Kanpai!

Prost! Dass dieser Tag zum Biertag wird, war nicht geplant. Aber wie war das? Unverhofft kommt oft!

Als wir in Toyama losfuhren, waren es am Morgen schon mollige 26 Grad. Gut, dass JR nicht die DB ist und die Klimaanlage funktioniert. 😉 Zunächst ging es mit dem Shinkansen nach Tsuruga – ab Kanazawa eine uns schon aus dem Vorjahr bekannte Strecke. In Kaga fiel uns beim Halt direkt wieder die riesige Buddha-Statue auf und wir fragten uns schon, ob wir das mal auf unsre Japan-Reiseliste aufnehmen sollten. Eine kurze Internetsuche später war die Antwort jedoch ein klares Nein: Die Statue misst zwar beeindruckende 73 m, aber verfällt ebenso wie der verlassende buddhistische Themenpark um sie herum.

In Tsuruga endet die Shinkansen-Strecke, was diesen Umstieg eher anstrengend macht, da der Umstieg zu einer gefühlten Völkerwanderung ausartet. Richtung Kyoto bzw. Osaka geht es weiter mit dem Thunderbird, dessen Fahrt einen schönen Mix aus Waldpanorama und (linkerhand) Aussicht auf den Biwa-See bietet.

Nach ca. 2,5 h Fahrt kamen wir in Kyoto an und was war da die Hölle los… Die Kombi aus Übertourismus und langem Feiertagswochenende sorgte auch hier für eine Art Völkerwanderung. An den Ticketschranken griffen zwei Mitarbeitende (für japanische Verhältnisse) ziemlich schroff und erbarmungslos ein, wenn jemand mit Kleinigkeiten den Fluss blockierte. Geht auch echt nicht anders bei diesen Menschenmassen. Wir hielten uns wie immer am Ausgang rechts Richtung Century Hotel, um dort den wesentlich entspannteren und weniger trubeligen Uber-Treffpunkt zu nutzen. Kyoto war bislang bei all unsren Japan-Reisen fester Bestandteil, aber auch dieses Mal hatten wir uns entschieden, bzgl. Unterkunft ein neues Stadtviertel kennenzulernen.

Auf dem Weg ins Hotel in Nijo sahen wir, dass direkt vorm Higashi-Hongan-ji Tempel ein riesiges Bier Festival aufgebaut war. Also nur schnell Gepäck abstellen, einen kleinen Zwischenstopp in der Lion Bakery einlegen (sehr leckerer Matcha und Gebäckteile!).

Und dann direkt wieder los Richtung Kyoto Station. Beim kurzen Check, wie wir da am schnellsten wieder hinkommen würden, ärgerten wir uns kurz darüber, jetzt erst zu merken, dass es ja zwischen der Nijo Station und der Kyoto Station eine Direktverbindung mit JR gibt, die auch mit dem Railpass genutzt werden darf. Es erwies sich aber dann doch als klüger, mit Gepäck Uber gefahren zu sein, denn die Bahnwagen waren total überfüllt und wären mit Koffern eine Zumutung gewesen. Noch ein Stempel für die Sammlung und los ging es zum Bahngleis, geordnet auf den Markierungen anstellen.

Das Festival beim Higashi-Hongan-ji Tempel entpuppte sich als mehrtägiges „Belgian Beer Weekend“. Man konnte zwei verschiedene Paket aus Bierglas und einer unterschiedlichen Anzahl an Jetons erwerben, wurde dann zur Glasspülstation geschickt und konnte sich dann munter durch unzählige Sorten belgisches Bier probieren. Dazu gab’s noch Pommes und Waffeln, Live-Musik, Liegestühle, Paletten-Sitzmöbel und Tüten, um das Glas nach Abschluss des Biertastings zu verpacken und mitzunehmen. Wie konnten wir da nein sagen?! 🙂 Mit Blick auf die sommerlichen Temperaturen fiel unsre Wahl auf Zitronen- bzw. Tropical-Varianten. Kanpai zum ersten! Die restlichen Jetons wanderten in die Tasche, morgen probieren wir weiter!

