Land einfach nicht drin: Die Ware aus der Auslage wird mir nicht verkauft, man geht neue im Lager suchen. Die Verpackungsfolie ist verrutscht, man öffnet sie und drapiert alles neu. Ob es ein Geschenk sei? Es folgt: eine fast meditative Einheit rund ums Verpacken und man legt mir eine ganze Palette Aufkleber (Congratulations, Thank you…) vor, aus der ich auswählen soll. Und schwupp, so kann man auch eine 3/4 Stunde Wartezeit verbringen…
Danach geht es mit dem nächsten Aufzug im Eiltempo in den 45. Stock, wo man aus Sicherheitsgründen erst alle Taschen, Sonnenbrillen und sonstigen losen Teile im Spind verstauen muss, bevor es raus zu Shibuya Sky geht, die Aussicht genießen. Von hier aus sieht man Tokyo. Unglaublich beeindruckend. Ein Teppich aus Häusern. Stadt und kein Ende, mit Ausnahme der grünen Insel des Meiji Parks. Es ist ganz schön windig hier oben und nicht so arg gemütlich, auch wenn die Aussicht atemberaubend ist.






Wieder unten geht es direkt gegenüber zum neu angelegten Miyashita Park, sozusagen der Highline Tokyos. Von den Dimensionen her kann man es nicht mit New York vergleichen, doch diese hochgebockte Oase mitten in dieser Riesenstadt hat was: Rasen (von grün kann man nicht reden…), Skatepark, Kletterwand, Beachfeld… Es ist viel Treiben hier, dabei ist es nicht mal Sommer. Beeindruckend, wie man den Bereich rund um den Bahnhof Shibuya stadtplanerisch komplett umgestaltet hat bzw. immer noch umgestaltet – der eigentliche Bahnhof ist dabei, unter der Erde zu verschwinden.

Wir schlängeln uns weiter Richtung Norden bzw. Harajuku, vorbei an zahlreichen Shoppinghöllen, und vermeiden es, in die skurrile Takeshita Street und Richtung Roppongi Hills abzubiegen: haben wir schon gesehen und zu viele Menschen… Wenige Meter und wir betreten durch das riesige Torii den Meiji Park, diese riesige grüne Oase mit Bäumen bis in den Himmel, frei von Verkehr, Hektik und Lärm. Der Park und der Schrein lohnen auch beim dritten Besuch einen Abstecher, um mal eben durchzuatmen.

Mit einigen Kilometern in den Beinen beenden wir den Tag mit etwas Shopping in Shinjuku. Zu verlockend der aktuelle Wechselkurs und das Tax Free Angebot für Touris (Reisepass vorlegen, 10 % Mehrwertsteuer sparen).
Morgen geht’s weiter, mit dem Shinkansen gen Südwesten…