My home is your home.

Abgesehen davon, dass ich es genieße, dass kein Zimmerservice zu frühester Uhrzeit nervt und mich niemand mit Upgrade-Minibar-Marketing-Verkaufs-Gesprächen belästigt, lernt man als airbnb-Gast interessante Menschen mit noch interessanten Geschichten kennen. Hier in Santa Barbara wohnen wir bei einem netten schottischen Paar, das nach zehn Jahren Urlaub in Santa Barbara beschlossen hat, ganz hierhin auszuwandern. Das Haus auf dem Hügel, das sie gekauft haben, war ziemlich heruntergekommen, sodass sie viel Arbeit investieren mussten, damit es inzwischen ein kleines architektonisches Schmuckstück ist -modern, aber nicht kühl. Und da das Haus so groß ist, beide gerne andere Reisende treffen und letztlich auch das Kleingeld ein netter Nebeneffekt ist, vermieten sie ein Zimmer inkl. Badezimmer, eigenem Zugang und Terrasse. Wenn ich nicht so faul wäre und der Marathon nicht gerade erst abgehakt wäre, hätte ich mich vielleicht sogar überwinden können, an einem der Yogakurse teilzunehmen, die unsere Gastgeberin im hauseigenen Yogastudio gibt und zu denen die Gäste herzlich eingeladen sind.

Einer der zahlreichen Vorteile, sich seine Urlaubs-Unterkunft über airbnb zu mieten, ist das fabelhafte Gefühl, nicht als Touri unterwegs zu sein. Unsere Gastgeber hatten bislang immer gute Tipps: was Touri-Fallen sind, wo man besser nicht hingeht, wo man günstig oder gratis parken kann, welche Museen gerade geschlossen sind, was im Reiseführer steht, aber inzwischen längst überholt ist, wo die Einheimischen essen gehen, wie man an gute Rabatte kommt usw. Eigentlich brauche ich gar keinen Reiseführer, wenn wir über airbnb gebucht haben: die meisten Hosts geben sich dermaßen Mühe, haben zig Vorschläge und/oder haben einen Ordner mit Restaurant- und Unternehmungstipps vorbereitet, dass sich manche Tourismusinformation eine Scheibe daran abschneiden könnte. Unser Host in Philadelphia, ein Hotel- und Restauranttester, nutzte die Zeit bis zu seiner nächsten Reise und ließ es sich nicht nehmen, uns ein par nette kulinarische Flecken in seiner Stadt zu zeigen. Kate, unsere Gastgeberin in San Francisco, teilte ihr Wissen als PR-Frau im Bereich Essen und Wein mit uns.

Interessant ist, dass es nicht DAS airbnb-Konzept gibt. Vom typischen Couchsurfing über ein separates Zimmer, Bed & Breakfast, ein ganzes Haus bis hin zur Villa mit zig Schlafzimmern und Pool findet man auf der Plattform so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Letztlich kann man für eine luxuriöse airbnb-Unterkunft auch locker einiges mehr als für ein gutes Hotel ausgeben, andererseits bieten manche unterhalb des Couchsurfing-Niveaus auch wirklich die letzte Besenkammer an. Man definiere sein Budget und seine Ansprüche und checke Angebotsliste und Bewertungen… Wie immer sollte man zwischen den Zeilen lesen, aber im Gegensatz zu den meisten Hotels ist Internet bei airbnb-Unterkünften inklusive, Parken manchmal auch. Manche bieten auch Verpflegung an, mal als Extra, mal inklusive.

Was ich am Konzept bewundere, ist das Vertrauen. Klar haben beide ihren Steckbrief, ihre Bewertungen und kann der Gastgeber Gäste-Anfragen ablehnen, aber dennoch bleibt ein Restrisiko -für die Wertsachen des Gastes (nun gut, selbst Hotelsafes sind ja nicht immer sicher…) und für die des Gastgebers. Ich denke da gerade an unseren Gastgeber in New York, der erklärte, wir könnten selbstverständlich die ganze technisches Ausrüstung seines Appartements nutzen. Inzwischen stellt Eric seinen Gästen sogar (gratis) ein iPhone 5 zur Verfügung, gefüllt mit allerlei nützlichen NY-Apps. Oder unsere deutsch-amerikanische Gastgeber-Familie in La Jolla, die beim Check In erklärte, die Benutzung von Fahrrädern, Surfbrettern und des Outdoor-Whirlpools sei kein Problem.

Durch airbnb entstehen ein riesiges Netzwerk und auch Freundschaften. Unsere Gastgeber in Santa Barbara reisen demnächst nach San Diego ihre allerersten airbnb-Gäste besuchen, zu denen sie guten Kontakt haben. Wir haben letzten Herbst beim Berlin-Marathon in einer Art airbnb-Pension nette Schweden kennengelernt und uns diesen Sommer gegenseitig besucht. Unseren Schweden-Besuch haben wir mit einem Abstecher in Stockholm kombiniert, wegen Eishockey-WM waren die Hotels im Zentrum ausgebucht, also sind wir wieder bei airbnb gelandet und fanden eine Wohnung in Westermalm: Dank Log-In über Facebook stellte sich heraus, dass der Gastgeber ein Bekannter unserer schwedischen Freunde war -klein ist die Welt. Dies war jedoch einer der Fälle, in denen wir den Gastgeber nicht getroffen bzw. kennengelernt haben, da er selbst verreist war. Dafür haben wir ihn später bei unseren schwedischen Freunden im Fernsehen gesehen: er wurde in Malmö beim Eurovision Song Contest interviewt und wir erkannten ihn Dank seines airbnb-Fotos.

airbnb-Locations, die wir jederzeit wieder mieten würden:

Zimmer inkl. Bad, separater Zugang, in La Jolla, San Diego (zu bestimmten Zeiten im Jahr ist auch das komplette Haus zu mieten)

Zimmer in New York

Bed & Breakfast in Washington

Zimmer inkl. Bad bzw. Haus in Philadelphia

Zimmer in Berlin

Zimmer inkl. Bad, separater Zugang, in Santa Barbara

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