Kölle alaaf/läuft!

Marathon Nr. 11, wo sonst als in Köln?! Nicht mit Absicht so geplant, aber doch ein äußerst passender Zufall! Nach dem eher unschönen Lauffeeling beim Münster-Marathon wenige Wochen davor war es Zeit für ein glückliches Lauferlebnis und vor allem als versöhnlicher Saisonabschluss. 2014 brachte mir die Strecke schon mal Glück und eine neue Bestzeit ein, warum also nicht auch 2018?!

Total entspannt ging es Samstagmorgen nach Köln. Ohne Zeitdruck im Nacken, denn die Laufmesse war nur optionales Shoppingerlebnis für mich, keine Pflichtstation: ich hatte das komfortable Angebot genutzt, mir die Startunterlagen gegen geringen Aufpreis vorab nach Hause schicken zu lassen. Ein Service, den sich andere größere Marathons durchaus abgucken könnten! Das spart Zeit, Stress und durchaus auch eine Übernachtung. Genauso das Detail, dass am Veranstaltungstag Öffis zur An-/Abreise genutzt werden können und mit der Startnummer auch für eine Begleitperson ein Ticket ausgegeben wird -keine Kleingeld-Kramerei auf dem Weg zum Startbereich wie in Berlin zum Beispiel.

Los geht’s um 10 Uhr, also fast schon Zeit um Auszuschlafen und dann entspannt in die Bahn nach Deutz. Im Bahnhofsgebäude erst mal Riesenrückstau, aber kaum draußen geht es echt flott: keine 15 Minuten brauche ich für Fußweg zum LKW, Kleiderbeutelabgabe und Fußweg in den Startblock. Alles kompakt und übersichtlich. Seitlich steht ein Karnevalswagen und oben kommentiert jemand das Geschehen. Kurz vor Start geht’s von dort auch los mit Anfeuern und Stimmung machen: dann wird die Karnevalsplatte aufgelegt und man braucht als Nicht-Kölner schon bisschen Nerven, sich noch im Halbschlaf diese Kulisse anzutun. Doch spätestens als Hulapalu dröhnt, sind auch die Nicht-Kölner dabei.

Dann geht’s auch schon los, im Sprühregen und bei angenehm frischen Temperaturen. Es braucht bis über die Brücke und gut einen Kilometer, bis man sich freigelaufen und locker eingerollt hat. Doch im Vergleich zu anderen großen Städte-Marathons alles human: knapp 5.000 Marathonläufer, dazwischen die Staffelläufer, das zieht sich rasch angenehm auseinander. Die ersten zehn Kilometer verlaufen eher ruhig, als Schlaufe durch den Süden Kölns. Ruhig heißt, da stehen Leute und feuern an, aber das ist nix gegen das, was einen später am Neumarkt und am Rudolfplatz erwartet. Fast überall stehen Leute und singen, schunkeln, feuern an. Manch einer hat zum Kostüm gegriffen -im Zuschauerbereich und im Läuferfeld. Im Laufe des Tages überhole ich u.a. Batman, Super Mario und den letzten Mohikaner. Manchmal kommt man durchaus ins Grübeln, ob das jetzt Marathon oder Straßenfest oder Karneval ist. Köln ist irgendwie alles und es passt so wunderbar. Darüber rollen die Kilometer nur so von alleine, mein Kopf ist woanders, bei dem Entertainment ja auch kein Wunder!

Bei der Stimmung bekommt auch das Wetter bessere Laune und die Wolkendecke reißt auf, nach 2h wird es richtig warm und sonnig. Fast schon perfekt, wäre da nicht der teilweise nervige Gegenwind. Aber egal, die Gedanken sind woanders: hier ist Stimmung, hier ist was los und die Musikkulisse teils ein Wechselbad der Gefühle -auf wenigen Kilometern von Hulapalu über Highway to Hell zum Kinderchor live ist teils echt ein bisschen hardcore. Kurz nach dem Kinderchor bei km27-28 kommt die Konfettibombe, das pusht und ich muss aufpassen, dass ich nicht bzgl. Pace übermütig werde. Denn wie sagt man so schön: bei 30km fängt Marathon erst an. Danach wird die Strecke auch etwas fies: man sieht nebenan entgegenkommend die schnelleren Läufer, die einem Kilometer voraus und schon auf dem Weg ins Ziel sind.

Irgendwie muss man jetzt noch diese letzte Schlaufe hinter sich bringen, danach, wenn man Nippes hinter sich lässt, ist es nur noch ein Katzensprung. Ich weiß nicht, ob es an der flachen Strecke liegt, an der super Stimmung oder daran, dass es immerhin schon Marathon Nr. 3 für dieses Jahr ist (oder vielleicht an allem zusammen?!), aber körperlich wie mental ist an diesem Tag für mich kein einziger Kilometer K(r)ampf, ich werde zwar minimal langsamer auf den letzten Kilometern, bin aber immer noch gut unterwegs. Bei km40 wartet ein letztes Mal mein Mann zum Anfeuern, der Rest fliegt nur so dahin, da kann ich schon genießen und mich freuen. Der Dom ist das Ziel, wirbt der Veranstalter, aber das stimmt nicht ganz, da kommt noch was… Aber egal, das Stück zwischen Dom und Zieleinlauf ist ohrenbetäubend laut, die Menge tobt, feuert an, feiert. Ich rolle ins Ziel, mit neuer Bestzeit, voller Freude, diesen Marathon so genossen zu haben, voller Freude, meine diesjährige Marathon-Saison so wunderbar zu beenden. Zur Belohnung erwarten mich (und das ist so dermaßen typisch für Köln, dass ich schon wieder schmunzeln muss, denn das ist eins der Details von 2014, an das ich mich noch total gut erinnere…) Leberwurstbrote, Blutwurstscheiben, gekochte Eier…. aber keine Sorge, es gibt auch die „normale“ Hinterziel-Verpflegung ;-).

Gehüllt in meine Folie, die Medaille um den Hals, Laugenstange und Bier in der Hand trotte ich mehr als zufrieden Richtung Kleiderbeutelrückgabe, bevor es ab nach Hause geht. Tolle Strecke, tolle Orga, tolle Stimmung, was ein Gefühl! Und da aller guten Dinge drei sind, komm ich auch bestimmt nochmal wieder! 🙂 Danke Köln, es war so wunderbar!

Infos und Anmeldung auf der offiziellen Seite des Köln-Marathon.

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