Emerald City? Digital City!

Wenn ich an Seattle zurückdenke, erinnere ich mich zuerst an zwei Dinge: dass mir die Stadt hügeliger als San Francisco erschien und dass die Digitalisierung hier mehr als anderswo das Gesicht einer Stadt prägt. Hier ist zwar der Geburtsort von Starbucks, aber hier ist Microsoft zuhause, hier baut amazon an der Zukunft. Als wir im Sommer 2017 dort waren, war der Amazon Go-Shop gerade in der Testphase und man konnte neugierige Blicke reinwerfen, wie der Einkauf im Supermarkt der Zukunft ganz ohne Kassen abläuft. Direkt daneben auf dem Campus das nächste futuristische amazon-Projekt: Seattle Spheres, optisch eine Art Kreuzung zwischen Riesen-Gewächshaus und Glas-Seifenblasen. Beeindruckend, auch wenn man als Besucher nur eingeschränkt Zutritt hat. Wie der Arbeitsplatz in der Zukunft aussehen kann, hier bekommt man eine Idee.

Etwas außerhalb vom Zentrum liegt der Uni-Campus, eine Welt für sich. Wüsste man es nicht, würde man stellenweise auf die Idee kommen, man befindet sich auf einem Shopping-Campus. Neben dem obligatorischen Apple-Shop findet man hier unter anderem auch einen Nike-Shop, der Mutter-Shop der Sportmarke Oiselle und einen amazon-Laden für Bücher, Zeitschriften etc. Ja, richtig gelesen, amazon gibt es nicht nur in diesem Internet.

Doch zurück ins Zentrum (übrigens mit Uber, wie sollte man hier in dieser Stadt auch anders als bargeldlos und per App vorankommen?!). Ein historischer Gegenpol zu all dem bildet der Pike Place Market, einer der ältesten Märkte der USA. Teils durchaus arg touristisches Entertainment ist es doch faszinierend, am Morgen all die Mengen frische Blumen, Obst, Gemüse und v.a. Fisch und Meeresgetier zu sehen und sich ins Getümmel zu stürzen.

Mit einem Kaffee in der Hand geht es weiter zu Fuß gen Norden zum Olympic Sculpture Park, einer Art Freilichtmuseum mit Kunstskulpturen und tollem Blick auf den Puget Sound. Der Ausblick hier ist ebenso faszinierend wie ins Landesinnere Richtung Mount Rainier -am besten von der Space Needle aus, einem Wahrzeichen Seattles, das sich in der Skyline schwer ignorieren lässt. Wer von Kunst noch nicht genug hat, sollte wieder nach Süden, Richtung Seattle Art Museum spazieren. Manch einer wird vor dem Gebäude auf einen alten Bekannten wiedertreffen, den er auch von der Messe Frankfurt kennt: den Hammering Man von Jonathan Borofsky, dessen Skulptur auch hier ein beliebtes Fotomotiv ist.

Noch schöner und interessanter als Seattle ist eigentlich die Anreise. Vorausgesetzt man wählt den Zug. Die Amtrak-Strecke „Cascades“ von Seattle nach Eugene/Oregon verläuft direkt an der Küste mit Blick aufs Wasser, gefühlt sitzt man teils eher im Schiff als im Zug. Naja, um ehrlich zu sein, in den angestaubten Ohrensessel-artigen Sitzen hat man eher das Gefühl, man sitzt in einer Bibliothek oder einem Salon oder wurde gerade per Zeitreise Jahrhunderte zurückgebeamt… wenn da nicht das Wlan wäre, das verfügbar ist, sobald man auf US-Seite ist. Doch wer braucht schon Internet, wenn er Landschaftskino live hat: die Zugfahrt am Nachmittag mit Blick auf die sinkende Sonne ist fantastisch. Zurücklehnen, entspannen, gucken. Erste Klasse zu buchen lohnt sich da, wenn man etwas mehr Platz will und kostet auch nicht die Welt. Die Einreiseformalitäten in die USA finden interessanterweise schon im Bahnhofsgebäude in Vancouver statt, man sollte also ausreichend zeitig vor der Abfahrt kommen. Für Einreise auf dem Landweg braucht man übrigens nicht mal Esta, die Grenzbeamten wollen gültige Pässe und Dollar-Zahlung sehen und schon ist man willkommen. Gepäck wird kontrolliert und verladen wie am Flughafen -heißt man steht in Seattle auch im Bahnhofsgebäude am Kofferband und wartet aufs Gepäck.

Weitertreiben lässt man sich von Seattle aus dann am besten Richtung Portland. Portland war für mich dann auch die wesentlich grünere Stadt und hätte irgendwie eher den Beinamen „Emerald City“ verdient, aber nun ja ;-).

Stationen & Tipps:

Dahlia Bakery – winzige Bäckerei mit eher nicht so gutem Kaffee, aber göttlichem Kuchen

Serious Pie – mit die beste Pizza, die wir je gegessen haben. Einfach nur der Hammer, mit Worten nicht zu beschreiben. Die Desserts sind auch klasse, jedoch hohe Gefahr, vor Baisermassen o.ä. übersättigt kapitulieren zu müssen. Unbedingt auch eins der leckeren Biere trinken, tolle Craft Beer-Auswahl.

Visit Seattle – Aktuelle Hinweise, Neuigkeiten, Tipps

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