Herbst-Welle

Stand es gestern noch unentschieden, so fiel heute Morgen aus mehreren Gründen eine eindeutige Entscheidung für einen Ausflug nach Obuse. Doch zunächst frühstückten wir bei R-COFFEE Toast und Kaffee – eine herrliche Location in einem Antiquitäten-Shop namens R-DEPOT, wo wir durchs Angebot stöberten und ich prompt was für unsre Souvenir-Sammlung erwarb: zwei kleine Rehe, deren Art mich sehr an die Ostheimer-Holzfiguren erinnert.

Da wir schon so weit im Osten der Stadt waren, sparten wir uns den Weg zurück zur Nagano Station und spazierten durch eine (hässliche und in die Jahre gekommene) Einkaufspassage zur Gondo Station, um dort den Zug nach Obuse zu nehmen. Der Ticketkauf war eine Herausforderung, da der neuere, digitale Automat bzgl. Ziel-Auswahl nicht so wollte wie wir und der alte Automat unsre neuen Banknoten nicht schluckte (und wir keine alten hatten). Glücklicherweise kam jemand aus dem Schalterkämmerchen raus, verwies uns an den neuen Automaten und klickte dort alles für uns durch. Puh! Die Untergrund-Station war insgesamt sehr in die Jahre gekommen und jedes Mal, wenn Züge einfuhren, donnerte es mächtig.

Kurz darauf saßen wir auch schon im Limited Express-Zug und genossen die fantastische Aussicht nach vorne. Das Gefühl irgendwie ein Mix aus Geisterzug und Zeitreise-Kapsel. Das Vergnügen war allerdings von kurzer Dauer, da das Zugpersonal freundlich aber bestimmt darauf hinwies, dass der vordere Bereich reservierungspflichtig sei und Aufpreis koste. Wir und gut die Hälfte der anderen Passagiere mussten uns daraufhin in den nächsten Wagen umsetzen. Upsi.

Rund 20 Minuten und nur zwei Stationen später stiegen wir in Obuse. Die Stadt ist dafür bekannt, dass Hokusai hier einige Jahre seines Lebens verbracht hat – und für Esskastanien. Auf dem Weg zum Hokusai-Museum ging es mehrfach über Pflaster aus Kastanienholz und an Shops mit Kastanien-Delikatessen vorbei. Leider war die Ausstellung gerade im Umbau, sodass nur ein Teil davon zugänglich war, dafür war der Eintrittspreis deutlich reduziert. Immerhin konnten wir einige Hokusai-Werke, darunter zwei Holzschnitte mit dem berühmten Wellen-Motiv, im Original sehen.

Eigentlich war unser Plan gewesen, in der Kastanien-Stadt auch eine Kastanien-Spezialität zu essen. Da es sich jedoch überwiegend um Süßspeisen handelt (Eis, gefüllte Kuchen/Knödel, Sirup etc.), entschieden wir uns lieber für ein normales Mittagessen – ohne Kastanien. Mit dem Café & Marché Ichinii fanden wir eine ausgesprochen schön eingerichtete Location, die leckeren Mittagstisch anbietet.

Der Spaziergang durch den Ort zurück zum Bahnhof war insofern etwas anstrengend, als dass von den Obstfeldern dahinter massiver Qualm aufstieg. Dort verbrannte man irgendetwas in größeren Mengen. Nicht gerade angenehm für die Lungen und außerdem rochen wir bald schon selbst wie geräuchert… Am Bahnhof kaufen wir die Tickets für die Rückfahrt und lernten an diesem Automaten, dass die Fahrt mit dem Limited Express-Zug einen Aufpreis kostet. Diesen hatten wir bei der Hinfahrt definitiv nicht gezahlt, weshalb wir eigentlich mit dem langsamen Bummelzug hätten fahren müssen. Das Zugpersonal hatte uns bei der Kontrolle allerdings auch nicht darauf hingewiesen – Touribonus und/oder die 100 Yen Differenz lohnen die Umstände nicht…

Für den Rückweg beschlossen wir aber, den Aufpreis zu bezahlen, um wieder den schnelleren Zug nehmen zu können. Die Wartezeit am Bahnhof vertrieben wir uns damit, den Sammelstempel und die Verkaufsauslagen anzuschauen. Die lokalen Spezialitäten Kastanien, Äpfel und Trauben sind hier wirklich omnipräsent, die Äpfel sogar in Form eines Maskottchens und (neben weiteren Motiven) auf den Gulli-Deckeln.

20 Minuten Fahrt später waren wir mit dem Limited Express namens „Snow Monkey“ (hier in der Nähe leben diese und es gibt einen Affenpark) zurück in Nagano, wo wir dieses Mal an der Hauptstation ausstiegen. Bei Kobeya Kitchen, einer Bäckerei im Bahnhofsgebäude, gönnten wir uns ein paar Plunderteile, u. a. Hefegebäck in Kastanienform und mit Kastanienfüllung.

Mangels Café und da wir keine Lust auf das überzuckerte Zeug von Starbucks hatten, schlenderten wir (vorbei an einer kuriosen Dinosaurier-Werbeshow auf dem Bahnhofsvorplatz) zwei Straßen weiter zu Oddo Coffee, wo man quasi in einer Mischung aus Telefonzelle und Schuhschachtel Kaffee zubereitet. Sitzmöglichkeiten sind nebenan vor dem Schaufenster eines Radgeschäftes.

Nach einer kurzen Arbeits- und Ruhepause im Hotel entschieden wir uns für Sushi zum Abendessen (und „Carboloading“ für unsere Wanderung morgen) und wurden direkt ums Eck bei Tsukiji Nihonkai fündig – wo man zwar kein Englisch spricht, aber ein Menü in Englisch anbietet. Von unsren Sitzplätzen direkt an der Bar hatten wir mal wieder einen super Blick auf die Fisch-Auslage und die Zubereitung – und das hier so vielgeschätzte Bunsenbrenner-Utensil…

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