Im Zentrum der Macht

Es gibt Orte, die muss man einfach mal live gesehen haben, u.a. um ein Volk besser verstehen zu können. Einer davon ist Washington, D.C. Bei unserem ersten Versuch, hierher zu kommen, hatte Hurrikan Sandy gründlich was dagegen. Wir blieben ungeplant eine Woche in Philadelphia. Auch nicht schlecht. Sieben Jahre später ein zweiter Anlauf. Dieses Mal ging alles gut, fast alles (ignorieren wir mal den einen Tag, an dem Dank Schneesturm das Leben hier fast komplett zum Erliegen kam…).
Schon die Anreise abends war beeindruckend: Kapitol und Washington Monument sind auch von weitem unübersehbar, Jefferson Memorial und Pentagon wirken beleuchtet noch imposanter. Pflichtprogramm am ersten Tag war natürlich die National Mall: ein Mal konzentriert US-Geschichte atmen -und dabei mal eben gut über 10km spazieren, die Distanzen hier sind nicht zu unterschätzen. Angefangen beim Lincoln Memorial, über den Obelisken rüber zum Kapitol und im Bogen zurück zum Weißen Haus. Nicht zu vergessen die ganzen Institutionen, die rechts und links davon angesiedelt sind. Lohnenswert ist u.a. ein Abstecher in den Sculpture Garden der National Gallery of Art -bei schönem Wetter kann man hier eine Kaffeepause einlegen und Kunst unter freiem Himmel bewundern.
Beeindruckend, man kann es nicht anders sagen. Aber man merkt auch, dass diese Stadt geplant wurde: teils wirkt sie wie eine Kopie antiker Stätten in Rom oder Athen und alles ist an Achsen ausgerichtet, perfekt arrangiert. Irgendwie hat das hier nichts mit der amerikanischen Realität zu tun, die man sonstwo erlebt. Ein bisschen wie auf einem anderen Stern.
Der Städteplaner dieser Stadt liegt zusammen mit JFK auf dem Hügel des Arlington National Cemetery, von hier hat man als Lebender einen guten (Über-)Blick nach Westen zur National Mall. Auch hier ist nichts dem Zufall überlassen: JFKs Grab liegt in einer Linie zum Lincoln Memorial. Alles andere würde auch verwundern. Ansonsten erzählt dieser Friedhof wie auch viele andere so einiges über den Umgang mit Tod innerhalb einer Kultur. Gemessen an der Anzahl der Bestattungen angeblich der zweitgrößte Friedhof der USA geht es hier vor allem um die Ehrung derer, die dem Land gedient haben. Grabsteine, soweit das Auge blickt. Und immer noch nicht genug Platz: Richtung Pentagon wird gerade mal eben so einen Straße verlegt, um mehr Platz für Gräber zu schaffen. Amerikanische Geschichte zum Nulltarif. Das ist übrigens das Geniale an Washington, D.C.: die meisten Sehenswürdigkeiten sind gratis. Smithsonian sei Dank. Selbst der Riesenzoo kostet keinen Eintritt. Und das neue Panda-Gehege wird bei einer „Housewarming-Party“ sponsored by Airbnb eröffnet. So läuft das hier, willkommen in den USA.
Bei all dem Programm wird man natürlich hungrig. Auf den ersten Blick schien es hier nur schicke Restaurants mit französischer Küche zu geben. Mmh, kann ich ja irgendwie auch zuhause haben. Bei Whole Foods an der Kasse fiel mein Blick auf das Washingtonian Magazine: gerade wurden wieder die „100 very best restaurants“ von Washington DC gekürt. Die Rettung! Denn in diesen Top 100 ist alles dabei: Cafés, noble Schuppen, Imbisswägen, vom Fischrestaurant über die Pizzeria bis hin zum einfachen Thai mit 8 Dollar-Hauptspeise. Hier lohnt durchaus auch, das Zentrum zu verlassen. Gleiches gilt fürs Übernachten: Arlington ist bzgl. Hotel- und Parkpreise um einiges günstiger, hier ist man schon im nächsten Bundesstaat, aber DC ist nur einen kurzen Spaziergang bzw. eine kurze Uber-Fahrt über den Fluss entfernt.
Adressen und Tipps:
China Chilcano – Fusion Food aus Peru, China und Japan. Super lecker. Besonders Ceviche und Dumplings. Günstiges Mittagsmenü, das innerhalb 1h serviert wird. Tolles Interiordesign.
The Brew Shop – netter kleiner Laden mit Riesen-Auswahl an Bier und Brau-Zubehör.
Arlington National Cemetery – Zugangsinfos beachten. Bei Schnee geschlossen.
Washington Zoo – Einer der ältesten Zoos der Welt. Highlight: die Panda-Bären. Zugangsinfos beachten. Bei Schnee geschlossen. Eintritt frei.
Bayou Bakery, Coffee Bar & Eatery – Brunch und/oder Lunch. Sehr nette, etwas schrullige Location. Sehr guter Kaffee.
Pho 75 – Vietnamese ohne Schnickschnack. Zwei Größen Suppe, dazu diverse Fleischsorten zur Auswahl und frische Sprossen und Kräuter, fertig. Einfach, lecker, günstig. Mehrere Locations, u.a. in Arlington.
Fire Works Pizza – Sehr leckere Pizza aus dem Holzofen.

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