Oslo mag eine Großstadt sein, doch bereits hier zeigt sich das berühmte norwegische Friluftsliv. Man ist draußen: im Park, im Fjord, laufend, radelnd, schwimmend. In welcher Großstadt kann man schon übers Dach der Oper laufen und quasi direkt ins Wasser springen? Frische Luft ohne Ende und gratis noch dazu.
Beim morgendlichen Lauf zwischen Oper und Tjuvholmen bin ich in guter Gesellschaft. Die Räder flitzen vorbei, im Fjord tummeln sich auch bei kühlen Temperaturen die Badenden und auf der Laufstrecke sind einige Pendler mit Laufrucksack unterwegs. Auf gut sechs Kilometern finden sich allein hier auf diesem Abschnitt nicht weniger als 13 Strava-Segmente, weißte Bescheid. Unterhaltung gibt’s unterwegs ausreichend, egal ob beim Bergsprint auf dem Operndach oder durch den Skulpturenpark am Astrup-Fearnley-Museum.
Ob radelnd, laufend oder spazierend: Oslo hat seine Infrastruktur inzwischen darauf ausgelegt. Empfand ich vor rund einem Jahrzehnt bei meinem Besuch hier die Anzahl der Parkplätze mit Ladesäulen noch revolutionär, ist die Stadt inzwischen noch einen Schritt weiter. Kein Wunder, bis 2030 will man klimaneutral sein. Die Geräuschkulisse der Stadt ist entsprechend ruhig. Gelegentlich Sirenen von Polizei und Ambulanz sowie Baulärm von den zahlreichen Immobilienprojekten. Autolärm und röhrende Verbrenner? Kaum noch.
Und so lässt es sich ganz entspannt und bei viel frischer Luft durch die Stadt schlendern. Ob vom Bahnhofsviertel aus Richtung Norden, immer dem Lauf des Flusses Akerselv folgend, oder Richtung Westen über die Karl Johans Gate hinauf zum Königlichen Schloss und weiter zum Frognerpark (und optional noch weiter -ggf. per Bus/Bahn- hinauf zum Holmenkollen, die tolle Aussicht vom Kopf der Sprungschanze über den Fjord genießen).
Wem der Name Frognerpark nix sagt, hätte sich dann auch als Touri geoutet, denn so sagen fast nur die Osloer. Bekannter bei Nicht-Einheimischen ist die Grünanlage als Vigelandspark, obwohl die Skulpturen Vigelands „nur“ einen Teil davon bilden. „Nur“ in Anführungszeichen, wir sprechen hier immerhin von über 200 Stein- und Bronzeskulpturen. Der Weg führt vom Eingangstor des Parks über eine Brücke mit Bronze-Skulpturen, darunter das berühmte trotzig aufstampfende Kind (ein Wahrzeichen der Stadt, schon mehrfach gestohlen bzw. beschädigt), über eine Brunnenanlage hoch zum „Monolitten“, einer Granit-Säule umgeben von weiteren Granit-Skulpturen. Den Abschluss der Achse bildet eine Skulptur, die als Rad das übergreifende Motto der gesamten Skulpturen-Anlage umsetzt: der Lauf des Lebens. Monumentale Freiluft-Unterhaltung, die auch beim mehrmaligen Besuch nichts von ihrer Faszination verliert.
Sollte das Wetter nicht nicht unbedingt zum „Friluftsliv“ einladen, hat Oslo einige neue Museums-Highlights im Angebot: das dieses Jahr neu eröffnete Nationalmuseum oder den im letzten Jahr eingeweihte Neubau des Munch-Museums. Bzgl. Design wird letzteres zwar als „Leitplankensammlung“ geschimpft, seine Architektur beugt sich jedoch dem Klimaziel 2030. Innen muss man nicht mal unbedingt ein Ausstellungsticket kaufen (und den „Schrei“ angucken, das sind nach dem „Trotzkopf“ im Park vielleicht etwas viel negative Vibes ;-), zumal man bereits im Shop im Erdgeschoss ausreichend mit dem Schrei-Motiv konfrontiert wird: auf Kissen, Küchenbrettern und sogar Stramplern…), sondern kann einige Bereiche gratis besuchen und so u. a. von der oberen Etage die Aussicht über die Osloer Bucht genießen. Ungeschlagen zum Sonnenuntergang ist aber immer noch die Aussicht vom Operndach: Hochkraxeln, Genießen und wieder runter Rollen. Und sich ja nicht von den dreisten Monster-Möwen ärgern lassen…
Und sonst so:
- Astrup-Fearnley-Museum: Skulpturenpark draußen, Ausstellung drinnen (u. a. die Michael Jackson-Figur von Jeff Koons)
- Schlosspark: die humorvolle Skulpturenausstellung von Prinzessin Ingrid, von Kindern für Kinder (auch für große Kinder 😉 )
- Festung Akershus: super Aussicht auf den Fjord
- Fjord: Boots-Rundfahrt ab Aker Brygge
- Var Frelsers Gravlund: schöner alter Friedhof mit den Gräbern von Munch und Ibsen
- Essen: Mathallen, Oslo Streetfood (in einem ehemaligen Schwimmbad)
- Mamma Pizza: sehr leckere Pizza und Pasta im Zentrum / Bahnhofsnähe
- Fiskeriet: Seafood-Heaven sozusagen, als Shop und Restaurant. Austern, Fischsuppe und ein Rhabarber-Sprizz zum Lunch!
- Holmenkollen: Museum oben in der Skisprungschanze. Im gleichnamigen Wohngebiet zufällig Ole Einar Björndalen übern Weg laufen -unbezahlbar!
- Hotel Citybox: zentral, günstig, modern gestaltet















