Paris, das war mal meine große Liebe. Spätestens nach einer Klassenfahrt in der Oberstufe hierher wollte ich hier leben, was ich dann später in Verbindung mit Studium und Job auch gemacht habe. Spätestens da fängt man an, eine Stadt anders zu sehen als mit Touristen-Augen. Der Zauber verfliegt, der Blick ist nicht mehr so verklärt. Paris, mon amour. Die große Liebe ist es nicht mehr, aber die Stadt wird immer einen speziellen Platz in meinem Herzen behalten. Und: die Stadt hat auch auf den zweiten Blick ihren Charme. Abseits der Touri-Hotspots warten manchmal direkt um die Ecke die besten Bistrots, die schönsten Locations und oft auch das günstigste bis kostenlose Unterhaltungsprogramm.
Umso erstaunter war ich, als ich feststellte, dass ich dazu noch nicht gebloggt habe. Zum Paris Marathon, ja, aber nicht zu den kulinarischen Highlights, zu den Sehenswürdigkeiten und zu dem, was hier so passiert. Am Wochenende des besagten Paris-Marathons im April 2019 bin ich noch unter den rosa blühenden Bäumen an Notre-Dame vorbei geschlendert, am Montag danach liefen die Bilder des Großbrands durch die Nachrichten, bei der die Kathedrale teilweise zerstört wurde. Drei Jahre später läuft der Wiederaufbau immer noch. Doch nicht nur Notre-Dame ist eingerüstet, vieles andere auch. Paris macht sich chic für Olympia 2024. Die ganze Stadt ist eine Baustelle. Denn die Stadt will außerdem grüner werden: Auto-Fahrspuren werden verschmälert, Rad- und Fußwege verbreitert.
Ohne Baustellen-Chaos und um eine gute Übersicht zu erhalten, eignet sich v. a. beim ersten Paris-Besuch eine Rundfahrt auf der Seine in einem der Bateaux mouches (ab Pont de l’Alma). Nach rund 70 Minuten hat man fast alle wichtigen Sehenswürdigkeiten gesehen, nur nach Montmartre müsste man noch. Die Bootsfahrt erspart einem damit viele Geh-Kilometer, die man sonst hätte: die klassische Tour ginge vom Tour Eiffel rüber zum Trocadéro, weiter zum Arc de Triomphe, die Champs Elysées runter zum Place de la Concorde, durch die Tuileries zum Louvre, am Rathaus vorbei zu Notre-Dame (macht gut und gerne mindestens fünf Kilometer, kann aber passagenweise mit einer Metro-Fahrt ersetzt werden…). Aber wenn man schon an der Seine ist, bietet sich auch trotz Bootstour noch ein Spaziergang oder Lauf an, denn das Ufer ist über weite Strecken autofrei: allein schon zwischen Rathaus und Bootsableger an der Pont de l’Alma kann man entspannt spazieren.
Ähnlich nett spazieren lässt es sich entlang des Canal Saint-Martin im Osten der Stadt, dort bieten sich gleich auch noch sehr viele Essensmöglichkeiten links und rechts des Ufers an. Hier werden für gewöhnlich nicht Touri-Busladungen durchgeschleppt oder es gibt mittelmäßige Küche für teures Geld. Generell lässt sich sagen, dass außerhalb des 1. bis 4. Arrondissements die Menschenströme ab- und die Essensqualität zunehmen. Im Gürtel des 9. bis 11. Arrondissements oder auch im 15. Arrondissements gibt es sehr nette Viertel mit sehr guten Restaurants (Empfehlungen siehe unten).
Ebenso wunderbar (und gratis) wie am Canal Saint-Martin entlang ist es in den Parks: bei schönem Wetter lassen sich mal eben ein paar nette Stunden in den Tuilerien, dem Jardin de Luxembourg oder auch auf den Friedhöfen verbringen. Wie bitte? Ja richtig, den Friedhöfen. Der größte in Paris ist der Père Lachaise: angelegt als erster Parkfriedhof weltweit kann man hier über 43 Hektar spazieren, Stadtgeschichte erleben und auf einige Prominenz (Chopin, Oscar Wilde, Edith Piaf, Jim Morrison, Molière, Proust…) treffen, der hier ein -mitunter ausgefallenes bis skurriles- Denkmal gesetzt wurde. Morbider Charme, der einem die Vergänglichkeit (des Körpers wie des Grabmals) vor Augen hält. Ähnliches gilt für die „kleinen Geschwister“ Cimetière du Montparnasse und Cimetière de Montmartre. Nicht schön übrigens die Spuren, die die Besuchermassen hinterlassen: die Büste auf Jim Morrisons Grab wurde zig mal gestohlen, der Grabstein von Oscar Wilde wird inzwischen von Glasscheiben geschützt, weil die Fans nicht aufhörten, Lippenstift-Kussmünder auf den hellen Stein zu drücken.
