Salve Roma, morituri te salutant: Mit Teenies auf Eroberungszug durch die Ewige Stadt

Was schenkt man 14-jährigen Zwillingen zur Konfirmation? Genau: keine Umschläge oder Alibi-Präsente, sondern Erinnerungen. Die Wahl des Reiseziels lag komplett bei Nichte und Neffe – und die Ansage war eindeutig: Rom! Also hieß es für uns vier an diesem Oktober-Wochenende: Salve Roma, morituri te salutant! Die Gladiatoren von heute reisen mit wenig Gepäck und stellen sich tapfer den Stufen, der Hitze und den Touristenströmen.

Freitag früh ging es mit Luxair ab Luxemburg direkt nach Rom-Fiumicino, mit geplantem Rückflug am späten Sonntagnachmittag. Vorbildlich vorbereitet waren Lia und Luk jedenfalls: Sie hatten im Vorfeld eifrig per Sprachlern-App Italienisch gelernt – beste Voraussetzungen, um uns durch die Metropole zu navigieren.

Basisstation Prati: Charme mit Patina

Unser Stützpunkt: das Hotel Isa im Viertel Prati. Die Lage unweit des Vatikans ist absolut unschlagbar. Das Hotel selbst ist völlig in Ordnung, glänzt mit famoser Dachterrasse, hat ansonsten seine besten Glanzzeiten allerdings schon ein paar Jährchen hinter sich.

Da es bei der Ankunft gegen 11 Uhr noch zu früh für Pasta und Pizza war, gab es das erste italienische Koffein (und Erfrischung für die Jugend) im Café direkt an der Ecke. Danach ging es zur Orientierungsrunde via Engelsburg Richtung Spanische Treppe.

Dort lösten wir gleich eines der wichtigsten Probleme beim Stöbern durch Boutiquen und (auf Lias Wunsch) Pandora-Läden: Rucksäcke sind bei den großen Touren in Vatikan und Kolosseum verboten. Die Rettung für die Nichte war ein schneller Zwischenstopp bei Uniqlo – die gekaufte Tasche erwies sich als bester 15-Euro-Lebensretter des Wochenendes. Eine erste Ladung Pasta und Pizza zum Lunch sollte als Basis für das nun anstehende Touri-Programm Energie liefern.

Der Petersdom: 551 Stufen zur Erleuchtung

Zurück über den Tiber ging es zur Vatikanstadt. Luk war sofort fasziniert von der Schweizer Garde und ihren traditionellen bunten Uniformen.

Für den Petersdom, die Basilika und die Kuppel hatten wir vorab Online-Tickets inklusive Audioguide reserviert. Zwar gibt es dafür einen separaten Eingang, aber um die Sicherheitskontrolle in der prallen Hitze kommt man nicht herum. Und wie es im römischen Trubel eben so läuft: Zwischendrin eine gute halbe Stunde zielsicher in der falschen Schlange geschmort. Gerettet haben uns die genialen Nasoni, Roms Trinkwasserbrunnen mit eiskaltem Quellwasser, die man einfach überall findet – auch auf Kirchendächern.

Dann folgte das sportliche Highlight für uns vier – der Aufstieg zur und in die Kuppel:

  • 231 Stufen im ersten Abschnitt (wer will, schummelt mit dem Aufzug, hatte ich aber nicht gebucht)
  • Nochmal 320 Stufen hinterher – und die kann man leider nicht umgehen!

Die Zwischenplattform bietet zwar nur einen eingeschränkten Rundumblick, dafür steht man direkt hinter den monumentalen, drei Meter hohen Statuen mit Blick auf den Vorplatz. Weiter innen geht der Blick zunächst hinunter ins gigantische Kirchenschiff der Basilika. Danach im Treppenhaus wird es schief, steil und ordentlich warm. Kondition schadet hier definitiv nicht! Für Menschen mit Platzangst, Kreislauf-Problemen und Höhenangst definitiv nicht geeignet! Endlich oben angelangt auf der äußeren Plattform der Kuppel drängt sich zwar die Masse, doch der 360-Grad-Blick über die ewige Stadt entschädigt für jeden Tropfen Schweiß.

