…war unser Motto in Israel. Wortwörtlich genommen haben wir es bei unserem Ausflug ans Tote Meer, einem, wenn nicht sogar DEM Highlight unserer Israel-Reise. Schon als Kinder haben wir uns vorgestellt, wie es wohl ist, nichtstuend im Meer zu treiben, entspannt obenauf zu floaten. Wer kennt sie nicht, die Bilder von zeitungslesenden Menschen, die auf dem Toten Meer schwimmen?
Doch schon die Anfahrt zum tiefsten Punkt der Erde, mehr als 400 m unter dem Meeresspiegel, ist beeindruckend. Von Jerusalem kommend fährt man durch die Berge Richtung Meer. Eine wunderschöne Landschaftskulisse, die noch relativ unberührt ist, wenn man u. a. von den verlassenen und teils kunstvoll bemalten jordanischen Bunkern nahe des Kalia Beach absieht. Wir hatten die Tour als Tagesausflug bei Elijah Tours & Travel via Get your Guide gebucht, hauptsächlich aus Bequemlichkeit. Denn wir wollten nicht selbst fahren, uns mit Blick auf Westbank und die Sink Holes nicht mit Grenzübergängen, Routen etc. beschäftigen und zudem sind die meisten Bade-Ressorts am Toten Meer kostenpflichtig. In einer Kleingruppe ging’s also im Kleinbus und mit sehr nettem Fahrer Richtung Nordufer, das wir nach etwas mehr als einer Stunde erreichten. Der Reiseveranstalter kooperiert dort mit einem Bade-Ressort bzw. einer Art Strandbar und natürlich ist das erste Gebäude am Parkplatz ein Touri-Shop mit tausend Schönheitscremes und -mittelchen mit Salz aus dem Toten Meer (Ahava Store). Das wirklich angenehme war, dass man zwar einen Einkaufscoupon bekommen hat, uns aber wirklich niemand mit irgendeiner Verkaufsveranstaltung genervt oder mit Hardcore-Vertrieb losgelegt hat. Das haben wir z. B. in Marokko bei ähnlichen Ausflügen schon ganz anders erlebt. Immerhin spart uns das ganze die 85 NIS, die wir sonst nebenan über den direkten Zugang zu zahlen hätten. Wie die meisten unserer Tour gingen wir direkt durch den Shop durch in Richtung-Strandbar, wo es Umkleidemöglichkeiten, Duschen, Süßwasser-Schwimmbecken und natürlich auch (überteuerte) Einkaufsmöglichkeiten gab, falls man Badezeug, Flip Flops oder was auch immer vergessen hat.
Das Meer schien hier immer noch ziemlich weit weg. (Wobei Meer so ganz nebenbei bemerkt ja Mogelpackung ist, es ist ein See.) Hinter der Strandbar verstanden wir auch, warum. Hauptproblem des Toten Meers ist, dass es verdunstet. Ziemlich viel und schnell. Innerhalb der letzten 100 Jahre hat sich die Oberfläche fast halbiert und wenn das so weitergeht, war’s das ziemlich bald mit dem Toten Meer. Und das, obwohl es ein abflussloser See ist, der vom Jordan gespeist wird. Irgendwann vor ein paar Jahren war der Strand hier an dieser Stelle noch direkt an der Strandbar. Inzwischen ist er einige Meter weiter unten, was zur Folge hat, dass man einen Treppensteg errichtet hat, den man ständig verlängern muss. Die Strandbar steht sozusagen auf Klippen, dahinter geht es über viele Holzstufen und -stege steil runter zum Strand.
Doch erst mal muss man an den ganzen Warntafeln mit den zig Regeln für den Strandbereich und für das Baden im Toten Meer vorbei: unter anderem nicht die markierten Wege/Bereiche verlassen (wegen der Sink Holes, dazu gleich mehr), nicht auf dem Bauch schwimmen (Verschluckungsgefahr), kein Meerwasser trinken (zu hoher Salzgehalt), wenn doch, dann direkt erbrechen und Hilfe bzw. den Bademeister rufen, nach dem Baden im Meer direkt an der Stranddusche mit Süßwasser abduschen, maximal 15 Minuten im Meer baden (entzieht der Haut / dem Körper zu viel Flüssigkeit), nicht planschen, nicht mit nassen Händen in Augen, Nase etc. fassen und zig andere Regeln mehr.