Bei so viel Bier-Auswahl konnte man glatt die Schönheiten der Tempel-Anlage übersehen. Gut, dass wir schon so oft hier waren! 😉

Inzwischen waren es 28 Grad und es regnete leicht, Gefühl: Dampfbad. Unglaublich schwül und drückend. Daher fiel die Entscheidung schnell auf eine Location mit Klimaanlage und wir machten uns auf zurück Richtung Bahnhof, zu Kyoto-Yodobashi (einer Art Media Markt mit allerlei Technik-Schnickschnack von der Kamera-Ausrüstung über Fitnesstracker, Kaffeemaschinen bis hin zu Saug- und Hausrobotern). Im gleichen Shoppingtempel gibt es auf zig weiteren Etagen noch andere Shops: Bei Ishii-Sports schlugen wir mit Blick auf den günstigen Yen-Kurs bei Outdoor- und Laufklamotten zu, bevor wir danach bei Uniqlo Sommerbekleidung im Sale shoppten. Typisch japanisch: Schuh-Stillleben vor den Umkleide-Kabinen und uns unbekannte Kit Kat-Sorten.

Danach musste der Krempel erst mal ins Hotel und uns war definitiv nach einer Dusche. Zurück an der Nijo-Station waren immerhin die Regenwolken verschwunden und wir wurden mit einem sonnigen Abendhimmel belohnt.

Zum Abendessen hatten wir uns eigentlich nach ein bisschen Online-Recherche Gullman (Pasta & Pintxos) rausgesucht. Vor Ort erwies sich das als kleines, wohnzimmerartiges Restaurant mit nicht mal zehn Sitzplätzen. An der Tür der Hinweis, dass komplett ausgebucht. Schade, wir waren heute extra extrem früh dran.

Glücklicherweise gibt es in der Sanjo-Dori Street viele weitere Essensmöglichkeiten und wir entschieden uns für eine Izakaya direkt schräg gegenüber, wo wir mal wieder tapasartig kombinierten (Miso-Suppe, Sushi, Sashimi, Tempura-Gemüse, Gurkensalat und … Pommes!) und die Biergläser im eigenen Kühlschrank vorgekühlt wurden – angenehm bei diesen Temperaturen! Von daher: Kanpai! Zum zweiten Mal für heute und zum dritten auch! 🙂

Nach ein paar „harten“ Tagen in Toyama genossen wir außerdem sehr, dass es sowohl ein englisches Menü gab (bzw. ein iPad mit Fotos der Gerichte und ein paar Wörtern Englisch) als auch dass sich das Servicepersonal etwas auf Englisch verständigen konnte. Das macht es doch direkt um einiges leichter. Dass wir nicht mehr abseits der Touriströme unterwegs waren, merkten wir auch direkt: Nach den letzten Tagen waren wir zum ersten Mal wieder nicht die einzigen Nicht-Japaner im Restaurant.

Zurück im Hotel war noch so viel vom Abend übrig und wir schon wieder bereit für ne weitere Dusche, so drückend war die feuchte Hitze. Also zum Tagesausklang aufs Laufband (und die neu erworbenen japanischen Zehen-Laufsocken testen) und dann in den Bade- bzw. Onsen-Bereich des Hotels. Nachdem ich mir an der Rezeption die Zugangskarte für den separaten Frauenbereich abgeholt hatte, ließ ich meinen gesamten Krempel im Spind, bevor es via Duschbereich ins brühwarme Badewasser ging. Perfekter Tagesabschluss! Danach in die typischen japanischen Hausanzüge, die vom Hotel gestellt werden, und man hat die besten Voraussetzungen, direkt wegzupennen (nachdem man noch schnell die Wanderrouten für den Folgetag gecheckt hat…) – gute Nacht und bis morgen!

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