Dann ging es wieder komplett runter, innen in die Basilika. Hier ist die Digitalisierung angekommen: Per Kartenzahlung und Schalter „entzünden“ wir eine LED-Kerze in Gedenken an Oma. Auf Luks Wunschliste standen eigentlich noch Katakomben und Vatikanische Grotten, aber am Zugang in der Nähe des Papstaltars war die Warteschlange einfach zu lang.

Echter Fremdschäm-Moment, als wir wieder draußen auf dem Vorplatz waren: Influencer, die in reichlich deplatzierten Outfits direkt neben der Kirche und vor den Gardisten alberne Tänzchen und Posen für Social Media aufführten. Muss wirklich nicht sein.

Schade war nur, dass wir keine Tickets mehr für die temporäre Ausstellung mit JR’s monumentaler Sintflut-Welle an der Fassade der Vatikanischen Bibliothek bekommen hatten – das wäre Kunst genau nach meinem Geschmack gewesen. Leider war schon Wochen im voraus alles ausgebucht.

Zum Ausklang gab es am Abend bodenständiges römisches Streetfood zu absolut fairen Preisen: Pizza auf die Hand, heiße, Fäden ziehende Supplì al telefono und fantastisches Eis – glückliche Teenies inklusive.

Lego-Liebe, Trevi-Trubel und ganz viel Historie

Der Samstag begann mit einem absoluten Volltreffer für Luk (und auch Lia): Im Lego-Store erst mal Foto-Shooting vor dem bis ins kleinste Detail aus Steinen nachgebaute Trevi-Brunnen, dann natürlich Shopping.

Die Realität draußen vor den antiken Monumenten verlangte dann wieder Nehmerqualitäten:

  • Pantheon: Bei den endlosen Warteschlangen kapitulierten wir vernünftigerweise – mit 14-Jährigen im Schlepptau muss man strategisch entscheiden, welche Schlachten man schlägt. Anschauen von außen reicht dann irgendwie auch.
  • Trevi-Brunnen: Massenauflauf der Extraklasse zur Haupt-Tourizeit. Aber Geschäftssinn haben die Römer: Direkt gegenüber hat ein findiger Kopf einen Candy-Laden eröffnet – die perfekte Motivationsspritze aus purem Zucker, um sich erfolgreich durch den Menschentrubel zu navigieren.

Zum Mittagessen kehrten wir in die Spaghetteria und Pizzeria L’Archetto ein. Als Vorspeise gab es mit Puntarelle (auf Stracciatella-Aufstrich und getoastetem Brot) gleich eine italienische Delikatesse, als Hauptgang gab es Pasta – für mich in der Version mit Hummersoße und mit dem vielversprechenden Namen „Pasta Chanel“, haha. Bis dahin lief alles gut, aber zum Abschluss bekamen wir die volle Breitseite italienischer Zahlungstricks serviert: Erst ging die Visa-Zahlung angeblich nicht, dann war plötzlich das Internet kaputt und die Kellnerin schien auf magische Weise jedes Wort Englisch verlernt zu haben. Am Ende klappte die Kartenzahlung natürlich doch. Das Chaos forderte jedoch seinen Tribut: Plötzlich war André weg! Wir warteten an der Kreuzung, Anrufe blieben vergeblich, und in den Köpfen der Zwillinge reifte schon der Plot für einen Entführungskrimi. Die Entwarnung nach gefühlten Ewigkeiten: Über das ganze Visa-Theater hatte er schlicht seine Tasche im Restaurant hängen lassen und war zurückgerannt, ohne uns Bescheid zu geben.

Am Nachmittag standen Kolosseum, Forum Romanum und der Palatin an. Da auf der offiziellen Seite alles restlos ausverkauft war, hatten wir Tickets samt Audioguide über GetYourGuide ergattert. Im Kolosseum war extrem viel los, auf dem weitläufigen Außengelände verlief es sich zum Glück angenehmer – und auch hier retteten uns die Nasoni vor dem Verdursten.