Unten am Strand angekommen fielen wir erst mal ko in die Stühle. Es waren hier im November noch gut über 30 Grad, einiges mehr als in Jerusalem, und die Sonne knallte. Beeindruckend der Blick übers Meer: das andere Ufer und damit Jordanien ist gefühlt nur einen Katzensprung entfernt. Unglaublich. Bekannte sind gerade am Ostufer in Urlaub, ich hätte ihnen rüberwinken können.
Auf weiteres Ausruhen hatten wir erst mal nicht so große Lust, zu neugierig waren wir auf das Schwimmgefühl im Toten Meer. Der Badebereich war sehr eingegrenzt, aber zu unserem Erstaunen gar nicht so voll wie erwartet, im Gegenteil, es war angenehm wenig los. Also rein, auf den Rücken legen und nichts tun. So zumindest die Theorie. Irgendwann wurde uns ja mal anerzogen, dass man im Wasser mit den Armen rudert und Schwimmbewegungen macht. Schön zu beobachten bei den Kindern, die sich ins Tote Meer wagten und auch alle ziemlich perplex waren, dass man diese Bewegungen zwar automatisch macht, hier aber absolut nicht braucht und es irgendwie schwierig ist, diesen Automatismus abzustellen. In der Tat ist es am Anfang etwas schwierig, sich erst einfach nur (nach hinten) fallen und dann einfach nur treiben zu lassen. Reine Kopfsache. Mit den Armen paddeln muss man tatsächlich nur, wenn man von der Stelle kommen und woanders hinschwimmen will. Wobei man nicht weit kommt, der Badebereich geht nicht weit ins Meer hinaus. Also liegt man einfach nur an der Oberfläche, holt sich in manchen Fällen etwas Sonnenbrand, wundert und freut sich über das Gefühl der Schwerelosigkeit, lässt die Mineralien ihre gesunde Wirkung an der Haut verrichten und einige schmieren sich zwischendurch am Ufer mit dem angeblich ebenso wohltuenden Schlamm ein. „Natural spa experience“ par excellence.
Nach rund 15 Minuten im Meer reichte es uns dann, ganz ohne Baderegel. Rumtreiben ist ganz nett, aber auf Dauer auch etwas langweilig, zumal es warm wie in einer Badewanne war (Wassertemperatur: über 24 Grad…). Außerdem wird man dann doch durstig. Ich beging den Fehler und leckte die Lippen ab, was es nur verschlimmerte. Ich fühlte mich wie ein Salzstein. Interessant das Gefühl auf der Haut: aus dem „normalen“ Meer kennt man es ja, dass das Meerwasser mit der Zeit verdunstet und Salzkrusten auf der Haut hinterlässt. Nicht so im Toten Meer. Aufgrund der anderen, hygroskopischen Salz-Zusammensetzung verdunstet das Wasser nie ganz und es bildet sich auf der Haut (und den Bade-Klamotten) ein feuchter, schmieriger Film, als hätte man sich eingecremt. Faszinierend.
Danach genossen wir erst mal noch etwas den Strand, ließen uns von der Sonne trocknen und gönnten uns an der Strandbar ein Eis (Tipp: Eis bzw. Popsicles von Paletas in teils abgefahrenen Geschmacksrichtungen). Die gebuchte Tour war „unguided“, d. h. im Prinzip nur Shuttle-Service und Orga, aber keine Bespaßung, genau das wollten wir in dem Fall. Viel Programm ist, abgesehen von einem Kamel-Ritt zu Extra-Kosten, vor Ort auch nicht drin. Strandspaziergang ist eine eher ungemütliche Option, denn der Boden ist ziemlich steinig und die Salzkrusten schneiden unbequem in die Fußsohlen. Richtig erkunden kann bzw. darf man die Gegend rund ums Ufer ohnehin nicht: Vieles ist abgesperrt und man darf weder die Straßen, Wege noch gekennzeichneten Bereiche verlassen. Grund sind die Sink Holes: der sinkende Meeresspiegel verursacht Erdrutsche und plötzlich aufbrechende Erdlöcher, die teils 25 Meter tief sind. Resultat ist eine fast schon bizarr anmutende Mondlandschaft rund um das Tote Meer.
Wissenschaftler prognostizieren, dass das Tote Meer bis 2050 verschwunden sein wird, wenn keine umfangreichen Gegenmaßnahmen getroffen werden. 2050. Also quasi übermorgen.



2 Gedanken zu “Einfach mal treiben lassen…”