Nachdem wir in Melbourne den australischen Winter und in den Blue Mountains sternenklare, aber eiskalte Nächte erlebt hatten, arbeiteten wir uns nach Norden Richtung Sommer vor: knapp 2h Flugzeit von Brisbane entfernt liegen die Whitsunday Islands (oder kurz Whitsundays), zwischen der Nordostküste von Queensland und dem Great Barrier Reef. Kurzum: das Paradies am Ende der Welt!
Unser Hauptziel war Hamilton Island, wo wir ein kleines Bungalow gemietet hatten. Die Landung erinnerte mich erst mal sehr an meinen kleinen Heimatflughafen: kurze Landebahn (gerade mal so breit wie die Insel), sodass der Pilot gleich die Bremsen zuknallt. Dafür geht alles praktisch schnell: vom Rollfeld zu Fuß ins Terminal, Koffer schnappen (Kofferband mit Aussicht: davor liegt ein kleiner Parkplatz und dann direkt das Meer!) und dann los ins Hotel, wo auch der Check-in für die Bungalows stattfindet (ansonsten kann man sich diesen hässlichen Bau echt sparen, der einzige große Klotz in diesem Paradies…). Für den Transport gibt es zwei Optionen: zu Fuß oder per Golf Buggie, denn die Insel ist autofreie Zone.
Dafür ist die Insel umso mehr Tierzone: oben in den Bäumen toben tagsüber Papageien und Kakadus (in einer Lautstärke, die wir von deutschen Vögeln nicht unbedingt gewohnt sind…) bzw. nachts Fledermäuse, unten am Boden sind Ameisentruppen, Eidechsen und Kängurus unterwegs. Learning des ersten Abends: nie Türen und Fenster offen lassen oder gar die Schuhe draußen stehen lassen, sonst hat man gleich ungebetene Mitbewohner 😉 und abends immer damit rechnen, dass ein Känguru durch die Hecke stürmt und einen fast umrennt -kein Witz! Ich weiß nur noch nicht, wer von uns beiden mehr erschrocken ist… 😉 Anfangs fallen einem durchaus die ganzen Verbotsschilder negativ auf, aber Anweisungen wie „Don’t feed the birds“ ergeben spätestens dann Sinn, wenn man Chinesen dabei zusieht, wie sie mit der Ankündigung „Oh cute birdies, I brought some bread…“ auf die Poolterrasse stürmen, um dann von einer Vogelinvasion quasi aufgefressen zu werden und fluchend die Flucht ergreifen.
Doch eigentliches Reiseziel waren für uns nicht die Whitsundays, sondern das Great Barrier Reef. Die knapp 2h Fahrt zum Ponton im Hardy Reef bieten tolle Ausblicke auf die anderen der insgesamt 74 Inseln, ist aber kein Zuckerschlecken: nach Verlassen der Inselgruppe gibt der Kapitän Gas, es schaukelt, ruckelt und spritzt („bumpy boat“), was erst dazu führt, dass die aufgetakelten Chinesen (sorry, aber ja, die schon wieder) ihre Fotoshootings und Videodrehs beenden und sich hinsetzen, dann zu ersten Besuchen im Innenraum (an der Bar gibt’s praktischerweise auch Medikamente gegen Seeübelkeit zu kaufen…) und schließlich zu Learnings wie -sorry, jetzt wird’s eklig- dass auch Kotze in Windrichtung fliegt und es durchaus Sinn macht, den Anweisungen des Personals zu folgen (und kotzende Kinder nicht über die Reling zu halten, sodass alle, die dahinter sitzen, mal eben ungewollt „duschen“…). Überlebt man diese Challenge einigermaßen unbeschadet ;-), hat man am Ponton angekommen die Wahl zwischen verschiedenen Aktivitäten wie Schnorcheln, geführte Schnorcheltouren, Tauchen, durch den Glasboden Fische Gucken, mit dem Half-Submarine Rumfahren (und durch den Glasboden Fische Gucken), Helikopter-Flüge übers Riff oder einfach nur Sonnen und Mittagsbüffet plündern :-D. Wir entschieden uns für Schnorcheln ohne die (kostenpflichtige) geführte Tour, denn man kann sich an den Markierungen, Seilen und Bojen im Riff sehr gut eigenständig bewegen und anschauen, was man möchte. Vorher muss man sich in die sog. „Stinger Suits“ reinwerfen, mit denen man zwar definitiv keinen Schönheitswettbewerb gewinnt, aber man ist gut geschützt vor den Quallen, die teils dermaßen durchsichtig sind, dass man sie erst sieht, wenn man schon sehr dicht dran ist. Vor Ort hatten wir ca. 4h Zeit, also definitiv genug, um (vor Lunch und Sonnen) ausgiebig am Riff entlang zu schnorcheln, Fische anzugucken und Maggie zu begrüßen: eine sehr große, dicklippige Fischlady mit durchaus imposanter bis furchteinflößender Erscheinung, die jedoch sehr friedlich ist, es auf Streicheleinheiten abgesehen hat und bereitwillig mit aufs Foto drängt. Die Begegnung mit Maggie und all den anderen großen und kleinen Fischen am Riff war definitiv ein atemberaubendes Ereignis, das ich so schnell nicht vergessen werde! Was ein Unterwasserkino! Die 2h Fahrt zurück übers Meer sind ideal, um all diese Eindrücke erst mal zu verdauen und zu genießen.
