Pure Lust am Laufen -in Münster ist das Motto Programm. 2017 war ich hier eher zufällig am Start: der Besuch bei Freunden ließ sich ganz gut mit dem Marathontermin verbinden und der Münster-Marathon war mein letzter langer Lauf vorm Berlin-Marathon. Entsprechend bin ich auch gelaufen: locker, ohne Druck, die Atmosphäre genießend. Und die war wirklich bombastisch! Ganz Münster auf den Beinen, Musikgruppen, Künstler auf Stelzen… selbst in den Vororten war nicht tote Hose. Dann der Zieleinlauf über den roten Teppich und durch ein buntes Fahnen-Spalier, angefeuert von tobenden Zuschauern.
Dass ich das nochmal erleben will, war schnell klar. Spätestens als ich zwei Wochen später Abschied im Ziel vom Berlin-Marathon nahm, enttäuscht von Orga, Kosten, überfüllter Strecke und vielem mehr. Meine Anmeldung für den Münster-Marathon 2018 ging noch vor Weihnachten raus, das Datum war fest für die Laufsaison gesetzt. Und ich sollte auch dieses Jahr nicht enttäuscht werden: übersichtliches Teilnehmerfeld (ca. 2.000 Marathonteilnehmer, der Rest läuft 4er-Staffel oder kurze Distanzen), guter Preis, super Orga und dann die Stimmung auf der Strecke:
Nach dem Start am Schloss geht es erst mal auf eine Runde durch die Stadt. Die meisten schlafen noch, aber einige sitzen schon im Café und feuern an, ebenso eifrig wie eine Truppe Schwestern gegenüber der Synagoge -einer von vielen Schmunzelmomenten des Tages. Weiter geht es, nach etwa zehn Kilometern erneut an der Musik-Bühne am Aegidiitor vorbei, teils um den Aasee herum und schließlich Richtung Umland. Nun folgt ein stetiger Wechsel zwischen Ortschaft und Landschaft, bei dem keine Langeweile aufkommt: die Staffelwechsel beleben das ganze, regelmäßig stehen Zuschauer an der Strecke und in den Ortschaften sitzen Familien beim Frühstück im Vorgarten, während nebenan die Omi mit dem Kochlöffel den Topf bearbeitet und die Läufer anfeuert. Hier haben auch die Zuschauer ihren Spaß, das merkt man und das überträgt sich total auf einen als Läufer. In Roxel und Gievenbeck hatten Familien teilweise eigene Getränkestationen aufgebaut und schenkten Wasser an die Läufer aus, die Kinder schauten schon fast enttäuscht, wenn man keinen Becher nahm. In Gievenbeck, kurz vor km35 kam auch wieder eins meiner Highlights: hier wird mal eben der Cycling-Kurs von Indoor nach Outdoor verlegt. Links die Kursteilnehmer, rechts der Trainer läuft man gepusht von Elektrobeats durch ein Räder-Spalier. Wer hier nicht lacht und klatscht, ist selbst Schuld.
Der 9.9. war dieses Jahr nicht ganz mein Tag, Nacken- und Rückenschmerzen machten mir diesen Marathon nicht leicht. Der Ultramarathon und der lange Traillauf in der Vorbereitungszeit hatten mich einige Körner Kraft gekostet, das merkte ich, schließlich bin ich keine 20 mehr und auch nicht Superwoman. Ab Kilometer 15 dachte ich ernsthaft ans Aufhören, aber so einfach ist das nicht. Gehpausen versucht, wollten die Beine nicht. Also mit reduziertem Tempo weitergetrabt. Irgendwie war ich dann bei km22 -über die Hälfte geschafft. Aufhören wäre jetzt also auch irgendwie bescheuert, sagte mein Dickkopf. Vielleicht hat es ja doch was bewirkt, in der Ultramarathon-Vorbereitung diesen ganzen Mentaltrainingskram zu lesen?! Es sollte Marathon Nummer 10 werden und das gibt man nicht mal eben so auf. Die weiteren Kilometer waren schwierig, ich versuchte immer wieder, den Rücken halbwegs locker zu kriegen, Schultern zu kreisen, nicht zu verkrampfen, positiv zu denken. Bei letzterem half das Publikum. Wenn da fast schon ständig jemand ist, der Dich -egal ob trommelnd, Namen rufend, Wasser reichend und und und- anfeuert und Dir das Gefühl gibt, ein Held zu sein, dann fühlst Du Dich auch irgendwann wie ein Held. Dann geht Aufgeben nicht, dann willst Du unbedingt finishen, wenn auch einige Minuten später, aber was ist schon Zeit… Und spätestens wenn Du in der Himmelreichallee am Power Point „Afrika“ vorbeikommst, weißt Du, dass die Welle Dich von da ins Ziel trägt und dass Du auch den Rest noch laufend erleben willst.
Denn danach wartet zum dritten Mal der Power Point am Aegidiitor auf Dich, die Musikbühne heizt ein, die Zuschauer toben und die Fantasiefiguren auf Stelzen zwinkern Dir zu. Spätestens hier sind alle Schmerzen und innere Kämpfe vergessen, von hier schwebt man quasi dem Ziel entgegen, über den roten Teppich Richtung Prinzipalmarkt, durch die ohrenbetäubend anfeuernde Zuschauermenge. Keine Ahnung, ob das Runners High ist, aber hier setzt ein Rausch ein, ein Gefühl, das Dich bald dazu treiben wird, Dich für den nächsten Marathon anzumelden (falls das nicht eh schon erledigt ist, haha…). Gesehen habe ich auf dem Stück über den roten Teppich gestern nicht mehr viel, die Emotionen kamen hoch, ich musste lachen und weinen gleichzeitig. Auf diesen letzten Metern kommt alles hoch: Erleichterung, Freude, Dankbarkeit, Wut (auf den Rücken/Nacken)… und dann Stolz, denn hey, es gibt da draußen nicht viele, die zehn von zehn Marathonläufe gefinisht haben!
Müde? Mein Körper ja, er braucht jetzt mal ne Pause und bekommt die auch. Marathonmüde? Definitiv nicht. Die Startunterlagen für Köln waren heute in der Post -meine müden Muskeln lachen.
Infos und Anmeldung auf der offiziellen Seite des Münster-Marathon.


Erhol dich gut. Du hast es dir verdient 🙂