Sydney – Mehr als Oper

Wer kennt sie nicht, die Oper von Sydney? Spätestens von den Bildern der Silvesternacht kennt jeder dieses auffällige Gebäude und vielleicht noch die Brücke im Hafen von Sydney, das war es aber dann schon auch. Doch das ist längst nicht alles, was Sydney zu bieten hat. Gleich zwei Mal auf unserer Australien-Reise, auf dem Weg Richtung Norden und dann nochmal vor dem Rückflug, hatten wir insgesamt etwas mehr als eine Woche Zeit, diese Stadt zu erkunden -und wir hätten ohne Probleme noch länger bleiben und neues entdecken können!

Allein die Gegend um Bondi verdient schon gut einen Tag für sich. Der Walk von Bondi Beach nach Süden ist ein sportlicher Spaziergang, der für die tollen Aussichten die Anstrengung lohnt! Angeblich ist Bondi Beach nach der Oper und der Harbour Bridge der am dritthäufigsten aufgesuchte Ort in Sydney, alle drei sind auf der National Heritage List. Einen weiteren Tag (oder zumindest einen halben) sollte man für Manly einplanen: los geht’s mit der Fähre ab Circular Quay, die etwa halbstündige Überfahrt zur Halbinsel bietet erst tolle Blicke auf Oper und Harbour Bridge, dann auf die Küste und das Meer. In Manly hat man dann je nach Zeit und Wetter die Wahl zwischen Trails, Beach (den Surfern zuschauen oder selbst surfen) und Essen bzw. Kaffee oder eben alles zusammen. Je nach Wetterlage sollte man allerdings auf dem Schirm haben, dass bei heftigem Wind der Fährverkehr eingestellt werden kann! Und selbst bei ruhiger Wetterlage hat die Fähre ordentlich Wellengang -nur so als Vorwarnung für diejenigen, die nicht ganz so seefest sind…

Doch bevor man die Ausflüge angeht, lohnt sich vielleicht eine andere Tour als Einstieg, um Sydney kennenzulernen: vom Parkgebiet „The Domain“ raus, an der Kunstgalerie vorbei Richtung bzw. durch den Botanischen Garten und dann auf der Landspitze zu „Mrs Macquarie’s Chair“, einem wunderbaren Aussichtspunkt mit Blick auf Oper, Brücke, Bucht usw. Wir hatten diesen Einstieg zufälligerweise beim Spendenlauf, bei dem wir gestartet sind und mochten die Runde und Aussicht auf der Landspitze so sehr, dass wir sie an unserem letzten Tag in Sydney morgens nochmal wiederholt haben.

Eine klasse Aussicht hat man auch von Watsons Bay, ähnlich wie Manly in ca. 30 Minuten Fahrtzeit mit der Fähre von Circular Quay zu erreichen. Am kleinen Hafen angekommen läuft man nach links, erst am Ufer entlang, dann durch die kleinen Straßen, zu Camp Cove, einem kleinen Strand. Von dort geht es über Treppen und Stufen hinauf und man folgt der Beschilderung Richtung South Head und Hornby Lighthouse.  Hier bietet sich eine wunderbare Sicht auf die Skyline von Sydney und man kommt aus den Fotostopps gar nicht mehr raus… Nach dem kleinen Rundkurs („South Head Heritage Trail“) orientiert man sich wieder grob zurück Richtung Hafen, um dann den Weg am gegenüberliegenden Inselufer fortzusetzen und von „The Gap“ eine spektakuläre Aussicht über die Felsenbucht und den Pazifik zu genießen. Leider sind die Klippen zu einem beliebten Ziel für Selbstmörder geworden, was dazu führt, dass alles kameraüberwacht und mit Warnschildern gepflastert ist. Nach dieser ausgedehnten Tour, die nicht wenige Höhenmeter parat hat, stärkt man sich am besten im Doyles, einem erstklassigen Restaurant, das von sich behauptet, das älteste Fischrestaurant in Sydney zu sein. Mit etwas Glück ergattert man auch ohne Reservierung einen Tisch und kann sowohl die Aussicht auf Sydney als auch frischen Fisch genießen. Alternativ kann man sein Picknick im Park hinter der Strandpromenade genießen, bevor man zurück nach Sydney oder weiter nach Manly fährt.

Dass wir unbedingt nach Manly und Watsons Bay müssen, stand schon ziemlich früh fest: bei einem unserer Frühstücksaufenthalte bei Frankie’s Beans, einem Café in Darlinghurst, lernten wir den „echten“ Frankie kennen, der uns nicht nur mit leckerem bei Bananenbrot, Feigenmuffins und super Kaffee (die Messlatte in Australien hängt echt hoch, aber das bei Frankie ist preisgekröntes Baristakönnen!) versorgte, sondern netterweise auch gleich noch mit Touri-Tipps. Ein Besuch bei Frankie stand daher auch nochmal für den Tag unseres Abflugs an -um leckeren Kaffee zu trinken, Danke zu sagen und als Souvenir von seinen To Go-Bechern mitzunehmen, die nicht nur nett designt, sondern auch doppelt nachhaltig sind, denn sie sind aus Bestandteilen der Kaffeepflanze hergestellt.

