Flauschalarm

Zugegeben, Brisbane hat es mir nicht unbedingt angetan. Die Beschreibung in vielen Reiseführern, es sei eine kühle Finanzmetropole ähnlich Frankfurt a. M. hat schon was treffendes. Unsere Unterkunft, ein schickes, erst vor wenigen Monaten eröffnetes Boutique-Hotel, lag nicht ganz zentral, aber in einer durchaus netten Umgebung: Fortitude Valley bietet einige nette Shoppingmöglichkeiten und Restaurants -und natürlich Coffee Shops. Die Erkundungstouren durch Downtown (Shoppingdistrict, Riverfront, Brisbane-Sign, Museen…) waren zwar durchaus nett, aber dann wird’s auch schon schnell langweilig.

Gut, dass ich unbedingt Koalas sehen wollte und zwar jenseits eines Zoos. Also auf zum Lone Pine Koala Sanctuary, der weltweit ältesten und größten Koala-Auffang-/Schutzstation. Dort leben nicht nur zahlreiche Koalas, sondern auch Kängurus, Tasmanische Teufel, Wombats, ein Schnabeltier, Vögel und zahlreiche andere Tiere. Wir entschieden uns für das Express-Boot, das nur etwas mehr als eine halbe Stunde für die Strecke vom Zentrum Brisbanes nach Lone Pine braucht, denn so kommt man schon zu früher Stunde in den Park, wenn noch nicht ganz so viele Besucher da sind. Nachdem uns am Eingang Vögel mit „Hello, hello“ begrüßten, ging es erst mal am Gehege mit den Fledermäusen vorbei, wo die relativ großen Genossen mit teddyartig flauschigen Köpfen in den Ästen hingen. Danach kam auch schon das erste Gehege-Häuschen, wo Koalas chillten -im wahrsten Sinne des Wortes, denn neben rund 20h Schlaf und ein bisschen Eukalyptus-Futtern läuft da nicht wirklich was. Probier’s mal mit Gemütlichkeit! Einige Tiere haben den Luxus, im als „Altersheim“ beschilderten Gehege ihren Ruhestand zu genießen.

Gegen eine Gebühr, die der Schutzstation zugute kommt, kann man einen Koala unter Aufsicht einer Tierpflegerin kurz auf dem Arm halten und ein Foto machen. Allerdings nur für eine gewisse Zeit am Tag und wenn das Tier Lust darauf hat, was ich sehr sympathisch fand. Das gleiche gilt auch im Känguru-Freigehege: haben die Tiere keine Lust mehr auf Futter und Begegnungen mit den Touris, können sie sich in separate Gehege-Bereiche zurückziehen. Darüber hinaus gibt es Sprechstunden mit den Tierpflegern, bei denen man wirklich interessantes über die Koalas lernt, eine Greifvögel-Show, eine Hirtehund-Vorführung und zahlreiche andere Infomöglichkeiten. Die meisten Tiere (ok, nicht das Krokodil 😉 ) bewegen sich innerhalb des Parks frei und man hat die Möglichkeit sie zu füttern und von ganz nah zu beobachten. Natürlich sind auch hier die Papageien, Kakadus und Rainbow Lorikeets am Start, die man in Australien sehr oft trifft und die Dank ihres lautstarken Gezwitschers nie zu überhören sind.

Mein persönlicher Höhepunkt war aber natürlich die Koala-Begegnung. Frühmorgens hatten wir das Glück, kaum anstehen zu müssen und eine entspannte Atmosphäre anzutreffen. Nachdem der erste Koala keine Lust auf eine Begegnung mit mir hatte und gleich wieder den Weg zu seinem Eukalyptus-Baum antrat, versuchten wir es mit einem anderen: Roary hieß der flauschige Genosse, der mit seinem Hinterteil auf meinen Händen saß (und dabei natürlich gleich mal Ausscheidungen von sich gab, haha… Wildlife eben), sich mit seinen Vorderpranken in meinen Pullover krallte und ziemlich entspannt weiter seinen Eukalyptus kaute. Ich war (und bin immer noch) hin und weg! Was für ein Erlebnis! Nach wenigen Minuten war es dann auch schon wieder Zeit und Roary wurde wieder von der Tierpflegerin übernommen. Den restlichen Tag schwelgte ich glückselig in Erinnerungen -und stank nach einer seltsamen, leicht aufdringlichen Mischung aus Eukalyptus und Dung, aber hey, das war es wert! 🙂

Leicht benommen von dieser einmaligen Begegnung ging es nach einer Kaffeepause ins große Gehege, wo Kängurus, Emus und Wallabys frei herumlaufen. Zu früher Stunde waren dort noch alle hungrig und auf Futter aus, ergo auf jeden Touri, der mit brauner Futtertüte ins Gehege kam. Alle? Nein, ein Känguru kam plötzlich in zwei Riesensätzen auf mich zu und fing an, mich mit den Vorderläufen zu boxen! Stehenbleiben oder weglaufen? Beides irgendwie ohne Chance… Relativ schnell ließ es von mir ab und machte bei einem Kind weiter, dessen Futterangebot ignorierend und drauf los boxend, bis es schließlich einem vorbeifliegenden Vogel hinterhersprang, um sich in der Kurve abzulegen. Unglaublich, alle standen staunend da und konnten nicht glauben, was sie da gerade erlebt hatten. Aber so ist das nun mal, Lone Pine ist kein Streichelzoo (bei den Greifvögeln ist es komplett untersagt, sie zu berühren) und man sollte immer im Hinterkopf haben, dass es sich um Wildtiere handelt, auch wenn sie hier im Park leben.

Wie mir Brisbane rückblickend so gefallen hat? Ich nehme schöne Erinnerungen an Roary und seine flauschigen Genossen mit, die ein friedliches Leben aus Schlafen und Futtern führen! Und natürlich an das boxende Känguru! 🙂

 

Tipps und Adressen:

Miramar Cruises: Koala Express – ca. 35 min. Fahrt zu Lone Pine, eine Gebühr für Fahrt und Parkeintritt, unbedingt vorab online buchen. Es gibt auch ein langsameres Boot mit mehr Plätzen, aber man ist einiges länger unterwegs, kommt später im Park an und hat weniger Aufenthaltszeit. Alternativ erreicht man Lone Pine natürlich auch per Auto, wobei die Aussicht die Bootsfahrt echt wert ist.

Ovolo the Valley – nettes Boutique-Hotel mit originellen Zimmern und Rooftop-Pool in Fortitude Valley, günstig zu buchen als Last Minute-Option über die hoteltonight-App

Campos Piccolo, Bellissimo Coffee – gute Coffee Shops in Fortitude Valley

Riverbar & Kitchen – nette Bar mit Snackangebot und Blick auf den Fluss

Chinatown Brisbane – sehr gute Auswahl an Sushi und Dumplings, z.B. bei Umami Restaurant & Bar

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