Nach so viel Historie und Ruinen kehrte eh schon eine gewisse Müdigkeit ein, den Mund der Wahrheit (Bocca della Verità) sparten wir uns daher: 2 Euro Eintritt und eine lange Schlange – das war vor 15 Jahren definitiv noch anders! Da die Zwillinge nach fast 10 Fußkilometern spürbar platt waren (und mich langsam verfluchten), winkten wir ab. Stattdessen suchten wir den Ausgang aus dem riesigen Areal, stiegen hinauf Richtung Museen und Nationaldenkmal und gerieten auf dem Vorplatz mitten in eine Hochzeit. Vorbei an Menschenmassen Richtung Trevi-Brunnen und mit gelegentlichen Shopping-Stopps brauchten die Akkus eine Pause. Ein kurzer, stiller Zwischenstopp in der Chiesa Valdense brachte Ruhe – eine geduldige Dame vor Ort erklärte mir alles in wunderbar langsamem Italienisch, damit ich folgen konnte. Danach gab es für uns alle zur Erholung und Abkühlung nochmal eine ordentliche Portion Eis.

Weil die beiden Teenies unbedingt nach Japan reisen wollen, lautete der kulinarische Beschluss für den Abend: Ab ins japanische Restaurant Taki! Bei Yuzu-Limonade, Genmaicha-Tee, Edamame, Sushi und Sashimi (unser Favorit: California Flowers!), und Mochi-Eis ließen wir es uns gutgehen. Als ich mich für unser kleines Bestell-Chaos entschuldigte, kam die passende Antwort des Kellners: „Nichts da, wir sind hier in Italien, wir sind das Chaos!“ Herrlich.

Trastevere haben wir dieses Mal zeitlich leider nicht geschafft und auch andere Punkte meiner Wunschliste – wie ein Revival der XXL-Sandwiches bei All’Antico Vinaio, die Gelateria Fassi oder das Frigidarium – heben wir uns fürs nächste Mal auf. Wir hatten das bei unserem Rom-Trip vor 15 Jahren schon (fast) alles abgehakt und zu viert und mit Teenies reist es sich dann nochmal mit anderem Fokus und anderem Tempo.

Römischer Morgenlauf, Halbmarathon & Abschied

Sonntagmorgen, 8 Uhr – während die anderen noch schliefen, schlüpfte ich in die Laufschuhe. Am Ufer des Tibers ging es am Radweg entlang südwärts in Richtung Kolosseum. Viele andere Läufer waren unterwegs, aber die Stadt empfing einen in herrlicher, fast meditativer Ruhe: keine Autos, keine Touristenscharen. Die Monumente im morgendlichen Licht aus dieser Perspektive im Laufschritt zu erleben, war definitiv besonders. Zum Abschluss gab es noch ein kleines Treppentraining à la Stairmaster vom Flussufer hinauf. In der Via Cicerone feuerte ich kurz vor dem Verpflegungspunkt die Massen des stattfindenden Halbmarathons an. Zurück im Hotel gab es Frühstück auf der Dachterrasse – mit bestem Blick hinab auf den nie abreißenden Strom der Halbmarathonis.

Den Vormittag nutzten wir für eine letzte gemeinsame Spazierrunde. Durch die Straßensperren des Halbmarathons war das Durchkommen zwar etwas erschwert, aber über zwei Brücken führte uns der Weg noch einmal an der Engelsburg vorbei zum Vatikan.

Mittags sollte es eigentlich ins Café Run by Nuns gehen, aber das war definitiv zu voll und für die Kids schlichtweg eine Spur zu hip (Urteil: zu viel Avocado…). Pragmatische Lösung mitten in Rom: Wir bogen einfach zum Griechen ums Eck ab! Zu einer ordentlichen Portion Pommes gab es noch ein passendes Hippokrates-Zitat serviert. Draußen fegten die städtischen Kehrmaschinen geschäftig die letzten Spuren des Halbmarathons vom Asphalt.

Gestärkt, mit jeder Menge gelaufenen Kilometern in den Beinen und einem Koffer voller Erlebnisse machten wir uns schließlich auf den Weg zum Flughafen Fiumicino. Das Fazit? Ein Rom-Trip im Zeitraffer mit zwei Teenies ist intensiv, fordernd und voller Slalomläufe zwischen Kultur, antiken Steinen und urbanem Trubel. Aber als Geschenk unbezahlbar. Die Frage des Sonntags: „Können wir noch bleiben?“

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