Wie alles anfing? Papas Geburtstag stand an, ein runder Geburtstag. Und nachdem Papa sich zu einem runden Geburtstag mal den ersten Marathonstart „geschenkt“ hatte, lag nichts näher, als auch diesen runden Geburtstag mit einem Marathon zu feiern. Also Datum checken, wo am Geburtstagswochenende ein toller Lauf startet. London war gleich raus, denn wir wollten zu viert starten, möglichst auf Marathon- und Halbmarathondistanz. Also Madrid. Madrid bietet am gleichen Tag 10km, Halbmarathon- und Marathondistanz an und man kann bis zu einem Stichtag sogar noch auf andere Distanzen ummelden -nur falls das mit dem Training über Winter doch nicht so hinhaut wie geplant ;-). Das Ganze ist Teil der bekannten Rock’n’Roll Laufserie -wir erwarteten für unser Startgeld also mindestens musikalische Bespaßung und kreative Medaillen.
Was uns bei der Anmeldung erst mal nicht auffiel: Madrid ist kein normaler Städte-Marathon, wie man es sonst so kennt. Madrid besteht vor allem nur aus … Hügeln! Das Höhenprofil hat teilweise was von einer Bergwanderung -wer sonst nur flach trainiert, wird hier untergehen. Die ersten fünf Kilometer nach dem Start geht es langgezogen bergauf, spätestens bei km2 verflucht man sich, dass man auf die Idee gekommen ist, hier mitzulaufen. Danach geht es wieder, die Strecke fließt leicht bergab, man kann es quasi „rollen“ lassen. Halbzeit bzw. Halbmarathon ist ungefähr am „Sol“, da tobt die Zuschauermenge und es ist richtig Stimmung. Doch spätestens einige Kilometer später, nach dem Palast, beginnen wieder die Steigungen. Erst seicht, dann langgezogen, selbst flach kommt einem jetzt wie Anstieg vor. Hinzu kommt, dass man bei +/- km30 so ziemlich ohne Zuschauer und Musik in einem Park rumtrottet. Es lebe die mentale Stärke! Danach wird’s wieder lebhafter und -Überraschung- es geht auch mal wieder bergab, allerdings jetzt so steil, dass es einem fast die Waden weghaut. In diesem Moment wünscht man sich fast schon wieder Steigungen, allerdings nicht lange, denn die kommen nach km38 wieder zur Genüge. Oder blicken wir der Wahrheit ins Gesicht: km38 bis ins Ziel ist eine einzige Steigung… Wäre man nicht schon so weit gekommen, würde man gerne aussteigen (vor allem bei Temperaturen über 24 Grad und knallender Sonne…).
Immerhin gibt es unterwegs genug zu sehen: Sightseeing pur. Städtetrip der anderen Art, für Läufer eben. Außerdem macht man Bekanntschaft mit den spanischen Straßenbedingungen und die sind ziemlich löchrig. Das ist vor allem bis km17 eine Herausforderung, wenn das Startfeld dicht gedrängt ist und die Marathonläufer die Strecke noch mit den Halbmarathonläufern teilen. Das Publikum ist engagiert und feuert an -am intensivsten auf den letzten Kilometern, wenn selbst die durchtrainiertesten Kerle an den Steigungen von Laufen in Gehen verfallen. Zur Unterhaltung waren auf der Homepage des Veranstalters ca. 18 Bands entlang der Strecke angekündigt. Entweder ich war vor lauter Hitze und Steigungen im „Tunnel“ der Gedanken versunken oder die waren gut versteckt ;-), ich hätte für einen Rock’n’Roll-Marathon jedenfalls deutlich mehr Musik erwartet.
Bei der Abschlussbefragung der Läufer, die wenige Wochen nach dem Lauf erfolgte, wurde man zum Sicherheitskonzept befragt. Mein erster Gedanke: welches Sicherheitskonzept? Gegen Madrid ist der Berlin Marathon Hochsicherheitstrakt. In Madrid wird höchstens bei der Beutelabgabe die Startnummer kontrolliert, ansonsten verstopfen die ganzen Angehörigen den Startbereich und die Aufteilung in Startblöcke ist eigentlich auch überflüssig, denn da kontrolliert keiner, wer sich wohin sortiert und ob derjenige überhaupt eine Startnummer hat. Hier ist eindeutig Verbesserungspotenzial -nicht mal unbedingt sicherheitstechnisch, sondern organisatorisch.
Ebenfalls verbesserungsbedürftig ist die Hinterzielverpflegung: nach einem hügeligen Marathon durch die Hitze Spaniens ist einem definitiv nach was Mineralischem, träumt man doch schon unterwegs von einem kühlen, frischen (alkoholfreien) Bier. Umso größer ist die Enttäuschung, in einer Stadt, wo das Cerveza schon mittags in jeder Bar in Strömen fließt, im Ziel mit Wasser und diesem künstlichen blauen „Sportgetränk“ begrüßt zu werden. Nee danke. Glücklicherweise gibt’s direkt hinterm Zielbereich ein Kiosk, das Cola verkauft -die Rettung!
Ansonsten kann man nicht meckern: für einen akzeptablen Startpreis gibt’s insgesamt solide Organisation, eine interessante Laufstrecke (überwiegend) durchs Zentrum Madrids, eine große Medaille und ein tolles Start Package (einen praktischen Turnbeutel mit hochwertigem adidas-Eventshirt, Schlüsseltäschchen fürs Handgelenk und diverse Werbegeschenke). Und eben wie erwähnt die praktische Möglichkeit des Ummeldens auf die anderen Distanzen bis ca. drei Wochen vor dem Lauf. Die Laufmesse bietet solide Shoppingmöglichkeiten (könnte aber etwas zentraler liegen als in Flughafennähe, man ist schon eine ganze Weile unterwegs… Tipp: mit mehreren Leuten ein Uber-Taxi teilen, geht schneller und günstiger als mit Öffis) und Madrid bietet natürlich die Möglichkeit, noch ein paar Tage Urlaub dranzuhängen -oder im Parque del Retiro noch ein paaar Laufkilometer zu sammeln ;-). Insgesamt also eine Empfehlung wert, wenn man die Höhenmeter nicht scheut. Ich checke jedenfalls künftig vor der Anmeldung zu einem Lauf aufmerksamer das Höhenprofil! 😉
Infos und Anmeldung: Rock’n’Roll Marathon Madrid