Auch für Schlechtwettertage gibt es in Sydney genügend Programm: Shoppen natürlich, ein Zoobesuch (kein „typischer“ Zoo, sondern sehr nett und natürliche gestaltete Anlage) oder ein Besuch in der Bibliothek. Die State Library of New South Wales ist vielleicht nicht ganz so spektakulär wie der Bau in Melbourne, aber auch sie wartet mit (kostenlosen) Kunstausstellungen und anderen interessanten Ausstellungen auf. Wir nutzten die Gelegenheit, die World Press Photo-Ausstellung anzuschauen sowie eine kleine regionale Ausstellung über den alten Friedhof von Sydney, der dem Bahnbau weichen musste.

Einer der Höhepunkte unseres Aufenthalts war zweifellos das Vivid-Festival. Jeden Abend ab 18 Uhr, wenn es annähernd dunkel war, hieß es „Lights on!“ und der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Jeden Abend nahmen wir uns einen anderen Abschnitt der ausgeschilderten Walks vor: am beeindruckendsten war sicherlich der Part am Hafen entlang mit Blick auf die Animationen auf dem Dach des Opernhauses und die wechselnde Beleuchtung der Hafenbrücke. Aber auch am Circular Quay gab es super Stationen: u.a. illuminierte Schildkröten-Figuren und eine musikuntermalte Film-Projektion auf eine Hausfassade. Wunderschön auch die Stationen auf dem Parcours durch den Botanischen Garten mit Installationen wie „Firefly Field“ und „Dancing Grass“.

Das besondere an Sydney war für uns die Entspanntheit und Gelassenheit. Kein Vergleich mit anderen, z.B. europäischen Großstädten. Vielleicht mal Gehupe im Feierabendverkehr, aber sonst von Stress und Eile keine Spur. Vielleicht auch ein Resultat der besonderen Kombi hier: Shoppingmeile und Hochhäuser auf der einen Seite, Surfspots und Trails auf der anderen Seite. Dazu ein australischer Kaffee und gutes Essen, dann kann man gar nicht anders als tiefenentspannt…

Weitere Tipps und Adressen:

Mr. Wong – Wahres Dumplingparadies! Etwas versteckt im Hinterhof, aber innen wow! (Selbst die Toilettenräume sind hier eine Reise in ein anderes Land…) Unglaublich leckere Dumpling-Auswahl. Teils offene Küche mit Blick auf die Zubereitung. Alle Gerichte zum Teilen, werden tapasartig serviert. Ausgezeichnete Weinkarte, sehr gute alkoholfreie Cocktails. Unbedingt noch Platz für ein Dessert lassen, super leckere Auswahl! Ohne Reservierung selbst mittags fast unmöglich, am besten mind. ein paar Tage vorab online reservieren. Allein wegen dieser Location würde ich wieder nach Sydney fliegen…

Buffalo Dining Club – Italienische Küche in Darlinghurst. Kleine, aber feine Karte.

Sushi Yachiyo – Kleiner, unauffälliger (fast schon versteckter) Sushi-Laden in Darlinghurst. Günstiges Mittagsmenü aus Suppe und Hauptgericht sowie tapasartigen kleinen Vorspeisengerichten. Ausgezeichnete Ramen-Gerichte.

Ms. G’s – Schicker Laden in Potts Point. Teils ausgefallen serviertes Essen (frittierte Fischhappen in Korb aus frittiertem Fischskelett…), gute Cocktails und nette Aussicht auf die City. Unbedingt vorab reservieren.

Bang Tang – Einfaches, aber leckeres asiatisches Restaurant in Potts Point. Ramen, Tom ka gai u.ä.

John Montagu – kleiner Laden in Woolloomooloo. Super leckere und gesunde Sandwiches bzw. Stullen, Salate und -natürlich- Kaffee. Der Falafel-Sandwich ist ein Gedicht, alle anderen auch. Ideal für Lunch oder kurze Pause.

ChatThai – diverse Filialen, u.a. Haymarket oder Circular Quay; sehr gute thailändische Küche: Nudelgerichte, Sticky Rice usw. Teils sehr scharf, beim Bestellen sonst angeben, dass es weniger scharf sein soll…

Australian Wine Centre – 42 Pitt Street, Nähe Circular Quay; gut sortierter Weinladen, der auch Wodka, Whiskey, Gin und dergleichen im Portfolio hat. Super Beratung.

Fortbewegung: mit Uber per App bei Bedarf ein günstiges Taxi ordern oder per Bus oder Fähre

img_0889

Schreibe einen Kommentar