Ein bisschen vom alten Pariser Charme findet man noch im Marais und auf der Île Saint-Louis. Interessanterweise war diese kleine Insel, heute mit eine der teuersten Wohngegenden in Paris, früher im Besitz der Kirche und wurde als Viehweide genutzt.
Stadtgeschichte und Kunst kann man in einem der zig Museen und Monumente der Stadt erleben. Sparfüchse nutzen dafür den ersten Sonntag im Monat, wenn der Eintritt vielerorts gratis ist (Übersicht hier). Aber Achtung, die Warteschlangen sind dafür umso länger. Im Louvre haben unter 26jährige aus der EU generell (Freitagabend alle U26jährigen, egal welcher Nationalität) freien Eintritt -ein Angebot, das ich in meiner Studienzeit eifrig genutzt habe, um mich Woche für Woche durch eine andere Abteilung der riesigen Louvre-Sammlung zu arbeiten. Auch sonst ist das Angebot an Ausstellungen riesig und lässt keine Langeweile aufkommen: egal ob Kino-, Mode- oder Naturkunde-Museum…
Moderne Kunst lauert in Form von Street Art gratis an jeder Straßenecke: zum Zeitvertreib kann man die Invader-Kunstwerke zählen und wird garantiert nicht so schnell fertig… Seit Sommer 2022 und bis mindestens Sommer 2023 (danach wird der Bereich in die Stätten der Olympischen Spiele 2024 integriert) bietet der Tunnel des Tuileries zudem eine Art Open Air Street Art-Galerie.
Bis zum olympischen Großfest 2024 wird noch viel passieren und auch generell ist diese Stadt immer in Bewegung. Dreckig, laut, immer eine riesige Baustelle… Paris, mon amour eben, in guten wie in schlechten Zeiten 😉
Aktuell (Herbst 2022):
Atelier des lumières: Tintin (Tim & Struppi)-Show, für große und kleine Kinder geeignet, keine französischen Sprachkenntnisse notwendig, ca. 45 min. Dauer, Tickets vorab online kaufen, bis Mitte Januar 2023
Capitale(s): Urban Art-Ausstellung mit u. a. Banksy und Invader im Pariser Rathaus, gratis, aber Online-Reservierung vorab Pflicht, bis Mitte Februar 2023
Außerhalb:
Versailles (Schloss, Gärten, Ausstellungen; per RER)
Disneyland Paris
Lille als Tagesausflug, ca. 1 h Fahrt ab/bis Gare du Nord, Tickets via SNCF
Aktuelle Veranstaltungsinfos: Sortir à Paris
Anreise: per Flug oder Bahn, ab FFM / SB gibt es gute ICE-/TGV-Verbindungen zum Gare de l’Est; bei Anreise aus dem Saarland empfiehlt sich die Buchung über die SNCF (Sparpreise/Frühbucherangebote oft günstiger als über die DB) mit Anreise ab/bis Forbach (gratis Parkplätze direkt hinter dem Bahnhof)
Fortbewegung: am besten zu Fuß, alternativ Rad mieten, Öffis/RATP: Metro / RER (Tages- oder 10er-Ticket für die entsprechenden Zonen), Bus-Shuttle (Batobus), Uber (vorher App downloaden!)… -es lohnt sich, die Öffi-Streiks im Blick zu halten, an den Tagen ist Verkehrschaos vorprogrammiert…
Schlafen:
OKKO Hotels Paris Gare de l’Est – direkt zwischen Gleis 1 des Gare de l’Est (keine Angst, die Doppelverglasung lässt den Zuglärm nicht nach drinnen durch) und der Mauer zum Gare du Nord; Ende 2019 eröffnet, modern und stylisch, zugleich funktional gestaltet, Fitnessraum, kostenlose Snacks und Getränke; keine schöne, aber super praktische Lage (Metro-Anbindung, zwei Bahnhöfe; zu Fuß ist man schnell am Canal bzw. im Village Saint-Martin, wo es zahlreiche gute Frühstücks- und Restaurant-Möglichkeiten gibt
Hotel Mademoiselle – kleines, aber feines Boutique-Hotel in der Nähe von Gare de l’Est und Gare du Nord
Hotel Ami – kleines Hotel im 15. Arrondissement, Zimmer gestaltet von der Designerin Gesa Hansen, bietet auch Familienzimmer, Frühstück inklusive, in dörflichem Viertel mit zahlreichen Essensmöglichkeiten gelegen, nicht weit zum Eiffelturm
Hilton Paris Opéra – großes geschichtsträchtiges Hotel in zentraler Lage, gediegenes Design mit modernem Komfort, kostenloses Frühstücksbuffet
Generell lohnt es sich, im Vergleich zu Booking eine Direktbuchung beim Hotel zu prüfen oder auch wenige Wochen vorher via „Hotel Tonight“-App zu checken und bei Last Minute-Angeboten zuzuschlagen.
