Lost in Translation…

…war ich beim ersten Japan-Trip 2017/18. Zu hart der Jetlag, zu groß der kulturelle Unterschied, zu schwierig die sprachliche Verständigung und zu (über-)fordernd die vielen Eindrücke. Die ersten Tage stand ich gefühlt neben mir, verzweifelnd auf der Suche nach Orientierung und Ruhe. Zurück zuhause musste ich mir Lost in Translation nochmal anschauen und sah es mit ganz anderen Augen. Beim zweiten Trip 2020 war es schon besser, beim dritten Trip 2023 ist der Culture Clash kaum noch vorhanden. Zu sehr verstehe ich inzwischen, wie man hier tickt: Regeln befolgen (links gehen, nicht bei Rot über die Ampel, immer höflich dienern und danken…), alles andere macht das Umfeld hier sehr nervös. Außerdem helfen Tools wie Google Translator, vor allem Dank der Kamerafunktion, inzwischen super beim Überleben im Dschungel der japanischen Sprache und Schriftzeichen.

Der Jetlag lässt sich aushalten und obwohl ich süßes Frühstück bevorzuge, komme ich inzwischen mit der japanischen Version klar: Ok, mit Fisch morgens um 8 Uhr noch nicht unbedingt 😉 , aber Misosuppe, Suppe mit Reis und Algen, Nudeln und Omelette gehen völlig in Ordnung. Dazu mein Lieblingsgetränk hier: Matcha Latte. Eine ordentliche Dosis davon sollte mich für die nächsten Stunden wach halten. Schlaf war nämlich Dank Jetlag wenig drin, irgendwann habe ich aufgegeben und stattdessen sinnvolle Dinge gemacht wie die Erdbeben-Infos auf Twitter abonniert und die Erdbeben-Warn-App wieder installiert (Infos dazu hier), die ich wohl während der Pandemie wieder gelöscht hatte.

Gut gestärkt geht es los, mit der Bahn Richtung Zentrum. Erst mal rätselnd, ob die Fahrt mit dem JR Railpass abgedeckt wird oder nicht. Verwirrenderweise gibt es zwei Linien, die fast identisch heißen: Keio vs. Keiyo Line. Die eine ist eine private Railway, für die man ein extra Ticket lösen muss, die andere wird von JR betrieben und kann mit dem JR Railpass genutzt werden. Wir lösen das Rätsel und fahren bis zur Tokyo Station, von wo wir nach Ginza schlendern, dem Shopping-Viertel schlechthin. Doch bevor wir Uniqlo, Tokyu Hands usw. überfallen (der Yen-Wechselkurs ist derzeit geradezu traumhaft und Taxfree Shopping mit Rückerstattung der Mehrwertsteuer wird in fast allen größeren Läden schon direkt an der Kasse mitabgewickelt…), feuern wir die Läufergruppen des Tokyo Marathons an, der heute durch die Stadt führt und dessen letzte Kilometer ab Ginza zu bewältigen sind. Das japanische Publikum dabei eher höflich zurückhaltend, gelegentlich leise klatschend oder mit kurzen Anfeuerungsrufen. Bewundernswert wie immer die perfekte Orga und Sauberkeit: Der Aufräumtrupp nach dem Marathon-Läuferfeld ist derart schnell, dass es keine zehn Minuten später nicht mehr danach aussieht, als wäre hier eben noch ein Lauf mit 40.000 Leuten durchgerauscht.

Auch in den Einkaufszentren ist alles blitzeblank, man könnte vom Boden essen. Wobei das natürlich nicht erlaubt ist. Erlaubt ist Essen und Trinken nur in den Foodcourts, die Sitzgruppen in den anderen Bereichen haben sehr deutliche Verbotsschilder. Entsprechend voll ist es im obersten Stockwerk von Ginza Six, wobei hier nicht nur Eataly und Starbucks aufwarten, sondern auch Tsutaya, ein wunderschöner Buchladen mit großer Auswahl an Büchern, Magazinen, Geschenkartikeln und kleinen Ausstellungen, dazwischen Sofa-Ecken, auf denen Schmökern offiziell erlaubt ist.

Zurück zur Sauberkeit: Auch die Toiletten sind in einem Zustand, den man bei uns von öffentlichen Toilettenanlagen garantiert nicht gewohnt ist. Wobei hier fast alles automatisch über Bewegungssensoren abläuft, die Fernbedienung ist eher Deko und wird wohl überwiegend für den Sound benutzt, zumindest lässt das die Vogelgezwitscher-Kulisse vermuten, die aus den Kabinen dringt…

Es ist Sonntagmittag, langsam wird es voll in den Läden, zu voll für meinen Geschmack. Bei Lululemon kann ich nach kurzem Zögern dem guten Wechselkurs nicht widerstehen und verfalle in Shoppinglaune – nicht ohne vorher das mit dem „Asia Fit“-Schild zu klären, das an fast jeder Hose hängt. Die Erklärung der Verkäuferin: oben hochgeschnitten, unten kürzere Beine. Ah ja. Also eher Überlänge für mich, bitte.

Inzwischen ist es später Nachmittag, langsam aber sicher lässt sich der Jetlag nicht mehr verdrängen. Also zurück ins Hotel, dort im Wellnessbereich entspannen: Im Fitnessstudio ist Dank Tokyo Marathon heute kaum jemand, im Pool-/Onsenbereich ist dagegen einiges los (wichtige Touri-Info am Rande: generell kein Zugang mit Tattoos). Abendessen „gekocht“ ist danach schnell, der Family Mart um die Ecke hat Onigiris (Reisdreiecke/-bällchen), Sushi und gefüllte Buns to go im Angebot, fertig. Noch nicht ganz fertig sind die Pläne für morgen, wir werden sehen…

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