…haben wir uns gedacht und sind in die Blue Mountains gefahren :-). Nicht ganz einfach, denn wir waren zum allerersten Mal als Fahrer im Linksverkehr unterwegs und irgendwie ist das ganz schön anstrengend, wenn das Gehirn auf andersrum programmiert ist…
Dafür war das Ziel unserer Reise umso entspannter: ein kleines Bed & Breakfast mit gerade mal drei Zimmern in Wentworth Falls, direkt über den Klippen und mit famoser Aussicht. Ehrlich gesagt war die Aussicht mit der Hauptgrund, diese Unterkunft zu buchen, ich geb’s zu, haha. Aber vom Bett aus den Sonnenaufgang über einer Art grünem Grand Canyon zu beobachten war zu verlockend, noch dazu wenn im Mai/Juni bei Sonnenaufgang frostige Minustemperaturen herrschen.
Wentworth Falls bzw. Valley of the Waters ist Startpunkt für jede Menge tolle Trails in das Weltnaturerbe der Blue Mountains, um Kilometer und vor allem Höhenmeter zu sammeln, Wasserfälle, Aussichtspunkte, Eukalyptusarten und bunte Vögel zu zählen. Die Strecken sind fast alle sehr gut ausgeschildert (Karte mitnehmen oder abfotografieren schadet trotzdem nicht, vor allem wenn man unterwegs auf z.B. wegen Steinschlag abgesperrte Abschnitte trifft und relativ spontan umplanen muss) und auch mit Schwierigkeitsgraden versehen: „Easy“ ist relativ flach und gut begehbar (z.B. Richtung Wentworth Falls Lookout), „Hard“ ist steil, mühsamer (u.a. tausend Stufen…), teils sehr eng (z.B. Richtung Empress Falls) und teils definitiv nix für Leute, die nicht trainiert geschweige denn nicht schwindelfrei sind! Wir waren gleich so optimistisch, morgens mit dem „Hard“-Track Richtung Empress Falls zu starten und der Wiederaufstieg auf dem Rückweg trieb unsren Puls schon mal gleich ordentlich in die Höhe… 😉
Wanderhütten o.ä. wie in Deutschland gibt es hier größtenteils nicht, sodass man die Hinweise alle sehr ernst nehmen sollte: plötzliche Wetterwechsel bedenken und entsprechende Bekleidung einpacken, ausreichend Wasser und Essen mitnehmen, eigene Fitness nicht überschätzen, Wege nicht verlassen usw. Die Zeitangaben für die Tracks scheinen anfangs mit Blick auf die Kilometer viel zu übertrieben (langsam), sind aber durchaus realistisch: gerade auf den „Hard“-Level-Strecken kommt man eher langsam vorwärts, bei Gegenverkehr muss man öfters mal in Buchten warten und passieren lassen, abgesehen von den zahlreichen Fotostopps, zu denen die fantastische Kulisse pausenlos einlädt. Angemessene Kleidung bzw. Ausrüstung hilft dabei durchaus: Schuhwerk mit griffigen Sohlen ist definitiv angenehmer und sicherer (!). Überflüssig zu erwähnen? Wir haben unterwegs Schüler in Badelatschen und Asiatinnen in Designer-Pumps getroffen, am Rande der Verzweiflung…
Unverzichtbar, aber Hardcore-Touri-Erlebnis ist ein Besuch bei einer Felsformation namens Three Sisters. Am Echo Point Lookout in Katoomba waren wir als Europäer eher die Minderheit unter all den Chinesen und Indern, die busseweise hier abgesetzt werden, um dann ausgestattet mit Smartphones und Selfiesticks bis hin zu professioneller Kameraausstattung mit Stativ innerhalb des kurzen Aufenthaltes auf der Aussichtsplattform schnell so viel Selfie-Material wie möglich zu produzieren. Hilft nur, zügig einen der Wanderwege einzuschlagen, und bereits nach wenigen Metern hat man wieder seine Ruhe. Naja, fast. Auf dem Three Sisters Walk, der direkt hinter dem Echo Point Visitor Centre beginnt, ist noch ganz schön viel Treiben. Von hier aus gelangt man auf einem befestigten Weg zu mehreren Aussichtspunkten, bevor man schließlich über gerade mal 50-80m, aber ziemlich steile Treppenstufen zur Honeymoon Bridge gelangt, die eine Verbindung zur „ersten Schwester“ der Three Sisters-Felsformation bildet. Weiter geht’s dann auch nicht, denn Klettern u.ä. ist seit einigen Jahren mit Respekt gegenüber den Aborigines, für die die Three Sisters eine tiefe Bedeutung haben, verboten. Gott sei Dank schrecken die steilen Treppenstufen hier doch einige ab: zumindest in der Nebensaison ist es sehr angenehm, keine Wartezeiten und kaum Gegenverkehr auf den engen Treppen (im australischen Sommer stehen die Touris hier angeblich Schlange, habe ich gelesen, dann würde ich echt nicht hier sein wollen…).
Vorteil, direkt hier zu übernachten, ist definitiv, die Blue Mountains nicht nur bei Tageslicht zu erleben. Das orange Licht bei Sonnenaufgang vor 7 Uhr und das warme Licht in der Stunde vor Sonnenuntergang tauchen die Felsformationen nochmal in ganz andere Gewänder. Auch den bläulichen Dunst der Eukalyptusbäume sieht man frühmorgens deutlich besser. Begleitet von einer lautstarken Gesangstirade der Vögel, die doch sehr anders klingt als das, was man aus europäischen Wäldern so gewohnt ist. Und nachts wartet nochmal ein ganz anderes Spektakel auf: ein unglaublich beeindruckender Sternenhimmel!
Adressen / Tipps:
Valley of the Waters B&B – beeindruckende Aussicht, leckeres Frühstück, nette Hosts. Buchbar über booking.com.
The Conservation Hut – nettes Restaurant mit gutbürgerlicher Küche, mit eine der wenigen Versorgungsmöglichkeiten in der Nähe der Trails von Valley of the Waters / Wentworth Falls.
Sanwiye Korean Café – nettes kleines Café in Katoomba. Zu empfehlen: Miso-Suppe und Bibimbap.
Infoseite(n) bei NSW-Parks – Infos zu Trails, Tracks, Öffnungszeiten, Gebühren und Kartenmaterial.
Anreise: per Auto oder Zug von Sydney aus.