Weiteres Muss ist ein Ausflug nach Whitehaven Beach, einem der weißesten Strände der Welt, gelegen auf Whitsunday Island. Dorthin gelangt man natürlich wieder per Boot, am besten schon gleich morgens, denn dann hat man den langen Strand (fast) für sich alleine und es ist noch nicht so viel los. Die Insel ist zwar unbewohnt (und ohne Süßwasser: Wasser/Getränke mitnehmen!), aber natürlich klassisches Touriziel. Uns war das Meer (trotz Quallen-Schutzanzüge) etwas zu kalt zum Baden, sodass wir uns für einen Lauf am Strand entlang Richtung Norden entschieden. Der Strand ist sehr lang gestreckt und man kann mühelos einige Kilometer sammeln, dabei das Panorama genießen und mit etwas Glück keine Schildkröten im Uferbereich entdecken. Dank des super hohen Quarzgehalts speichert der Sand keine Wärme und es ist selbst bei Hitze barfuß echt angenehm! Danach ging es über ausgeschilderte Tracks bzw. Trails ins Inselinnere, u.a. zum Solway Lookout und zur Chance Bay. Unterwegs haben wir einige Leguane getroffen, riesige Ameisen-Nester, Schmetterlinge und interessante Pflanzen gesehen. Vom Solway Lookout hat man einen tollen Ausblick in die anderen Buchten der Insel und zu den Berggipfeln! Leider waren wir zu blöd, das Mückenschutzmittel zwar einzupacken, aber nicht zu benutzen -ein fataler Fehler! Besonders fies: Sandmücken. Sie sehen harmlos aus (ein bisschen wie Fruchtfliegen), den Stich merkt man oft nicht, aber wenig später fängt es höllisch an zu brennen und zu jucken. Da sich wohl eine ganze Horde ausgetobt hat, half bei unserem „Flächenbrand“ auch kein übliches Mittel, sondern nur noch zur Kühlung die Beine in den Pool halten…
Abgesehen von diesen unvergesslichen Ausflügen kann man auch auf Hamilton Island selbst eine schöne Zeit erleben: entweder relaxt an einem der zig Pools, am Catseye Beach (umfangreiches Angebot: Stand up Paddling, Katamaran, Schnorcheln, Beach Tennis usw., Ausrüstung wie Quallen-Schutzanzüge werden an der Strandhütte zur Verfügung gestellt) oder auf einen der zig Trails die tolle Aussicht genießen -nachdem man ordentlich Höhenmeter gesammelt hat. DAS wär nämlich für mich die eigentliche Überraschung: ich hätte die Whitsundays irgendwie flacher erwartet, aber nicht so hügelig. Am Tour Desk gibt es eine „Walking Trail Map“ mit Infos zu Distanzen und ungefährer Gehzeit. Die Trails sind grundsätzlich von Sonnenauf- bis -untergang offen, mittlerer Schwierigkeitsgrad, aber mit teils sehr steilen Passagen und Stufen (z.B. zum Passage Peak). Ich würde mich als Marathon- und Trail-Läuferin als nicht gerade untrainiert bezeichnen, aber diese Insel hat echt einige Steigungen parat! Ursprünglich hatte ich in der freien Natur v.a. Respekt vor gewissen Spinnen und Schlangen, vor Ort hat sich das aber schnell auf etwas anderes fokussiert: den Gympie-Gympie-Baum, die australische Brennessel, vor deren aggressiven Brennhaaren nicht mal normale Kleidung schützt. Ich kann diesbezüglich und allgemein nur raten, unbedingt den Empfehlungen in der Karte und auf den Schildern zu folgen, die Tipps zu Trinkvorräten, Bekleidung, Gehzeit, Verhalten etc. machen durchaus Sinn!
Wir haben echt ungern Abschied genommen von diesem Paradies und würden jederzeit gerne wieder da hin -wie schade nur, dass es für uns am Ende der Welt liegt und man sich nicht eben mal hinbeamen kann… 🙁
Tipps und Adressen:
Cruise Whitsundays – Anbieter von Tages- und Halbtagesausflügen, z.B. ins Hardy Reef und zu Whiteheaven Beach; Stinger Suits und Schnorchelausrüstung werden gestellt; einige andere Aktivitäten sind gegen Aufpreis optional zubuchbar; Buchungen vor Ort machen, je nach Auslastung ist Nachlass drin
Palm Bungalows Hamilton Island -> buchbar über Booking.com, kleine Bungalows inkl. Kochnische (Selbstversorgung über Supermarkt kein Problem), Frühstück optional zubuchbar, Restaurant-Auswahl (z.B. Manta Ray, Pizzaladen, Coca Chu… für Dinner ist bei den meisten Online-Reservierung Pflicht)
Die ganze Insel-Struktur inkl. Restaurant-Reservierung, Aktivitätenplan, Wetterbericht, Öffnungszeiten, Massageangebot Spa etc. läuft über eine App, die man sich bei Ankunft am besten gleich herunterlädt. Es gibt öffentliche Wlan-Spots auf der Insel.











