Fast schon traditionell geht es für mich im Mai nach Schweden. Genauer gesagt nach Göteborg. Was als Bekanntschaft in einem Bed & Breakfast beim Berlin Marathon 2012 begann (Danke, airbnb!), ist inzwischen zu einer engen Freundschaft geworden und so steht der Göteborgsvarvet in Verbindung mit dem Besuch der Freunde Jahr für Jahr fest im Kalender (vgl. auch Laufbericht von 2015). Heißt, dieses Jahr stand bereits mein sechster Start bei diesem großen Laufevent an. Und nicht nur deshalb ist der Lauf besonders: nirgendwo sonst feiert eine Stadt derart engagiert einen ganzen Tag lang (bzw. über Tage hinweg, wenn man einen Blick auf die anderen Laufveranstaltungen für Kleinkinder, Schüler etc. wirft) über 60.000 Läufer, egal wie schnell oder langsam. Hier ist jeder, der die Strecke angeht, ein Held.
Und die Strecke ist gar nicht so einfach: erste Herausforderung ist knapp nach km2 die Steigung im Slottsskogen, hinauf Richtung Pinguin-Becken. Hat man sich davon erholt und in den Laufrhythmus gefunden, geht es nach km5 steil hinauf zur Älvsborgsbron und dann mit schleichender, langgezogener Steigung über die Brücke. Hier weht oft ein etwas ungemütlicher Wind. Dahinter geht es bergab, aber in eng geschlungenen Kurven. Nach einer längeren flachen Passage geht es kurz vor km15 hinauf über die Götaälvbron wieder zurück auf die andere Uferseite -hier sollte man trotz aller Anstrengung nicht vergessen, einen Blick nach rechts über Wasser, Werften, Stadt… zu werfen, unglaublich schön! Danach geht es langsam steigend die Avenyn hoch bis zum Götaplatsen, ein letztes Mal danach auch wieder bergab, bevor ab der Kurve nach der Vasagatan einige letzte kurze bis langgezogene Steigungen auf dem Weg ins Ziel warten.
Doch es lohnt sich, diese Herausforderungen anzunehmen: Kulisse und Publikum sind fantastisch, belohnen mit Ausblick und unermüdlichem Anfeuern. Nach den Wetterkapriolen bei meinem ersten Start (vgl. Laufbericht von 2013) hatte ich auf bessere Bedingungen gehofft und siehe da: in den fünf folgenden Jahren folgten stabilere Wetterverhältnisse, sonnig und trocken. Manches Mal hätte ich mich sogar eher über sub18 Grad gefreut, insbesondere dieses Jahr war es eine Hitzeschlacht (heißer als beim Madrid-Marathon kürzlich), aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert…
In den letzten Jahren hat sich einiges getan: auf der nördlichen Flussseite war 2013 noch viel Brachland, die reinste Baustelle, dann entstanden langsam neue Wohnsiedlungen, inzwischen lebendige Stadtviertel, was der Atmosphäre beim Lauf eindeutig positiv zugutekommt. Auch der Lauf selbst hat sich weiterentwickelt: die Organisation ist -insbesondere mit Blick auf insgesamt gut 60.000 Läufer- top und wird doch jedes Jahr nochmal ein Stück besser. Insbesondere im Bereich Umweltfreundlichkeit bemüht man sich sehr stark: Plastikbecher sind tabu, stattdessen gibt’s Papierbecher, leider mit dem Nebeneffekt, dass die Schuhe danach kaum noch zu Säubern sind. Also nicht unbedingt das neueste Modell zum Lauf anziehen ;-). Auch in die Medaille wurde im Laufe der Jahre investiert: anfangs noch simpel und rechteckig, inzwischen von Design-Studenten gestaltet und in öffentlicher Abstimmung aus mehreren Favoriten gewählt.
Nach dem Lauf warten typisch für Schweden salziges Popcorn, Kex-Schokoriegel, süße Gummischlangen, kalte Milch und natürlich auch die überall bei Laufveranstaltungen obligatorischen Bananen auf die Läufer. Und hat man eben noch über Hitze und Strecke geflucht, so folgt noch im gleichen Monat die Anmeldung fürs nächste Jahr ;-). Lykka till!
Infos & Anmeldung: http://www.goteborgsvarvet.se/en/




Ein Gedanke zu “Heja heja Göteborg!”