Ausgerechnet in einer Stadt weitab vom Meer grüßt man sich wie unter Seeleuten. An „ahoj“ kommt man hier nicht vorbei. Zwischen „hi“ und „guten Tag“ angesiedelt entspricht es am ehesten unserem „hallo“ und passt eigentlich immer. Selbst der kleine Maulwurf, waschechter Tscheche und sonst ja nicht so fürs Reden bekannt, sagt „ahoj“.
Doch von vorne: im Landeanflug mit Czech Airlines, die Räder setzen auf, da ertönen Smetanas „Moldau“-Klänge. Willkommen in Tschechien bzw. Prag. Fortan ist dieses musikalische Motiv omnipräsent: bei der Touri-Schiffsrundfahrt, in der U-Bahn, im Supermarkt, ja selbst beim Halbmarathon im Startblock erklingt dieses Stück. Da schwingt ein großes Stück Nostalgie mit und gefühlt auch ein bisschen Stolz. Immerhin feiert die Tschechische Republik in diesem Jahr 100. Geburtstag. Hach…
Darauf lässt sich gleich mal anstoßen, gibt’s hier gefühlt an jeder Ecke eine Vinoteka oder ein Bistro. Lässt man das touristische Zentrum erst mal hinter sich, wird’s auch leckerer und interessanter. Zumindest sind dann mal die profit- statt qualitätsorientierten Gastrohöhlen mit Spanferkelgrill am Eingang aus dem Weg. In Karlín ist es da schon gemütlicher und auch authentischer, hier muss niemand das Standard-Touri-Unterhaltungsprogramm abziehen, um ganze Busladungen zu verköstigen. Hier gibt’s alles, was das Herz begehrt, egal ob typisch böhmische Küche (Knödel, Knödel und nochmal Knödel, Serviettenknödel, Zwetschk(!)enknödel, Marillenknödel…) oder Burger. Eins geht aber immer: Bier. Bier ist hier Tradition und Nationalgetränk, hier ist der Konsum weltweit am höchsten, Bier geht einfach immer!
Ok, so sehr das Zentrum essenstechnisch hier wegkommt, man sollte unbedingt hin. Nur eben zum Gucken. Klassiker wie Karlsbrücke, Burg, Metronom, Rathausuhr, Kafka-Kopf etc. muss man gesehen haben, zumindest beim ersten Prag-Besuch. Verhungern braucht man trotzdem nicht: unbedingt mal essen sollte man Trdelník, eine slowakische Teigrolle mit Verwandtschaft zum Baumkuchen -entweder warm mit Zimt und Zucker oder erkaltet mit Eiscreme befüllt. Und ja, danach ist man erst mal ne Weile satt!
Sollte man den Weg zum Hotel nicht mehr zu Fuß schaffen, steigt man einfach in eine der schönen Tram-Bahnen oder ordert über Uber ein Taxi. Uber funktioniert in Prag prima, die Verständigung Dank App klappt auch ohne Englischkenntnisse des Fahrers und tschechische Währung braucht man auch nicht, bargeldlose Zahlung heißt das Zauberwort (gilt übrigens auch für die normalen Taxis, Kartenzahlung ist hier Standard). In der Digitalisierung ist man hier in einigen Dingen etwas weiter als in Deutschland -trotz nostalgischer Moldau-Klänge.
Adressen und Tipps:
(alternativ zu den Links findet man das meiste auch bei instagram, aber Achtung: leckere Essensbilder ;-))
Kafe Karlín / mamacoffee / Muj sálek kávy– Kaffee am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen, bei letztgenanntem unbedingt auch Pancakes oder Kuchen futtern, nicht nur zur Frühstückszeit
Lokál Hamburk – ob für Burger oder nur ein Bier, nach Feierabend lebt hier der Bürgersteig auf
Krystal Bistro – beim Essen unbedingt auf die Empfehlungen des Hauses vertrauen, hier ist man in guten Händen, gilt auch für die Cocktails und Gin Tonics auf der Tageskarte
Podolka Karlín – Bier und böhmisches Essen, was will an mehr. Hier gibt’s auch was für Vegetarier, die es sonst hier eher schwer haben…
Eska – für Liebhaber moderner Küche mit Mut, neues auszuprobieren; Hunger mitbringen und das 8-Gänge-Menü wagen (Party für die Sinne!), dazu der Cocktail des Tages (nicht abschrecken lassen, falls die Gin Tonic-Kreation eher wie ein Salatcocktail aussieht!), das reinste Paradies -besser vorab reservieren
Pentahotel Prag – designiges Hotel in Karlín, so angesagt, dass da manchmal bekannte Bands übernachten, also nicht wundern, wenn einem der Nachbar an der Bar bekannt vorkommt…
Kampa-Park – gehobenes Restaurant mit romantischem Blick auf die Karlsbrücke
La Bottega di Finestra – italienische Feinkost im Zentrum, Mischung aus Bistro und Shop
Hamley’s – Spielwarenhölle, aber ein Foto zwischen Stormtrooper und dem tschechischen Maulwurf muss sein
Ovocny Svetozor – ein Eis geht immer, zumal in der Nähe der Filiale an der Sokolovská ein schöner Park ist
Warehouse #1 – super Auswahl an Gin, Tonic, Whiskey, Rum…; schräg gegenüber von Pentahotel












velmi pěkné