Die mit den Wölfen trailen

War der Australien-Urlaub für mich ein ideales „Trainingslager“, was Höhenmeter angeht, so waren es doch recht faule Wochen seit dem Halbmarathon Mitte Mai. Resultat: Mitte Juni waren längere Distanzen und Pace nicht mehr in Sichtweite, meine Uhr bzw. App jammerte erst was von Formabbau, dann von Unproduktivität und in der ersten Woche zuhause, in der ich versuchte, in die Laufform zurückzufinden, schließlich was von Überbelastung. Na prima.

Ideale Voraussetzungen, um sich selbst einen Tritt in den Hintern zu verpassen und sich kurzfristig zu einem Lauf anzumelden! 😉 Lauf? Trail! Wenn schon Quälerei, dann mit Aussicht! Also ging es am 23. Juni 2019 nach Merzig zum Garten der Sinne, wo der LV Merzig die 6. Ausgabe des Wolfstrails veranstaltete. Bei zwei Distanzen fiel meine Wahl vernünftigerweise auf die Short-Variante: immerhin 13 Kilometer mit 330 Höhenmetern. Die Strecke vielversprechend: über den Wolfsweg, einen der zahlreichen Premium-Wanderwege im Saarland. Technisch eher wenig anspruchsvoll, wie Profis munkeln, aber eben mit tollem Panorama.

Los ging es um 10 Uhr, bei strahlendem Sonnenschein und ziemlich warmen Temperaturen. Die ersten Kilometer waren wunderbar: die Sonne halb hinter Wolken abgetaucht, leichter Wind, durch Wiesen auf die ersten Pfade und Waldwege und vor allem: es ging erst mal downhill. Hurra! Wunderbar, wenn das einfach so weiterginge… Aber nach den ersten Kilometern kamen sie dann auch schon, die Steigungen, und der Puls schnellte in die Höhe. Die meisten vor uns verfielen ins Gehen, bei mir war irgendwie der Wurm drin, Gehen ging nicht, also im Schneckentempo hochtraben. Immerhin war es im Wald herrlich schattig und die Hitze hielt sich noch in Grenzen. An der zweiten Verpflegungsstation ging die Strecke der Long-Variante nach rechts ab, wir folgten der Short-Strecke nach links, über Stufen hinunter Richtung Wolfsgehege, am Zaun entlang und schließlich wieder uphill. Langsam aber merklich wurde es ziemlich warm, wir stolperten über Baumwurzeln weiter die Anstiege hinauf und dann endlich: Stufen nach unten, es ging wieder bergab und wir waren jenseits von km10 gefühlt schon auf der Zielgeraden. Aber zu früh gefreut: unten in der Senke angelangt dämmerte es uns, dass es auch wieder hochgehen muss und da kamen sie denn auch, bei km10,6: die Stufen der Hölle. Wir fluchten, die Läuferinnen vor uns fluchten auch und mehr als Gehen war definitiv nicht mehr drin. Als nach dem Bezwingen der zahlreichen Stufen die Steigungen nicht aufhören wollten, kam mir irgendwie der Gedanke, ob wir wohl den Rest bis ins Ziel gehen würden oder ob nochmal Lauftempo drin sein würde. War es glücklicherweise: den letzten Kilometer ging es verhältnismäßig locker durch Wiesen und Obstbäume, man konnte die Konzentration wieder auf Landschaft und Aussicht richten und so ging es mit viel Laufgenuss und sich wieder beruhigendem Puls Richtung Ziel, wo wir uns gleich mal auf kalte Getränke, Obst und salzige Knabbereien stürzten.

Fazit: Selten so geschwitzt, keine Wölfe gesehen oder mitgelaufen 😉 (aber ein Läufer mit Hund, haha!), an den Steigungen ziemlich gekämpft, aber insgesamt die abwechslungsreiche Strecke sehr genossen und viel Spaß gehabt!

Infos: www.lv-merzig.de

 

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