Essen:
Léandrés – im 9. Arrondissement, für Brunch oder Nachmittagskaffee, sehr gute Kaffee- und Kuchenspezialitäten (u. a. Bananenbrot, Kürbis-/Kastanienkuchen)
O/HP/E – Porte Saint-Martin, nettes Concept-Café mit Shop, hausgemachten Backwaren, frischem O-Saft, Kaffee-Spezialitäten, Matcha Latte usw. , zahlreiche weitere nette Essensmöglichkeiten im Viertel
Mamiche – Bäckerei schräg gegenüber von O/HP/E, ziemlich beliebt, sehr lange Warteschlangen
Bo&Mie – Bäckerei mit leckerem Süßkram und deftigem Gebäck (die Schinken-Teilchen!), mit Sitzmöglichkeiten drinnen und draußen
Ladurée – der Maracon-Himmel, entweder gleich Futtern (im Fall des Shops in der Rue de Castiglione am besten nebenan in den Tuileries) oder gut verpackt mitnehmen
Le 52 Faubourg Saint Denis, Le Richer, Café Compagnon – Restaurants der Groupe Compagnon unter Charles Compagnon, exzellente Küche, außer im Café Compagnon keine Reservierung möglich; Le Richer eher fürs romantische Dinner, Le 52 ist mein Favorit in Paris, passt mittags wie abends, das Café ist die neueste Location, Interior gestaltet von der Designerin Gesa Hansen
L’Office – Restaurant / Bistro im 9. Arrondissement
Sphère – im Herbst 2022 neu eröffnetes Restaurant im 8. Arrondissement, japanischer Küchenchef, gehobene Küche, 4-, 6- oder 8-Gänge-Menü, schönes Interior-Design, unbedingt vorab online reservieren
To Restaurant – gehobene französische Küche mit japanischem Einschlag unweit des Canal Saint-Martin, günstiges Mittagsmenü (ab 38 EUR), mit Cocktail-Bar im UG, Empfehlung im Guide Michelin, unbedingt vorab online reservieren
Clown Bar – Restaurant im 11. Arrondissement mit originellem Interior (als „monument historique“ klassifiziert), authentische Küche und Weine, unbedingt vorab online reservieren
Clamato – ausgezeichnetes Seafood und Weine im 11. Arrondissement
Café Lux – hervorragende vietnamesische Küche, frische Bowls mit Rindfleisch oder Tofu, super Preis-Leistungs-Verhältnis, nettes Viertel mit vielen Essensmöglichkeiten, unweit Atelier des Lumières
L’As du Fallafel – die angeblich besten Fallafel von ganz Paris, 4. Arrondissement
Nomad’s – Restaurant, Bar, Café, Boutique…
Les cocottes – super Tartar, Hühnchen etc. mit knusprigen Pommes Frites, unbedingt nach den Tagesgerichten fragen (einzeln oder im Menü super Preis-Leistungs-Verhältnis), unweit von Marsfeld und Eiffelturm gelegen
Songsan – sehr leckeres koreanisches Restaurant im 15. Arrondissement
Amorino – mehrere Filialen in der Stadt, im Sommer oft auch Eiswägen in den Gärten; der Klassiker: mehrere Eissorten arrangiert als Blume in der Waffel probieren
Allgemein: mittags gibt es oft ein Tagesmenü (Formule du jour), das wesentlich günstiger als das Dinner ist
Shopping:
La Trésorerie – Interior-Shop mit nützlichen und schönen Dingen für’s Zuhause, viele französische Hersteller im Angebot (französisches Porzellan, Messer etc.)
Julhès – Delikatessen-Laden im 9. Arrondissement; Wein, Pâtisserie, Feinkost…
L’Appartement Sézane – Mode-Boutique im 2. Arrondissement
Merci – Design und Mode im 3. Arrondissement
La Maison Plisson – sehr schön gestaltetes Restaurant und Feinkost-Laden
La Grande Épicerie de Paris – Feinkost-Tempel mit Restaurant(s)
Merci – Interior- und Design-Tempel
Disney Store auf den Champs Elysées – ich hab mir sagen lassen (und hatte deswegen schon öfters Kauf-Aufträge) hier gibt’s Sachen, die es im Disneyland nicht zu kaufen gibt
Allgemein: entlang Rue de Rivoli und Rue de Rennes, rund um Les Halles… und natürlich die Klassiker wie Printemps, Lafayette, Samaritaine & Co.













