Bis vor wenigen Jahren wusste kaum jemand, wo Nazaré liegt. Bis jemand von den Einwohnern auf die Idee kam, McNamara anzuschreiben und ihn einzuladen die Riesenwellen zu reiten. Und bis jener Tag kam, an dem McNamara kam, die Riesenwelle zähmte und einen neuen Rekord aufstellte. Wir sprechen weder von einem Ort auf Hawaii, in Mexiko oder Brasilien, wir sprechen von einem portugiesischen Fischerdorf an der Küste zwischen Lissabon und Porto. Einem kleinen Nest, wo eine Besonderheit, eine Art Untersee-Canyon im Meeresboden, im Zusammenspiel mit Meeresstürmen in den Wintermonaten tosende Monsterwellen von faszinierender Höhe produziert.
Nach McNamaras spektakulärem Rekord vor wenigen Jahren kamen sie, die Surfprofis, einer nach dem anderen. Zugegeben: ich kannte den Ort vorher auch nicht. Ich bin kein Wassersportler. Trotzdem fasziniert mich das Phänomen Big Waves und die Sportler, die diese Wellen mit ihren Brettern zähmen und beherrschen. Viele sind es nicht, gerade mal zwei Dutzend weltweit. Nazaré stand schon eine Weile auf unserer Reiseliste, wir haben es nie geschafft, wenn wir in Portugal waren. Aber dann sahen wir Mitte November 2018 die ARD-Doku über Sebastian Steudtner, einen Deutschen, der Big Waves surft wie wenige andere. Und es stand fest: beim nächsten Portugal-Urlaub müssen wir unbedingt nach Nazaré.
Am Praia do Norte, hoch auf den Klippen mit Blick auf Nazaré, pfeift auch an Schönwetter-Tagen der Wind um die Ohren. Auch bei relativ ruhiger Wellenlage, also ohne Monsterwellen, ist das hier ein Erlebnis. Vom Forte Sao Miguel Arcanjo hat man den besten Blick auf die Wellen, noch besser vom oberen Stockwerk, wo sich der Leuchtturm von Nazaré befindet. Für 1 EUR gibt es neben Wellen-Ausblick aus der ersten Reihe auch Zutritt zum Surfmuseum, wo zahlreiche Bretter zu sehen sind von denen, die hier schon Rekorde aufgestellt haben. Hier fällt es schwer zu glauben, dass es ein Nazaré vor dem Big-Waves-Business gab. Wo inzwischen jährlich Tausende Surfer und Surffans hierher pilgern und das nicht nur, wenn die Big Wave Tour Station macht. Trotzdem hat das hier nichts künstliches oder inszeniertes, im Gegenteil: die Monsterwelle macht, was sie will, kommt, wann sie will, bricht, wann sie will, lässt sich bezwingen, wann sie will.








