Schon kurz vor sechs Uhr wurde ich wach (dieses Mal nicht vom Laubbläser und der Kehrmaschine, haha), die Luft war vom nächtlichen Gewitter noch frisch und klar und das Morgenlicht über dem Lago Maggiore hatte etwas mystisches. Heute war Abreisetag und auch wenn der Großteil der Reise noch vor uns lag, war uns klar, dass die Unterkunft in Cannero Riviera kaum zu toppen war. Das Arancioamoro war so ein nettes kleines Boutique-Hotel, mit nur acht Zimmern überschaubar und ruhig, und vor allem die Aussicht unseres Zimmers direkt auf den See war einfach der Hammer. Gut, dass wir die Unterkunft nach der unschönen Erfahrung in Varano Borghi gewechselt hatten. Auch hier erwies sich wie in allen Bereichen wieder unser Motto als richtig: Love it, change it or leave it – aber hör auf rumzujammern ;-).

In diesem Fall kamen wir auch sehr gerne der Bitte nach, eine (positive) Bewertung bei Booking.com zu hinterlassen. Für uns eindeutig zehn Sterne wert, aber ein Blick auf die anderen Bewertungen zeigte, dass der immer maulende Alman-Urlauber selbst hier natürlich noch Gründe fand, 1-2 Sterne abzuziehen: „Zu wenig Kleiderbügel im Kleiderschrank“ war nur eins der Bewertungshighlights, bei denen man sich echt zu schämen anfängt.
Doch zurück zum Urlaubstag. Sechs Uhr ist nicht wirklich meine Aufstehzeit, daher drehte ich mich nochmal um und schlief eine Runde, aber nicht zu lange, denn nach dem Gewitter war es schnell wieder drückend warm, und ich wollte nicht zu spät auf meine Laufrunde starten. Also schnürte ich, was selten vorkommt, bereits gegen 7:30 Uhr meine Laufschuhe und schlich nach unten, – da das Erdgeschoss und der Haupteingang noch verschlossen waren – durch den Seiteneingang im 1. OG raus. Höchste Zeit loszulaufen, denn es waren schon über 20 Grad und die Sonne brannte. Cannero Riviera war insgesamt noch total verschlafen, erst am Südende der Promenade, in Höhe von Campingplatz und Strand, kamen mir die ersten wachen Gestalten entgegen. Um den Italopop-Ohrwurm vom Vortag loszuwerden, gab es dieses Mal Kontrastprogramm auf die Ohren, thematisch nicht ganz unpassend: I wear my sunglasses at night…






Nach 2,5 Runden an der Promenade entlang, durch die Outdoor-Kunstausstellung in den Gassen hoch zur Hauptstraße und an der Kirche vorbei wieder runter lief mir nur so die Brühe und mein erster Frühstückspart bestand erst mal aus 1,5 Litern Saftschorle. Gestärkt und geduscht war es dann leider auch höchste Zeit für den Check Out und die Weiterfahrt. Die war leider bis zur Autobahn ziemlich anstrengend – ich sag nur Radfahrer/n am Limit. Die nicht gerade breite Uferstraße Richtung Stresa war so schon nicht ohne aufgrund Gegenverkehr, Reisebussen, Baustellen, Baumfällarbeiten und Auto-Rallye, dazwischen dann noch flitzende Eichhörnchen und vor allem Rennradfahrer, die sich waghalsig bis total kopflos in der Mitte der Fahrbahn durchquetschen oder viel zu dicht auffuhren. Da hatten wir bei der Durchfahrt auch nicht wirklich Sinn für den schönen Stadtkern von Verbania. Was waren wir erleichtert, als wir endlich auf der Autobahn waren!
Wir zählten wieder Tunnel, insgesamt ging es ziemlich entspannt durch bis nach Como, wo es dann wieder etwas anstrengend wurde. Unsere Unterkunft war im historischen Stadtkern, den man so nicht befahren darf, daher mussten wir uns ein Parkhaus in der Nähe suchen, was sich aber aufgrund des Sonntagsverkehrs als gar nicht so einfach herausstellte: Die meisten Anzeigen zeigten komplett belegt an. Schließlich fanden wir in der Nähe der Porta Torre ein Autosilo genanntes Parkhaus, in dem noch Plätze frei waren. Von dort waren es nur ca. 700 m zu Fuß durch die Altstadt bis zur Unterkunft. Auf dem Weg dorthin machten wir erst mal eine Lunchpause, pizzafrei natürlich, dafür mit leckerer Meeresfrüchte-Pasta.

Bevor wir am Auto das Gepäck holten, schlenderten wir noch zum Lago di Como, wo leider die Hölle los war. An der Ablegerstelle standen die Menschen Schlange, im Park war Markt und Rummel, und noch dazu waren es inzwischen gut 26 Grad und die Schwüle unerträglich. Es war offensichtlich, dass sich in Kürze alles (wieder mal) in einem Gewitter entladen würde, also spazierten wir lieber wieder zum Parkhaus, unsre Sachen holen und in die Unterkunft bringen. Nachdem wir alles in den dritten Stock (Aufzug Fehlanzeige) geschleppt hatten, ging es dort nach der Tür nochmal eine weitere Treppe hoch in unsere Wohnung. Endlich angekommen waren wir fix und alle und klatschnass geschwitzt.
Gut, dass wir uns eine Weile erholen konnten, bis wir los zum Abendessen mussten. Aufgrund der sehr guten Bewertungen hatten wir kurzfristig online einen Tisch in der Osteria von Figli dei Fiori reserviert und waren vor Ort nicht die einzigen, die irritiert waren, zu welcher Hausnummer sie denn nun müssen: Unter diesem Namen gibt es gegenüber voneinander bzw. nebeneinander die Osteria, das Bistrot und die Floral Boutique. Gut immerhin, dass wir reserviert hatten, ohne hätten wir an diesem Sonntagabend nämlich definitiv keine Chance gehabt.
Die Osteria entpuppte sich als Mischung aus Wintergarten und Wohnzimmer. Blumentapete und Hirschgeweih, eine interessante Kombi. Alle Gerichte grundsätzlich immer als Portion für zwei Personen konzipiert, mussten wir uns einig werden, was wir teilen.





Die Wurstplatte mit Salaten und Beilagen war schon so sättigend, dass wir kapitulieren mussten und nicht alles aufaßen. Gut, dass wir noch etwas Platz im Magen für die Hauptspeise ließen, diese war nämlich umwerfend lecker und bei dem schwülen Wetter angenehm erfrischend: Venus Reis Salat mit Pfirsichen, Avocado und Gemüse. Dessert ging leider nicht mehr rein, so gern wir auch was von der Karte probierten hätten und so sehr sich der freundliche Kellner auch bemühte. Vermutlich machte er sich schon Sorgen oder hatte Mitleid mit uns, denn er fragte mehrfach, ob es uns gut ginge, ob er uns die restliche Wurstplatte einpacken oder noch mehr Beilagen bringen solle… aber Hunger war hier ziemlich schnell überhaupt nicht mehr unser Problem, eher begrenzter Platz im Magen.
Inzwischen war das erwartete und fast schon ersehnte Gewitter aufgezogen, sodass wir durch Blitz und Regen zurück zur Unterkunft spazierten und die frische Luft genossen. Irgendwie waren wir schon wieder so müde. Unglaublich anstrengend dieses Dolce Vita…
Ein Gedanke zu “Lago hoch zwei”